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Übergewicht und Adipositas: Ursachen und Behandlung

Wo liegt der Unterschied zwischen Übergewicht und Adipostitas? Wer ist besonders häufig betroffen, und was kann ich dagegen unternehmen? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen im folgenden Beitrag rund um das Thema Übergewicht.

Definition und Einteilung

Ab wann hat man eigentlich Übergewicht?

Um zu bestimmen, ob man Normalgewicht hat oder übergewichtig ist, wird in der Regel der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Der BMI ist wesentlich aussagekräftiger als das pure Körpergewicht, weil er auch die Körpergröße berücksichtigt.

Die Berechnungsformel klingt auf den ersten Blick etwas kompliziert: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat.

Beispielrechnung für einen 75 kg schweren und 1,80 m großen Mann: 75 : (1,8 x 1,8) = 23,15.

Definition von Untergewicht, Normalgewicht und Übergewicht laut Body-Mass-Index:

  • Untergewicht: BMI < 18,5
  • Normalgewicht: BMI = 18,5 - 24,9
  • Übergewicht: BMI = 25 - 29,9
  • Adipositas Grad I (mäßig): BMI = 30 - 34,9
  • Adipositas Grad II (deutlich): BMI = 35 - 39,9
  • Adipositas Grad I (extrem): BMI > 40

Ab einem BMI von 25 sollte man also spätestens beginnen, etwas für die Gewichtsreduktion zu tun.

Ab wann nennt man Übergewicht Adipositas?

Adipositas ist der medizinische Fachbegriff für starkes Übergewicht. Der Begriff wird von Ärzten zwar auch häufig generell und ohne genaue Abgrenzung für dickere Menschen benutzt, hat aber in den Lehrbüchern auch eine eindeutige Definition. Demnach liegt eine Adipositas vor, wenn der Body-Mass-Index über 30 beträgt.

Body-Mass-Index über 30? Was genau bedeutet das? Um Ihren Body-Mass-Index (BMI) zu bestimmen, müssen Sie ein bisschen rechnen. Die Formel lautet:

Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch Körpergröße (in Meter zum Quadrat). Beispielrechnung für eine 80 kg schwere und 1,70 m große Frau: 80 : (1,7 x 1,7) = 27,68.

Ab einem BMI von 25 ist man zu dick

Die oben aufgeführte Beispielfrau ist übergewichtig, denn ihr Body-Mass-Index liegt über 25. Aber sie ist noch nicht adipös.

Für die Adipositas gibt es sogar noch weitere Abstufungen: Ab einem Body-Mass-Index von 35 spricht man von Adipositas 2. Grades, ab einem BMI von 40 handelt es sich um eine Adipositas Grad III. Dafür müsste die Beispielfrau mit ihren 1,70 Meter Körpergröße 120 Kilogramm oder mehr wiegen.

Habe ich Übergewicht? Wie wird der Broca-Index berechnet?

Der Broca-Index ist eine Formel, mit der man berechnen kann, ob man Übergewicht hat oder nicht. Die Formel ist sehr viel einfacher als beim üblichen Body-Mass-Index (hat dafür aber auch ein paar Nachteile).

Nach dem Broca-Index liegt das persönliche Normalgewicht bei der Körpergröße (in cm) minus 100. Beispiel: Bin ich 1,75 Meter groß, wäre mein Normalgewicht demnach 75 kg.

Wie so oft im Leben ist nicht besser, was einfacher ist. Der entscheidende Nachteil des Broca-Index' ist, dass er bei Körpergrößen unterhalb von 1,60 m und oberhalb 1,80 m eher verzerrt. Er gilt deshalb heute zumindest unter Experten als veraltet und wird kaum noch angewandt.

Wie messe ich meinen Körperfettanteil?

Der Körperfettanteil gibt die anteilige Masse des Fettes bezogen auf das Gesamtgewicht des Körpers an. Um den Körperfettanteil zu messen, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Vier gängige Methoden stellen wir Ihnen hier kurz vor:

Körperfettanteil messen mit einer Körperfettwaage

Bei der Körperfettwaage handelt es sich um eine Personenwaage, die neben dem Gewicht auch den Muskelanteil, die Knochenmasse und das Körperfett (oft auch den Wassergehalt) berechnen kann. Die Messung erfolgt durch einen schwachen elektrischen Strom, der in der Regel durch die beiden Beine geleitet wird – teurere Waagen schicken den Strom zusätzlich durch die Arme. Aufgrund des Widerstands des Körpers hat der wieder ankommende Strom eine geringere Spannung. Aus diesem Spannungsabfall berechnet die Waage, aus welchem Gewebe der Körper besteht.

