Wird die Konisation zu häufig durchgeführt?

Ja, das scheint in Deutschland der Fall zu sein. Denn 40 von 100 dieser operativen Eingriffe werden vorgenommen, ohne dass eine vorherige Sicherung der Diagnose erfolgt ist. Also ohne das klar ist, ob wirklich krebsverdächtige Zellen im Gebärmuttereingang wachsen.

Zum Hintergrund: Bei einer Konisation wird ein kegelartiges Stück (ein Konus) aus der Gebärmutter entnommen. Damit werden – wenn man die Gebärmutter von innen betrachtet – praktisch alle äußeren Zellschichten inklusive Schleimhaut aus dem Gebärmuttermund und Gebärmutterhals entfernt. Und das sind die Zellschichten, in denen sich bevorzugt bösartige Zellen ansammeln können.

Verdächtiger Abstrich erweist sich oft später als harmlos

Aber Sinn macht das natürlich nur, wenn tatsächlich solche bösartigen Zellen vorhanden sind. Ein solcher Verdacht entsteht häufig nach einem Gebärmutter-Abstrich (die PAP-Untersuchung). Aber wenn sich hier in der mikroskopischen Untersuchung auffällige Zellen zeigen, ist das alles andere als zuverlässig. Denn immerhin in 60% der Fälle erweist sich der Krebsverdacht nach der Konisation als unbegründet.

Ein besserer Nachweis, dass eine Konisation wirklich sinnvoll ist, wäre mit einer vorherigen Gewebeuntersuchung möglich. Zwar bietet auch die Gewebeentnahme keine 100%ige Sicherheit – aber doch deutlich mehr als der Abstrich. Sie hilft also dabei, unnötige Operationen und die damit verbundenen Nachteile und Risiken zu vermeiden. Vielen Frauen hätte durch das unauffällige Ergebnis einer vorherigen Gewebeentnahme die Operation erspart werden können.

Fachgesellschaften empfehlen deshalb, vor einer Konisation gewisse Zeit abzuwarten und die Entscheidung zur Operation vom Ergebnis weiterer Untersuchungen abhängig zu machen. Nur wenn sich dann der Verdacht auf höhergradige Zellveränderungen bestätigt, ist eine Konisation zu empfehlen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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