Kann man auch Hämorrhoiden haben, ohne dass man sie bemerkt?

Ja. Vor allem in den Frühstadien (Grad I und Grad II) bleiben Hämorrhoiden nicht selten weitgehend symptomlos. Das bedeutet zum einen, dass sie dann oft nur durch Zufall beim Arzt entdeckt werden. Es bedeutet aber auch, dass man sie nach der Entdeckung möglicherweise nicht wirklich ernst nimmt.

Das ist aber unklug, denn Hämorrhoiden haben die unangenehme Eigenschaft, sich weiterzuentwickeln. Solange, bis sie dann tatsächlich massivere Beschwerden verursachen. Und wirklich verschwinden tun sie nur, wenn man etwas gegen sie unternimmt.

Hämorrhoiden und Hämorrhoidalleiden

Bei "Hämorrhoiden", wie das unangenehme Beschwerdebild landläufig bezeichnet wird, sind Gefäßknäuel im Rektum (Mastdarm, ein Teil des Enddarms) vergrößert. Von einem Hämorrhoidalleiden sprechen Mediziner aber erst dann, wenn die erweiterten Gefäßpolster Beschwerden bereiten. Die Hämorrhoiden, also die Gefäße an sich, sind völlig normal und gehören bei jedem Menschen zur anatomischen Grundausstattung des Enddarms. Hier übernehmen sie eine wichtige Funktion, indem sie dafür sorgen, dass nach außen hin alles luft- und winddicht abgedichtet ist.

Solange die Adern ihre Aufgabe ungestört verrichten können, bekommen wir von ihnen im Alltag bewusst nichts mit. Geraten sie jedoch unter Druck, können sie mit der Zeit "ausleiern". Solange sie an Ort und Stelle bleiben, bemerken Betroffene auch davon oft noch nichts. In den Stadien I und II sind die Knoten von außen noch nicht sichtbar (Grad I) bzw. treten nur beim Pressen aus dem After hervor und ziehen sich danach von alleine wieder zurück (Grad II).

Ernährung und Bewegung bei Hämorrhoiden

Auch wenn die vergrößerten Hämorrhoidalpolster in diesen Stadien vielleicht noch wenig stören, bilden sie sich ab Grad II in der Regel nicht mehr von alleine zurück, vor allem, wenn die Ursache dahinter nicht behoben wird.

Oft sind es die Ernährungsgewohnheiten und mangelnde Bewegung, die den feinen Strukturen im Enddarm zu schaffen machen. Viel Fett und Zucker, wenig Ballaststoffe und frische Kost verändern den Stuhl, so dass der Darm nicht mehr ausreichend angeregt wird. Probleme wie Verstopfung, verbunden mit starkem Pressen beim Stuhlgang, setzen den Gefäßbündeln ebenfalls zu.

Ohne Aktivität und Bewegung schlaffen nicht nur nicht nur die Muskeln des Bewegungsapparates ab, sondern auch die inneren Gewebe. Die Hämorrhoidalpolster werden von Muskel- und elastischen Fasern im Rektum fixiert. Verlieren sie an Spannung, zieht es die Gefäße immer weiter nach unten, bis sie irgendwann aus dem Analkanal ragen. Spätestens dann bereiten sie auch Probleme und müssen behandelt werden.

Keine Panik, aber auch nicht nachlässig sein

Nur weil das alles passieren kann, heißt das natürlich noch nicht, dass Sie jetzt ständig überprüfen sollten, ob Sie am Anus irgendeine Veränderung bemerken. Wenn Sie keine Beschwerden haben, ist das ja ein gutes Zeichen und kann auch so bleiben.

Wenn Sie sich beim Lesen des Beitrags allerdings vielleicht dabei ertappt haben, wie wenig Sie in letzter Zeit auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung geachtet haben und wie Sie auch Ihr Fitnessprogramm mehr und mehr haben schleifen lassen, lohnt es sich, hier anzusetzen. Das kann Sie in Zukunft nicht nur vor Hämorrhoiden bewahren.

Wenn der Arzt bei Ihnen zufällig vergrößerte Hämorrhoidalgefäße bemerkt hat, sollten Sie spätestens jetzt anfangen gegenzusteuern, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das nicht langfristig so bleiben wird. Es lohnt sich also, bei der "Zufallsdiagnose Hämorrhoiden" den Empfehlungen des Arztes zu folgen.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

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