Wichtig: Um eine einigermaßen genaue Messung hinzubekommen, sollte man den Körperfettanteil am besten am Morgen nach dem Toilettengang messen.

Körperfettanteil messen mit einer Fettzange

Der Kaliper (oder auch Fettzange genannt) ist ein Gerät, das die Dicke von Hautfalten misst. Mithilfe des Hautfaltenmessgeräts lässt sich durch die Messung an verschiedenen Körperstellen der Körperfettanteil bestimmen. Die bekannteste Methode ist die 4-Hautfaltenmessung: Das heißt, es wird an vier geschlechtsneutralen Punkten (Schulterblatt, Trizeps, Bizeps, und Darmbein) gemessen.

Es gibt aber noch weitere Methoden, bei denen an 3, 7 oder 9 Körperstellen gemessen wird. Bei korrekter Anwendung liefert diese Methode sehr genaue Messergebnisse.

Körperfettanteil messen mit der US-Navy-Methode

Bei der US-Navy-Methode wird der Körperfettanteil anhand einer Formel berechnet. Zur Berechnung werden folgende Daten benötigt: Geschlecht, Körpergröße, Nackenumfang und Bauchumfang. Frauen brauchen noch zusätzlich den Taillen- und Po-Umfang.

Die Daten werden in folgende Gleichungen eingesetzt.

  • Männer: 495 : 1,0324 – 0,19077 x (Bauchumfang in Zentimetern – Halsumfang in Zentimetern) + (0,15456 x Körpergröße in Zentimetern) – 450 = Körperfettanteil in Prozent
  • Frauen: 495 : 1,29579 – 0,35004 x (Bauchumfang in Zentimetern + Hüftumfang in Zentimetern – Halsumfang in Zentimetern) + (0,22100 x Körpergröße in Zentimetern) – 450 = Körperfettanteil in Prozent

Die Methode ist einfach durchzuführen (wenn man sich mal durch die Gleichung gebissen hat), liefert aber nicht sehr genaue Ergebnisse.

Körperfettanteil messen durch professionelle Messung

Wer sehr genaue Angabe erhalten möchte, kann seinen Körperfettanteil beim Arzt messen lassen. Durch die Zuhilfenahme moderner Geräte (Ultraschall) erhält man sehr genaue Werte. Die professionelle Körperfettmessung ist allerdings sehr teuer.

Ursachen

Wird das Risiko, dick zu werden, vererbt?

Es gibt zweifellos eine familiäre Veranlagung für Übergewicht. So ist der Grundumsatz, also die Menge an Kalorien, die man in Ruhe verbraucht, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und diese Unterschiede sind vor allem genetisch bedingt.

Allerdings hat man es selbst bei familiär bedingtem niedrigen Grundumsatz doch überwiegend selbst in der Hand, ob man dick wird oder nicht (abgesehen von ganz selten Ausnahmen fundamentaler körperlicher Ursachen). Wer sich gesund ernährt und ausreichend bewegt, hat unabhängig von seinen Genen beste Chancen schlank zu bleiben.

Wie erklärt die Selfish-Brain-Theorie Übergewicht?

Neue wissenschaftliche Ansätze aus dem Bereich der Neurobiologie liefern Erkenntnisse zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas. Besonders wichtig ist dabei die Selfish-Brain-Theorie, die unter der Leitung von Achim Peters an der Universität Lübeck erdacht wurde.

Peters geht von einer Störung im Energiehaushalt des Gehirns aus. Dabei gilt das Gehirn als "selbstsüchtig", daher auch der Name der Theorie. Die sogenannte Selbstsucht des Gehirns besteht darin, dass es trotz seines (verglichen mit dem übrigen Körper) relativ geringen Volumens rund 50% des täglichen Gesamt-Glukose-Bedarfs für sich beansprucht. Auch wenn eine ausgeprägt körperliche Belastung vorhanden ist oder eine Gewichtsreduktion erfolgt, bleibt dies so.

Wie funktioniert der Energiehaushalt im Gehirn?

