Diagnose Epilepsie: Was bedeutet das für die geistige Entwicklung meines Kindes?

In den meisten Fällen einer Epilepsie-Erkrankung verläuft die geistige Entwicklung der betroffenen Kinder fast völlig normal. Sie sind durchschnittlich intelligent und können wie alle anderen Kinder auch am Schulunterricht teilnehmen.

Mit den "meisten Fällen" sind etwa 80% aller Kinder mit Epilepsie gemeint. Da es unzählige verschiedene Varianten der Erkrankung mit nochmals zahllosen Unterformen gibt, ist eine pauschale Aussage zur geistigen Entwicklung oder zu Auswirkungen auf die Intelligenz nicht möglich. Bei sehr schweren Formen der Epilepsie, die dann häufig auch eine hirnorganische Ursache haben, kann es auch zu einer ernsteren geistigen Behinderung kommen. Die 80% geben aber ganz gut wieder, dass die Kinder in der Mehrzahl der Fälle unter keinen größeren Einschränkungen zu leiden haben. Zumindest nicht in der Schule.

Problem der Vorurteile

Schaut man weiter nach vorn auf die berufliche Entwicklung, ist es leider schon so, dass der Weg ins Arbeitsleben oft mit Hürden gespickt ist. Die Deutsche Epilepsievereinigung hat vor ein paar Jahren beklagt, dass die Mehrzahl der betroffenen Jugendlichen nicht direkt in ein Ausbildungsverhältnis vermittelt werden könnten. Oft seien hier mehrere Anläufe notwendig, mitunter klappt es auch gar nicht.

Dabei ist in den meisten Fällen gar nicht die Epilepsie das Hindernis, sondern das, was aus ihr gemacht wird. Die Rede ist von althergebrachten Vorurteilen ("das ist doch eine Geisteskrankheit"), die zwar grundfalsch sind, aber nichtsdestotrotz ein Problem sein können. Und die Rede ist von Ängsten, der Betreffende könne stürzen, längere Zeit ausfallen etc..

Mit diesen Nachteilen hat zum Glück nicht jeder zu kämpfen, aber viele eben schon. Der beste Tipp, den man hier geben kann, ist: Kommunikation. Offen darüber sprechen, nachhaken, erklären.

Lernschwierigkeiten bei rund 50% der Kinder

Ganz ohne Auswirkungen bleibt die Erkrankung aber auch bei günstigem Verlauf oft nicht. So hat etwa jedes zweite Kind mit Epilepsie Schwierigkeiten mit dem Lernen. Nur selten im Sinne einer Behinderung, aber eben doch so, dass man in der Schule mit ein paar Problemen zu kämpfen hat.

Oft ist hier gar nicht die Erkrankung selbst die Ursache, sondern die Behandlung. So notwendig die regelmäßige Tabletteneinnahme ist, um eine Anfallsfreiheit zu erreichen, so muss man doch auch wissen, dass diese Medikamente überwiegend einen dämmenden Effekt im Gehirn haben und im weitesten Sinne wie Beruhigungsmittel wirken. Das kann sich durchaus auch mal auf die Lerngeschwindigkeit auswirken und sollte dann auch so toleriert werden.

Eine weitere Ursache kann übrigens auch der familiäre Umgang mit der Epilepsie sein. Lernvermögen und geistige Entwicklung hängen natürlich auch von dem ab, was zuhause passiert, auch was an Zutrauen entgegengebracht wird. Das ist bei Kindern mit Epilepsie im Prinzip nicht anders als bei allen anderen Kindern auch.

Unbedingt offen damit umgehen und Lehrer informieren

Wichtig in diesem Zusammenhang ist übrigens die Einbeziehung der Lehrer und auch der näher stehenden Schulkameraden bzw. derer Eltern. Nur wer über die Erkrankung Bescheid weiß, kann verständnisvoll damit umgehen. Der Wunsch einiger Eltern, die Epilepsie so lange wie möglich zu verschweigen, damit ihr Kind keine Nachteile hat oder stigmatisiert wird, ist daher eher kontraproduktiv. Umso offener Sie als Eltern damit umgehen, umso weniger werden Sie und Ihr Kind mit Ausgrenzung oder Benachteiligung zu kämpfen haben.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Epilepsie: Ursachen, Symptome, Behandlung

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Kommentare (1)
Mit Epilepsie Arbeit bekommen
1 Samstag, den 15. Juni 2019 um 16:13 Uhr
Alexander Greff
Ich habe große Probleme. Ich habe Fachkraft für Schutz und Sicherheit gelernt sowie eine weitere Ausbildung bei der Werkfeuerwehr gemacht. Ich habe meine Anfälle nur Nachts im Schlaf und habe im Jahr bis zu 6 Anfälle. Ich bin - eben wegen der Arbeitaausfälle und der damit verbundenen Probleme - immer wieder gekündigt worden.
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