Impfungen – was ist wichtig?

Impfprophylaxe Wenn es um das Thema Impfen geht, ist der Hausarzt meist der erste Ansprechpartner. Welche Impfungen – abgesehen von den empfohlenen Standardimpfungen im Kindesalter für wen sinnvoll sind, sagt Allgemeinmediziner Prof. Jörg -Schelling von der – Universität München.

„Bin ich für eine Impfung nicht schon zu alt?“ – „Es werden doch schon viel zu viele Impfungen empfohlen!“ – „Von dieser Impfung habe ich ja noch nie etwas gehört“ – solche Fragen und Kommentare hört Prof. Jörg Schelling immer wieder in seiner Sprechstunde. Und der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität München hat gute Argumente, die für eine umfassende Impfprophylaxe sprechen. Denn eine Impfung ist nicht nur die effektivste Möglichkeit, sich selbst vor einer Krankheit zu schützen. „Wer geimpft ist“, gibt Schelling zu bedenken, „kann auch andere nicht anstecken, die sich aufgrund einer Vorerkrankung oder spezieller medizinischer Therapien nicht impfen lassen können.“

Neben dem Standardprogramm für Kinder, das die Ständige Impfkommission STIKO des Robert Koch-Instituts   empfiehlt, liegen dem Allgemeinmediziner folgende Impfungen am Herzen:

Pneumokokken – Lungenentzündung

Kinder werden bereits seit vielen Jahren gegen diese Krankheitserreger geimpft, die vor allem für schwere Formen von Lungenentzündung verantwortlich sind. Seit letztem Jahr sind für die Immunisierung statt vier nur noch drei Impfungen vorgesehen. Schelling empfiehlt die Impfung aber auch für alle über 60-Jährigen – am besten zeitgleich mit der Grippeschutzimpfung.  Während die Grippeschutzimpfung jährlich neu durchgeführt werden muss, hält der Pneumokokkenschutz bei Senioren mindestens fünf Jahre lang an. Bei bestimmten Krankheiten wie Nierenschwäche  oder Therapien, die das Immun-system unterdrücken, hält er eine Auffrischimpfung allerdings nach spätestens fünf Jahren für notwendig.

Derzeit gibt es zwei verschiedene Arten der Pneumokokken-Impfung, die beide für Erwachsene in allen Altersstufen zugelassen sind. Den älteren Impfstoff, der bereits seit 1983 auf dem Markt ist, empfiehlt Schelling – wie auch die Impfkommission STIKO – „für Menschen über 60 ohne relevante  Begleiterkrankungen“. Mit der neueren Substanz, die es erst seit ein paar Jahren gibt, würde er Menschen impfen, die an einer chronischen Krankheit wie Herzkreislauf-Krankheiten, Diabetes, Asthma oder COPD leiden.

Meningokokken – Hirnhautentzündung

Von dieser Virengruppe gibt es – wie bei anderen Viren auch – verschiedene Untergruppen. Geimpft wird in der Regel gegen den Typ C. Schelling hält dies für unverständlich, da für fast 70 Prozent aller Meningokokken-Infektionen  der Subtyp B verantwortlich ist. Auch dagegen gibt es mittlerweile einen Impfstoff. Schelling empfiehlt ihn  zusätzlich zum Typ-C-Impfstoff vor allem für Menschen, die beispielsweise wegen einer Rheuma-Therapie mit Antikörpern ein geschwächtes Immunsystem haben oder deren Milz nicht funktioniert. Laut Schelling erstatten viele Krankenkassen bei -diesen Patienten die Typ-B-Impfung rückwirkend.

HPV – Gebärmutterhalskrebs

Immer noch sind laut Schelling nur etwa 15 bis 20 Prozent der Mädchen und jungen Frauen gegen humane Papillomaviren, kurz HPV, geimpft. Der Münchner Allgemeinmediziner hält das für sehr bedauerlich, da bestimmte Subtypen dieser Viren Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Mit einer entsprechenden Impfung ließe sich diese „nicht unproblematische Krankheit“ weitgehend verhindern, sagt Schelling. Die Impfung führen übrigens nicht nur Frauenärzte durch, sondern auch Haus- und Familienärzte. Nach den bisherigen -Erfahrungen – die HPV-Impfung gibt es mittlerweile seit zehn -Jahren – hält der Schutz über einen noch nicht absehbar langen Zeitraum an. Die beiden HPV-Impfstoffe, die derzeit auf dem Markt sind, sind wegen möglicher Nebenwirkungen vorüber-gehend in die Kritik geraten. Der Münchner Professor kann hier aber Entwarnung geben: „Nach anfänglichen Sorgen bezüglich der -Sicherheit und mehreren unklaren Todesfällen, die inzwischen auch vollständig aufgeklärt sind, liegen mittlerweile gute und verlässliche Sicherheitsdaten zu den HPV-Impfstoffen vor.“ Die STIKO empfiehlt die Impfung für Mädchen im Alter ab neun Jahren.

Influenzaviren – Virusgrippe

Schelling legt diese Impfung auch schwangeren Frauen ab dem dritten Monat ans Herz. „Während der Schwangerschaft sind Frauen durch eine Influenza-Infektion besonders gefährdet“, warnt der Experte. „Dies gilt auch für eine mögliche Frügeburt und andere Komplikationen.“

Herpes Zoster – Gürtelrose

Wer als Kind Windpocken hatte, läuft Gefahr, unter Umständen viele Jahre später  an der schmerzhaften Gürtelrose zu erkranken. Dagegen gibt es einen Impfstoff, der für Menschen ab 50 Jahren zugelassen ist. Allerdings wird die Impfung nur in Sachsen und von der IKK classic bezahlt. Momentan ist ein weiterer Impfstoff in der Entwicklung. „Ob dieser Impfstoff dann die Impfkommission so überzeugt, dass sie eine allgemeine Empfehlung ausspricht und die Kassen die Impfung dann bezahlen, ist noch nicht absehbar“, sagt der Allgemeinmediziner.

Sicherer Schutz für Senioren

Mit zunehmendem Alter wirken Impfstoffe bei vielen Menschen möglicherweise nicht mehr so  effektiv wie in jungen Jahren. Aus diesem Grund hält Schelling Impfungen für umso wichtiger. „Wenn im Alter das Immunsystem natürlicherweise nachlässt, schützen regelmäßige Auffrischimpfungen die Menschen zusätzlich vor möglichen Erkrankungen.“ Im Übrigen hält es Schelling für sinnvoll, generell möglichst Kombinations-Impfstoffe  zu verwenden: „Es gibt keine Hinweise auf eine Überlastung des Immunsystems.“

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 2/2016

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