Der starke Bedarf an Energie im Gehirn wird hormongesteuert bewerkstelligt. Man spricht auch von Allokation: Dem Körper wird Glukose entnommen und in das Gehirn geführt. Die Selfish-Brain-Theorie besagt, dass diese Allokation bei manchen Menschen versagt. Bestimmte Gehirnareale, die den Kreislauf von Blutzucker und Fett regulieren, weisen dabei Schäden auf. Dies führt dazu, dass die erforderliche Energie nicht dem Körper abverlangt wird, sondern durch vermehrte Aufnahme von Nahrung zugeführt wird - und das, obwohl der Organismus eigentlich mit Energie gesättigt ist. So entsteht ein Energiestau in der Lieferkette – der Mensch nimmt zu.

Stimmt es, dass Übergewicht auch psychisch bedingt sein kann?

Auf jeden Fall. Nicht umsonst gibt es ja den Begriff "Kummerspeck". Menschen, die Kummer und Sorgen haben, unter Ängsten leiden oder Ärger haben, neigen mitunter zu "Fressattacken".  Sozusagen als Belohnung, wenn schon sonst alles schief läuft.

Das gilt auch für Stress und Niedergeschlagenheit. Und manche Menschen essen auch zu viel aus Langeweile. Zwar führen insbesondere Kummer und Angst bei vielen Betroffenen auch dazu, dass sie weniger essen und sogar massiv abnehmen. Aber es gibt eben auch diejenigen, die genau andersherum reagieren.

Bewegung als Therapie – auch für die Seele

Wenn Sie nun für sich feststellen, dass Sie wohl aus psychischen Gründen zugenommen haben, ist eine Überlegung wichtig: Ein "aktiv dagegen angehen" muss nicht erst einsetzen, wenn es Ihnen besser geht – ein "aktiv dagegen angehen" ist auch eine Art Therapie: Allein dadurch, dass man es tut, wird die Stimmung besser. Mehr Bewegung, Sport und eine gesündere Ernährung haben also oft eine Art Doppeleffekt: Ihre Laune wird besser und Sie nehmen ab!

Kann auch ein "zu spätes Sättigungsgefühl" Ursache von Übergewicht sein?

Ja. Zumindest gehen Wissenschaftler davon aus, dass bei manchen Übergewichtigen die hormonelle Signalkette zwischen Magen und Gehirn nicht optimal funktioniert. Dass also der Magen zu spät das Signal "satt" nach oben sendet.

Die Folge eines solchen "zu späten Sättigungsgefühls ist, dass man weiter isst, obwohl man eigentlich schon genug gegessen hat.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Versuchen Sie doch mal, die Mahlzeit zu beenden, bevor Sie 100%ig satt sind. Gut möglich, dass Sie sich eine halbe Stunde später sehr wohl satt fühlen. Diesen Effekt kennen ja auch viele, die kein Problem mit Übergewicht haben.

Welche "populären" Medikamente können Übergewicht begünstigen?

Begünstigend für eine Gewichtszunahme sind vor allem solche Arzneimittel, die den Appetit steigern oder zu mehr Wasser- und Fetteinlagerung führen.

Solche Effekte können zum Beispiel einige Hormonpräparate haben, unter anderem die Anti-Baby-Pille. Auch Kortison-Präparate können eine Gewichtszunahme fördern.

Stimmt es, dass Übergewicht auch durch eine Unterfunktion der Schilddrüse entstehen kann?

Ja. Allerdings ist das eher eine seltene Ursache von Übergewicht. Wenn man sich also fragt, warum man dicker geworden ist, steht die Schilddrüse eher sehr weit unten auf der Liste der Möglichkeiten.

Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kommt es zu einer generellen Verlangsamung des Stoffwechsels – und damit auch mitunter zu einer Gewichtszunahme. Im Gegensatz dazu führt eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zu einer (überhohen) Stoffwechselaktivierung und geht eher mit Gewichtsverlust einher.

Operation

Welche Operationsformen zur Reduzierung von Übergewicht gibt es?

Zu den gängigen Methoden der sogenannten bariatrischen bzw. Adipositas-Chirurgie, bei der Ärzte dem Übergewicht mit operativen Mitteln zu Leibe rücken, zählen:

  • Magenband (Gastric Banding)
  • Magenverkleinerung (Schlauchmagen)
  • Magenbypass
  • biliopankreatische Diversion
  • Magenband
  • (Magenballon)
  • weitere, ggf. kombinierte Formen

Als reine Schönheitsmaßnahmen ungeeignet

Diese operativen Behandlungsmaßnahmen sind grundsätzlich nicht risikolos und – je nach Verfahren – mitunter unumkehrbar. Aus diesem Grund kommen sie nur bei ausgeprägter Fettsucht (Adipositas) in Betracht, wenn konservative (nichtoperative) Therapieversuche erfolglos geblieben sind und ernste gesundheitliche Gefahren für den Übergewichtigen drohen. Als reine Schönheitsoperation taugen diese Eingriffe nicht.

