Welche Ursachen hat Gebärmutterkörperkrebs?

In der überwiegenden Mehrzahl, zu etwa 80%, entwickelt sich der Gebärmutterkörperkrebs (medizinisch: Endometriumkarzinom) aus Zellveränderungen in der Schleimhaut dieses Geschlechtsorgans. Warum das bei einem Teil der Frauen geschieht, bei den anderen aber nicht, ist nicht geklärt. Allerdings sind einige Risikofaktoren bekannt, die die Krebsentstehung begünstigen. Dabei scheint das Geschlechtshormon Östrogen eine besondere Rolle zu spielen.

Lang anhaltender Östrogeneinfluss auf die Gebärmutterschleimhaut

Östrogen wird in den Eierstöcken und im Fettgewebe produziert und hat eine wachstumsfördernde Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut und die in ihr enthaltenen Drüsenzellen. Je länger und stärker das Östrogen auf die Gebärmutterschleimhaut einwirken kann, desto höher steigt auch das Risiko einer Krebsentwicklung durch entartete Schleimhautzellen.

Der hormonelle Gegenspieler von Östrogen ist Progesteron, der wichtigste Vertreter der Gelbkörperhormone (Gestagene). Es wird nach erfolgtem Eisprung im Gelbkörper (im Eierstock) produziert und bei bestehender Schwangerschaft im Mutterkuchen. In geringen Mengen außerdem noch in anderen Geweben. Als Gegenspieler des Östrogens sorgt Progesteron zunächst für eine Schleimhautauflockerung und später für die Abstoßung der verdickten Schleimhaut im Rahmen der Monatsblutung. Damit hat es eine Schutzwirkung gegenüber den beständigen Wachstumsprozessen. Nach den Wechseljahren erlischt die Hormonproduktion in den Eierstöcken, im Fettgewebe geht die Östrogenbildung aber noch weiter.

Anhand dieses Erklärungsmodells lassen sich einige der statistisch beobachteten Risikofaktoren nachvollziehen, etwa Alter oder Übergewicht. Für Frauen ab 50 Jahren steigt das Risiko für Gebärmutterkrebs an, das mittlere Erkrankungsalter beträgt 67 Jahre.

Zu den weiteren Risikofaktoren zählen u.a.:

  • Verlängerter Östrogeneinfluss:

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    • früh einsetzende erste Regelblutung
    • spät einsetzende letzte Regelblutung (Menopause)
    • Kinderlosigkeit (keine Östrogenruhe durch Schwangerschaften und Geburten mit anschließender Stillphase)
  • Zivilisationskrankheiten:
    • Übergewicht
    • Bluthochdruck
    • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Genetische Faktoren:
    • ein rezessives Gen (50% Vererbungswahrscheinlichkeit), das das Risiko für Gebärmutter-, Brust-, Eierstock- oder Dickdarmkrebs in der Familie erhöht
    • Mutationen von Genen, die für die DNA-Reparaturprozesse wichtig sind
  • Weitere:
    • vom Regelzyklus unabhängige Verdickung der Gebärmutterschleimhaut (atypische Endometriumhyperplasie)
    • Hormonstörungen: fehlender Eisprung, schwache Gestagen-Wirkung
    • Hormonersatztherapie (Pillen gegen Wechseljahresbeschwerden, nur mit Östrogenen, ohne Gestagene)
    • Stoffwechselstörung in den Eierstöcken (Polyzystisches Ovar-Syndrom)
    • Tumore, die Östrogen bilden

Auch für Frauen, die bereits an Brustkrebs oder Darmkrebs erkrankt sind, ist das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs erhöht. Außerdem erhöhen bestimmte Arten der Krebsbehandlung das Risiko (so paradox das zunächst auch klingt). Etwa die Gabe des Anti-Östrogens Tamoxifen gegen Brustkrebs oder eine Strahlentherapie im Unterleibsbereich. Hier ist allerdings der erhoffte Nutzen der Behandlung oft größer als das zusätzliche Krebsrisiko.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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