Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko mit HPV beim Geschlechtsverkehr?

HPV-Viren (Humane Papillomviren) gelten als Hauptursache für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Das Ansteckungsrisiko ist recht hoch, in absoluten Zahlen aber seriös kaum zu beziffern. Humane Papillomviren werden hauptsächlich, wenngleich nicht ausschließlich, durch Sexualkontakt übertragen. Eine Kondomnutzung kann das Risiko einer Ansteckung vermutlich reduzieren, aber nicht verhindern.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen weisen an die 70% der Partner von Frauen mit einer HPV-Infektion im Gebärmutterhals ebenfalls HPV-assoziierte Veränderungen auf, nämlich in Form kleiner Läsionen an ihrem Penis. Die werden aber leicht von beiden Partnern übersehen. Eine unbewusste Virusübertragung ist in diesem Fall wahrscheinlich, aber oftmals schwer nachzuweisen.

Ansteckungen schwer feststellbar

Es ist auch meistens nicht möglich, genau festzustellen, wann und von wem HPV übertragen wurde. Genitalwarzen bilden sich nach einem entsprechenden Viruskontakt normalerweise in einem Zeitkorridor  von etwa 4 Wochen bis 8 Monaten heraus. Bei einem geringen Prozentsatz von infizierten Frauen bleiben die Viren aber Jahre oder Jahrzehnte im Körper, bevor sie sich in Form von Warzen oder Gewebeveränderungen im Gebärmutterhals bemerkbar machen.

Kein Ping-Pong-Effekt in fester Partnerschaft

Verschiedene Studien zeigen übrigens, dass die „gemeinsame HPV-Infektion“ in einer festen Partnerschaft nicht den Ping-Pong-Effekt bewirkt, von dem immer wieder die Rede ist. Man steckt sich also nicht laufend wieder an. Der fortdauernde Kontakt mit dem gleichen HPV-Typ verzögert auch nicht die Heilung von Warzen oder Gewebeveränderungen im Gebärmutterhals, da sich das Immunsystem in Eigenregie darum kümmert, unabhängig vom Viruskontakt. Das ist eine wichtige Erkenntnis für Paare, deren Geschlechtsleben sonst aus Furcht vor gegenseitiger Ansteckung beeinträchtigt würde.

Bei einem Partnerwechsel besteht allerdings ein Infektionsrisiko, wenn die Läsionen noch nicht abgeheilt sind und die HPV-Infektion nicht verschwunden ist. Das tut sie in der Regel nach etwa 8-14 Monaten von selbst. Oder besser gesagt, dank Ihres Immunsystems.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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