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie darf eine Adipositas-Operation bei Personen ab einem BMI von 40 kg/m2 angewendet werden oder bei einem BMI ≥ 35 kg/m2, wenn zusätzlich mindestens eine Begleiterkrankung wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck oder Schlafapnoe vorliegt. Wenn die OP bei einem bestehenden Diabetes hauptsächlich auf eine Verbesserung der Stoffwechsellage abzielt (sogenannte metabolische Chirurgie) und die Erkrankung mit anderen Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden kann, sind operative Eingriffe im Einzelfall auch schon unter 35 kg/m2 möglich.

In all diesen Fällen erfolgt auch eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.

An erster Stelle stehen Schlauchmagen und Magenbypass

Üblicherweise kommt zunächst eine operative Verkleinerung des Magens (Schlauchmagen) oder ein Magenbypass in Frage, bei dem ein Teil des Magens und des anschließenden Dünndarms ausgeschaltet wird. Auch die sogenannte biliopankreatische Diversion ist ein bewährtes Verfahren, das zumindest international häufig durchgeführt wird, während es sich in Deutschland bisher weniger durchgesetzt hat. Dabei wird das Fassungsvermögen des Magens ähnlich wie beim Magenbypass verkleinert, wenn auch deutlich weniger stark. Dafür wird ein weitaus größerer Teil des Dünndarms von der Nahrungspassage ausgeschlossen.

Ein Magenband wird in der Regel, wenn überhaupt, nur bei einem BMI < 50 kg/m2 eingesetzt. Zwar ist der Eingriff relativ schonend und risikoarm; im Langzeitverlauf können jedoch Komplikationen auftreten, die eine erneute Operation erfordern. Außerdem sind die Ergebnisse weniger überzeugend als bei den anderen Verfahren. Daher wird das Magenband zunehmend weniger eingesetzt und muss im Einzelfall gut überlegt sein.

Auch mehrere Verfahren möglich

Der Magenballon erfordert keine Operation und ist daher nur in Klammern aufgeführt. Er wird über den Mund einführt und, im Magen angekommen, mit einer Kochsalzlösung befüllt. Dadurch kann weniger Nahrung aufgenommen werden, und Betroffene werden schneller satt.

Liegt der BMI über 50 kg/m2, sind auch Kombinationsverfahren bzw. abgestufte Konzepte möglich. Bei extrem adipösen Menschen kann es sinnvoll sein, zunächst einen kleineren Eingriff vorzunehmen und ihn später um eine ausgedehntere Operation zu erweitern.

Grundsätzlich sind bei der Wahl des geeigneten Verfahrens das Ausgangsgewicht sowie bestehende Begleiterkrankungen zu berücksichtigen. Auch Alter und Geschlecht und nicht zuletzt Ihre persönliche Präferenz spielen eine Rolle.

Was hilft besser bei starkem Übergewicht: Magenband oder Magen-Bypass?

Zur Reduzierung des Gewichts bei stark Übergewichtigen setzen Ärzte mittlerweile häufig ein Magenband oder einen Magen-Bypass (Fachbegriff: Roux-en-Y-Operation) ein. Eine Studie sollte nun klären, welches der beiden Verfahren besser ist. Doch einen eindeutigen Sieger gibt es nicht.

Operative Bildung eines "Vormagens"

Die beiden Behandlungsansätze zielen darauf ab, den Magen zu verkleinern und damit seine Aufnahmemenge zu reduzieren. Mit dem Magenband wird der Magen in einen Vormagen (Pouch) und einen Hauptmagen geteilt. Da durch die Verengung der Übergang zwischen den beiden Mägen verlangsamt wird, dehnt sich der Vormagen beim Essen und es entsteht schnell ein Sättigungsgefühl. Das Magenband lässt sich wieder entfernen.

Beim Magen-Bypass wird der Pouch vollständig vom Restmagen getrennt, der allerdings im Körper verbleibt. Der Vormagen wird direkt mit dem Darm verbunden. Die Veränderungen lassen sich nicht rückgängig machen.

