Gallenblasen-Op: Wann ist sie sinnvoll, worauf muss man achten?

Der große Vorteil der operativen Gallenblasenentfernung (medizinisch: Cholezystektomie) liegt darin, dass sie im Gegensatz zu Verfahren, bei welchen die Gallenblase erhalten bleibt, eine wesentlich niedrigere Rückfallrate aufweist. Es kommt also seltener zur Neubildung von Gallensteinen.

Eine Gallenblasen-OP wird daher bei Gallensteinleiden (medizinisch: Cholelithiasis) häufig anderen Behandlungsoptionen mit Erhalt der Gallenblase vorgezogen. In jedem Fall erste Wahl ist sie bei:

  • sehr großen Gallensteinen, durch die es zu einem Stau von Gallenflüssigkeit (Cholestase) kommt
  • oder Gallensteinen, die nicht anders entfernt werden können.

Eine Cholezystektomie wird nur bei symptomatischen Gallensteinen durchgeführt. Bestehen keine Beschwerden, wird in der Regel nur medikamentös behandelt.

Meist ohne großen Bauchschnitt

Die Gallenblasen-Operation erfolgt wenn möglich minimal-invasiv (laparoskopisch), das heißt ohne größeren Bauchschnitt. Einen solchen operativen Eingriff, bei dem nur kleine Röhrchen mit anhängenden Skalpellen und ähnlichen Geräten eingeführt werden und der Chirurg über eine Kamera überwacht, wie er die Werkzeuge steuert, ist heute längst Routine. Der Vorteil sind kleinere Narben und geringere Schmerzen nach der Operation. Die Dauer des stationären Aufenthalts kann so verkürzt werden.

Um mögliche Komplikationen während der Operation weiter zu verringern, kann vorher eine ERCP (endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie) zur Entfernung kleinerer Steine erfolgen. Dabei wird ähnlich wie bei der Magenspiegelung ein Schlauch über den Mund eingeführt, der dann bis in die Gallenwege vorgeschoben wird.

Risiken der operativen Gallenblasen-Entfernung

Die Gefahren der Cholezystektomie sind in erster Linie die üblichen Risiken einer Operation, also:

  • mögliche Blutungen,
  • Verletzungen der Gallenwege,
  • Verletzungen der Nachbarorgane und Nerven.

Bei ausgeprägten Blutgerinnungsstörungen oder schweren Grunderkrankungen ist die operative Entfernung der Gallenblase, außer im Notfall, nicht die Methode der Wahl.

Was man sonst noch über die OP wissen sollte:

  • Unter der Operation kann ein Wechsel von der laparoskopischen auf die offene Methode mit Bauchschnitt nötig werden, wenn Komplikationen auftreten.
  • Um einer möglichen Infektion im Rahmen der Operation vorzubeugen, wird vor Beginn intravenös ein Antibiotikum verabreicht.
  • Durch die Gallenblasen-OP wird die Ursache der Gallensteinbildung, der Cholesterin-Überschuss in der Galle, nicht behoben. Daher können in den Gallenwegen auch weiterhin Cholesterinsteine entstehen, wenn auch seltener.

Muss man nach Entfernung der Gallenblase seine Ernährung umstellen?

Nicht unbedingt, zumindest muss keine spezielle Diät eingehalten werden. Eine Umstellung der Ernährungsweise kann aber Vorteile bringen. So kommt es vor, dass nach einer Cholezystektomie fette Speisen weniger gut vertragen werden, da die Galle nicht mehr in der Gallenblase aufkonzentriert und gezielt zu einer Mahlzeit abgegeben werden kann. Da die Galle stattdessen beständig in kleinen Mengen in den Dünndarm fließt, kann es vorteilhaft sein, öfter am Tag kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen und den Fettgehalt der Nahrung zu reduzieren. Ein zu hoher Fettgehalt der Nahrung kann zu fettigen Durchfällen (Steatorrhoe) führen.

Wann, außer bei Steinleiden, wird die Gallenblase noch entfernt?

Eine Cholezystektomie wird auch durchgeführt bei:

  • Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis),
  • Tumoren der Gallenblase oder des Gallengangs
  • und bei Gallenblasenperforation, also gerissener Außenhülle.

Autorin: Dr. Kerstin Reider

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