Wie viel Vitamin D brauchen wir?

Die Empfehlungen zur Vitamin-D-Versorgung sind weltweit unterschiedlich und in der Expertenszene umstritten. In Deutschland beruft man sich gerne auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), wenn es um offizielle Verlautbarungen geht. Aber auch diese Gesellschaft ist nicht vor Fehleinschätzungen gefeit.

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Für die Zufuhr von Vitamin D lauten die Referenzwerte kurz gesagt:

  • Allen Menschen ab einem Alter von 1 Jahr wird eine tägliche Zufuhr von 20 µg (800 IE) Vitamin D empfohlen.
  • Säuglingen im ersten Lebensjahr 10 µg (400 IE) pro Tag.

Dabei handelt es sich um Schätzwerte, die unter der Annahme einer fehlenden körpereigenen Vitamin-D-Produktion aufgestellt wurden.

Die Referenz-Schätzwerte nochmal aufgefächert:

  • Säuglinge (0 bis unter 12 Monaten): 10 µg/Tag
  • Kinder (1 Jahr bis unter 15 Jahre): 20 µg/Tag
  • Jugendliche und Erwachsene (15 Jahre bis unter 65 Jahre): 20 µg/Tag
  • Erwachsene ab 65 Jahre: 20 µg/Tag
  • Schwangere: 20 µg/Tag
  • Stillende Mütter: 20 µg/Tag

1 µg = 40 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D

Extra-Zufuhr bei uns vermutlich mehrheitlich erforderlich

Das Thema ist schwieriger als man zunächst denken sollte. Das liegt an den Besonderheiten von Vitamin D, seinen komplexen Entstehungs- und Stoffwechselprozessen und den vielen Einflussfaktoren. Hintergrund der DGE-Empfehlung ist die Erkenntnis, dass der Beitrag der körpereigenen Bildung von Vitamin D nicht quantifiziert werden kann. Deshalb hat die DGE im Jahr 2012 ihre früheren „Zufuhrempfehlungen“ in „Schätzwerte“ umgewandelt, die unter der Annahme einer fehlenden eigenen Synthese von Vitamin D angegeben werden.

Dabei wurden die Referenzwerte gegenüber früher um das Zwei- bis Vierfache angehoben. Der DGE zufolge nehmen von den empfohlenen 20 µ Vitamin D pro Tag Kinder 1-2 µg und Jugendliche und Erwachsene 2-4 µg über den üblichen Lebensmittelverzehr auf. Die Differenzmenge muss über die körpereigene Herstellung in der Haut oder über Vitamin-D-Präparate beigesteuert werden.

Wer sich ausreichend im Freien aufhält und seine Haut von der Sonne bescheinen lässt, kann sich also eine ergänzende Zufuhr sparen. Die Anderen nicht – in Deutschland vermutlich die Mehrheit. Gemeint sind Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur in vollständiger Bekleidung im Freien aufhalten und in unseren Breitengraden auch Menschen mit dunkler Hautfarbe.

Im Alter steigt die Notwendigkeit der zusätzlichen Zufuhr

Da im Alter die Fähigkeit zur Bildung von Vitamin D in der Haut abnimmt, steigt die Notwendigkeit zur Extra-Portion. Hinzu kommt die eingeschränkte Beweglichkeit chronisch kranker oder pflegebedürftiger Senioren, die die Aufenthaltszeit im Freien reduziert. Deutlich einfacher sind die Verhältnisse beim Säugling geregelt: Er erhält ab der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres eine Vitamin-D-Tablette zur Vorbeugung von Rachitis. Unabhängig davon, ob gestillt oder Säuglingsmilchnahrung verabreicht wird.

Rezeptpflicht für hochdosierte Vitamin-D-Präparate

Es gibt auch andere, deutlich höhere Empfehlungen für die Vitamin-D-Zufuhr. In den USA empfiehlt das regierungsnahe Food and Nutrition Board ähnliche Aufnahmemengen wie die DGE, eine Stoffwechsel-Fachgesellschaft (Endocrine Society) dagegen 1.500-2.000 IU pro Tag für Erwachsene und das Vitamin D Council sogar 5.000 IE pro Tag.

In Deutschland ist bereits für Produkte mit einem Gehalt von über 25 µg (1.000 IE) eine Rezeptpflicht vorgeschrieben. Für den Bezug solcher Präparate muss also erst ein Arzt konsultiert werden, der auch zur Verschreibung bereit ist. Mit einer giftigen Überdosis ist Studien zufolge ab einer täglichen Einnahme von 100.000 IE Vitamin D zu rechnen bzw. von 40.000 IE über mehrere Monate.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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