Unterschiedliche Erfolgsquoten, unterschiedliche Komplikationsraten

Je 221 Männer und Frauen mit ausgeprägtem Übergewicht wurden nach einem der beiden Ansätze behandelt. Beim Magen-Bypass setzte der Gewichtsverlust schneller ein, der maximale Gewichtsverlust war höher und der langfristige Gewichtsverlust war besser. Die Therapie versagte nur bei 12% der Patienten, beim Magenband waren es 48%. Der Anteil der Komplikationen bereits zu einem frühen Zeitpunkt nach der Operation lag beim Magen-Bypass bei 17%, beim Magenband bei 5%. Die Zahl der langfristigen Komplikationen betrug 42% beim Magenband und 19% beim Magen-Bypass. Eine erneute Operation wurde beim Magen-Bypass in 13% und beim Magenband in 27% der Fälle notwendig.

Magen-Bypass: Viel hängt vom Chirurgen ab

Obwohl das auf den ersten Blick für den Magen-Bypass spricht, schränken die Wissenschaftler das Ergebnis ein. Ob der Magen-Bypass gut funktioniere, hänge vor allem auch von der Fertigkeit des Chirurgen ab. Und da gebe es doch erhebliche Unterschiede. Außerdem weisen Experten darauf hin, dass der Magen-Bypass den lebenslangen Ersatz von Vitaminen, Eisen und Kalzium verlangt und dass sich Unterzuckerungen oder auch ein Diabetes entwickeln können.

Ist eine Operation bei Übergewicht/Adipositas gefährlich?

Jeder operative Eingriff birgt Risiken. Daher müssen die erwarteten Chancen und Risiken stets gut abgewogen werden.

Je nach Eingriff unterschiedliche Risiken

Die einzelnen Operationen bei der Adipositas-Chirurgie unterscheiden sich zum Teil erheblich, auch hinsichtlich der Risiken. Manche Verfahren wie der Schlauchmagen sind unumkehrbar, da ein Teil des Magens dauerhaft entfernt wird. Andere sind zwar grundsätzlich rückgängig zu machen, stellen aber doch einen erheblichen Eingriff nicht nur in die Nahrungspassage, sondern in den gesamten Verdauungsvorgang dar.

Differenzieren muss man außerdem zwischen den unmittelbaren Operationsfolgen, die während oder kurz nach dem Eingriff auftreten können, und langfristigen Nachwirkungen, die sich erst sehr viel später bemerkbar machen. So ist etwa der Einsatz eines Magenbands zunächst einmal ein recht schonendes, risikoarmes Verfahren. Es kommt aber häufig zu Spätkomplikationen, die einen weiteren Eingriff erforderlich machen können.

Typische Probleme, die auftreten können

Die häufigsten Komplikationen bei sämtlichen Verfahren sind folgende:

  • Fisteln (neu gebildete Gänge) an der Naht
  • Anastomoseninsuffizienzen (Schwachstellen der Nähte mit undichten Stellen)
  • Abszesse (eitrige Hohlräume)
  • Blutungen

Außerdem bestehen bei allen Eingriffen die üblichen Operationsrisiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen und Thrombosen. Zwar wird meist laparoskopisch mit nur einigen Stichen durch die Bauchdecke operiert; dennoch stellt jeder eingebrachte Fremdkörper ein mögliches Infektionsrisiko dar.

Wenn der Körper weniger aufnimmt

Ein weiteres Problem in der sogenannten bariatrischen Chirurgie bei Adipositas sind Mangelerscheinungen. Wenn, wie beim Magenbypass und der biliopankreatischen Diversion, ein Teil der Verdauungsorgane umgangen und aus der üblichen Nahrungspassage ausgeschlossen wird, schränkt das nicht nur die Aufnahme von Energie ein, sondern auch von wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Vor allem Vitamin B12 kann durch die Beschneidung des Magens nicht mehr ausreichend resorbiert werden, d.h. ins Blut gelangen und muss wie viele andere Vitamine lebenslang zugeführt werden. Auch verminderte Eisenspiegel sind möglich und können zu einer Anämie (Blutarmut) führen. Ebenso können die Calcium- und Phosphatwerte im Blut sinken, wodurch die Knochen poröser werden und leichter brechen können.

Zu bedenken ist zudem, dass auch Medikamente weniger gut im Blut ankommen und damit wirken können. Das ist vor allem mit Blick auf die häufigen Begleiterkrankungen einer Adipositas relevant, die oft medikamentös behandelt werden. Auf der anderen Seite bessern sich aber auch viele dieser sogenannten Komorbiditäten gerade durch eine Operation.

