Masern – keineswegs harmlos

Diabetes

Masern werden gerne als Kinderkrankheit verharmlost. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die bei Kindern, und zunehmend auch bei Erwachsenen, mit gravierenden Folgen verbunden sein kann. Die Impfung ist daher nicht nur für Kinder dringend anzuraten, sondern auch die Nachholimpfung für Erwachsene.

Masern weltweit vollständig ausrotten – das ist das Ziel der Weltgesundheitsorganistation WHO. Für Europa war dieses Ziel bereits bis zum Jahr 2015 anvisiert. In Deutschland sind wir, obwohl wir eines der besten Gesundheitssysteme der Welt haben, immer noch weit davon entfernt. Dabei ist die Masernimpfung global gesehen eine Erfolgsgeschichte. Allein zwischen 2000 und 2012 ließen sich durch die Immunisierung fast 14 Millionen Todesfälle verhindern; in Europa fielen die Erkrankungsraten innerhalb von zehn Jahren um 98 Prozent. Andererseits ist es in den vergangenen Jahren in Deutschland wieder vermehrt zu Masernausbrüchen gekommen. Im vergangenen Jahr beispielsweise waren es circa 2.400 Fälle.

Schwere Folgekrankheiten möglich

Denn trotz aller Erfolge der Impfung finden sich in Deutschland Impfgegner und -skpetiker, die ihre Kinder teilweise nicht nur nicht impfen lassen, sondern diese sogar bewusst einer Infektion aussetzen, indem sie sie zu sogenannten Masernpartys schicken. Dabei wird die Gefahr für die Kinder völlig verharmlost.

Bei einer Masernerkrankung kann es zu schweren Komplikationen kommen: Einer von hundert Betroffenen erkrankt in der Folge an einer Lungenentzündung, einer von tausend sogar an einer gefährlichen Gehirnentzündungen mit bleibenden Schäden des Nervensystems. Auch viele Jahre nach einer Erkrankung von Säuglingen und Kleinkindern kann eine subakute sklerosierende Panenzephalitis auftreten. Nach aktuellen Schätzungen betrifft diese gefürchtete Hirnhautentzündung eines von 3.000 erkrankten Säuglingen beziehungsweise Kleinkindern und ist damit deutlich häufiger als früher angenommen.

Neben dem individuellen Schutz, den die Masernimpfung bietet, ließe sich die Krankheit mit ausreichenden Durchimpfungsraten vollständig ausrotten. Voraussetzung dafür ist, dass 95 Prozent der Menschen in allen Altersgruppen geimpft sind. Dann könnte das Virus, das sich ausschließlich im Menschen vermehren kann, nicht mehr zirkulieren. Leider sind wir trotz steigender Impfraten noch weit davon entfernt.

Impfung sorgt für lebenslangen Schutz

Der aktuell empfohlene Impfstoff gegen Masern ist ein aus abgeschwächten Masernviren hergestellter Lebendimpfstoff, der nach derzeitigen Erkenntnissen für eine lebenslange Immunität sorgt.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die zweimalige Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder bis zu zwei Jahren, und zwar als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Dabei sollte die erste Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten (in Einzelfällen schon ab neun Monaten), die zweite im Alter zwischen 15 und 23 Monaten, jedoch frühestens vier Wochen nach der ersten stattfinden.

Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und in der Kindheit keine zweimalige Impfung erhalten haben beziehungsweise es nicht wissen, sollten sich einmalig impfen lassen. Die STIKO empfiehlt diese Impfung standardmäßig allen Betroffenen in dieser Altersgruppe, besonders aber bei Masern-Ausbrüchen und für Menschen, die im Gesundheitsdienst oder in Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind oder Kontakt zu Menschen mit abgeschwächter Immunabwehr haben. Auch als Reiseimpfung spielt die Masernimpfung eine wichtige Rolle, da in vielen Urlaubsländern ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.

Gerade bei unklarem Impfstatus stellt sich häufig die Frage, ob eine „Überdosierung“ durch mehr als zwei Impfungen möglich ist. Die aktuelle Datenlage zeigt bei bisher vorgekommenen Fällen von Mehrfachimpfungen keine Hinweise darauf. Bei entsprechender Immunität durch eine Vorimpfungen ist auch nicht davon auszugehen, dass sich das Impfvirus im Körper vermehrt. Eine erneute Impfung im Zweifelsfall kann also bedenkenlos durchgeführt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit?

Schwangere sollten grundsätzlich keine Lebendimpfstoffe erhalten. Das gilt auch für den Masernimpfstoff. Nach einer Impfung sollten Frauen mit Kinderwunsch eine Schwangerschaft möglichst für drei Monate (laut Fachinformation der Impfstoff-Hersteller für einen Monat) vermeiden. Eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch stellt eine versehentliche Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln in oder kurz vor einer Schwangerschaft allerdings nicht dar, da bisher kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Kindes bei der Geburt festgestellt worden ist.

Sowohl stillende Mütter als auch der gestillte Säugling können alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten.

Dr. med. Markus Frühwein
Patienten Journal Reise & Gesundheit 3/2016

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