Was ist eine Kolposkopie?

Bei einer Kolposkopie, auf Deutsch Scheidenspiegelung, schaut sich die Frauenärztin die Scheide und vor allem den Muttermund mit einem Mikroskop (Kolposkop) an. Das sorgt neben der Beleuchtung auch für eine 6- bis 40fache Vergrößerung beim Betrachten der Gewebeoberfläche.

Kleinste Blutungen, Gewebedefekte und Geschwülste werden so für die Gynäkologin (oder den Gynäkologen) sichtbar. Das Untersuchungsmikroskop wird über ein Metallrohr, das (hoffentlich vorgewärmte) Spekulum, eingeführt, mit dem die Scheidenwände gespreizt werden.

Abstrich und Schleimhauttest als Routine ...

Die Kolposkopie findet auf dem gynäkologischen Stuhl statt und nach Möglichkeit nicht, wenn Sie Ihre Periode haben. Die Untersuchung spielt in der Diagnostik von Erkrankungen des Gebärmutterhalses und zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses eine wichtige Rolle. Für Letztere macht die Frauenärztin einen Abstrich des Gebärmutterhalses für den anschließenden PAP-Test im Labor. Zusätzlich wird möglicherweise noch eine Abstrichuntersuchung auf HPV (Humane Papillomviren) durchgeführt.

Je nachdem, welche Beschwerden und Hinweise Ihre Frauenärztin im Vorgespräch von Ihnen erhalten hat, kommen eventuell noch ergänzende diagnostische Maßnahmen zum Einsatz, etwa ein bakteriologischer Abstrich oder die Anfertigung eines sogenannten Nativpräparats für den Nachweis von Bakterien oder Pilzen.

Für die eigentliche Scheidenspiegelung werden die Schleimhautzellen im Gebärmutterhalsbereich mit verdünnter Essigsäure betupft. Das kann leider ein leichtes Brennen in der Scheide auslösen. Es kommt durch die Reaktion mit der Essigsäure zum Aufquellen von Schleimhautarealen, in denen Zellveränderungen vorliegen.

Um neben der wichtigen Lokalisation auch die Ausdehnung der Veränderungen abschätzen zu können, werden die Zellen auch noch mit Jodlösung betupft. Eine Jodunverträglichkeit oder eine Schilddrüsenüberfunktion sollten Sie Ihrer Frauenärztin deshalb vor Beginn der Untersuchung mitteilen. Bei krankhaft veränderten Zellen erfolgt im Gegensatz zu ihren gesunden Nachbarn keine Braunfärbung durch das Jod.

... Gewebeprobe zur Diagnosesicherung

Bei auffälligen Befunden kann es sein, dass die Frauenärztin oder der Frauenarzt zur Diagnosesicherung eine Biopsie durchführt, also mit einer kleinen Zange Gewebeproben zur Untersuchung im Labor entnimmt. Für die endgültige Diagnose und Therapieentscheidung müssen die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungsmaßnahmen wie PAP-Test und Biopsie-Beurteilung abgewartet werden. Das nimmt einige Tage in Anspruch. Ihre Frauenärztin wird Ihnen anschließend das Ergebnis mitteilen. Häufig geschieht das auch nur im Fall eines krankhaften Befundes, den es zu besprechen gilt.

Verwendung auch bei Operationen und zur Dokumentation

Außer für diagnostische Zwecke dient das Kolposkop auch als Operationsinstrument, etwa bei Laser-Operationen, und als Dokumentationsinstrument, mit dem Fotos und Videos für Verlaufsuntersuchungen und ärztlichen Diskurs erstellt werden.

Forschungsbemühen drehen sich gegenwärtig darum, die Scheidenspiegelung durch Ergänzung mit optischen Verfahren so weiterzuentwickeln, dass außer der Oberfläche auch einige Millimeter tieferliegende Gewebeschichten betrachtet werden können.

Für Medizinsprachler und solche, die es werden oder zumindest die ärztliche Befundmitteilung verstehen wollen: Die beiden Worthälften „Kolpo“ und „skopie“ stammen aus dem Altgriechischen und bedeuten „Scheide“ und „betrachten“.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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