Blähungen, Durchfall und weitere Folgebeschwerden

Unangenehm für die Betroffenen können auch Blähungen, häufige Stuhlabgänge, Fettstühle oder Durchfälle sein. Im weiteren Verlauf nach der OP kann es außerdem zu folgenden Problemen kommen:

  • Darmverschluss
  • Gallereflux
  • Magengeschwüre
  • Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis)
  • Narbenhernien (Vorwölbung von Gewebe)

Eine weitere typische Nebenwirkung bei manchen operativen Eingriffen ist das sogenannte Dumping-Syndrom, eine Folge der eingeschränkten Magenfunktion. Es tritt unmittelbar nach der Aufnahme von zuckerhaltigen Lebensmitteln bzw. Getränken oder verzögert auf und geht mit Schwindel und Kreislaufproblemen, Zittern und Herzrasen einher.

Wofür es sich dennoch lohnt

Vielleicht fragen Sie sich bei all diesen bedrohlichen Risiken, ob eine Operation überhaupt angemessen sein kann. Ja, in einigen Fällen ist sie es durchaus. Die Erfolgsaussichten sind bei manchen schwer Betroffenen tatsächlich besser als andere Maßnahmen zur Gewichtsreduktion. Das macht sich nicht nur längerfristig auf der Waage bemerkbar, sondern betrifft eben auch Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen und im Einzelfall gründlich abgeklärt werden.

Vorsicht bei Vorerkrankungen und Kinderwunsch

Bei manchen Betroffenen ist außerdem besondere Vorsicht geboten. Bei schweren Begleiterkrankungen z. B. der Leber oder Niere ist unter Umständen zumindest nicht jeder Eingriff möglich. Auch bei Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch muss eine Operation wohlüberlegt sein, da sich Mangelerscheinungen auch negativ auf die kindliche Entwicklung auswirken.

Nach manchen Eingriffen ist es nicht mehr möglich, den ausgeschalteten Magen und Dünndarm mit einem sogenannten Endoskop einzusehen. Wer unter wiederkehrenden Geschwüren in diesem Bereich leidet, die regelmäßig kontrolliert werden müssen, oder an einem Morbus Crohn erkrankt ist, darf einer solchen Operation nicht unterzogen werden.

Die operative Behandlung von starkem Übergewicht ist sicherlich nicht die erste Therapiemaßnahme. Wenn der Arzt sie Ihnen allerdings nahelegt, wird er gute Gründe dafür haben und überzeugt sein, Ihnen damit am besten helfen zu können. Lassen Sie sich über die einzelnen Verfahren gut informieren und beraten und entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken.

Übergewichtige lassen sich immer häufiger operieren

Patienten mit starkem Übergewicht rücken ihren Pfunden zunehmend mit Hilfe eines Chirurgen zu Leibe. Magenband, Magenballon oder Magenverkleinerung sollen ihnen helfen, ihr Idealgewicht zu erreichen. Allerdings ist die Operation nur ein erster Schritt.

Rund 80% der Eingriffe ließen Frauen vornehmen. Fast jede dritte OP erfolgte bei Patienten im Alter zwischen 40 und 49 Jahren. Die Maßnahme wird von der Krankenkasse bezahlt, wenn der Body Mass Index (BMI) über 40 liegt. Liegen zusätzlich chronische Krankheiten wie Diabetes oder starke Wirbelsäulenbeschwerden vor, dann reicht auch ein BMI von 35. Außerdem müssen die Betroffenen vorher andere Behandlungsmethoden wie Ernährungs-, Bewegungs- oder Verhaltenstherapien erfolglos absolviert haben.

Auch eine Magenverkleinerung hilft nichts ohne Ernährungsumstellung

Die Krankenkasse weist darauf hin, dass es ein Irrglaube sei, dass die Magen-Operationen alleine Erfolg bringen können. Auch eine OP könne eine Gewichtsreduktion nur dann erreichen, wenn gleichzeitig der Lebensstil geändert werde. Das bedeutet: Der Eingriff macht eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung nicht überflüssig.

Die Erklärungen der DAK haben allerdings noch einen weiteren – finanziellen – Hintergrund: Die Eingriffe kosten ordentlich Geld. So haben sich die Ausgaben für Magen-Operationen wegen Übergewicht von 2 auf 3,8 Millionen Euro erhöht.

Quellen:

  • Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft
  • Arch Surg. doi:10.1001/archsurg.2011.1708
  • DAK

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