Von wegen harmlos: Masern auf dem Vormarsch

Bis zum Jahr 2015 sollten die Masern hierzulande ausgerottet sein. Ein unrealistisches Ziel, wie die aktuellen Krankheitszahlen zeigen. Der Grund: Viele halten die hochansteckende Infektion immer noch für eine harmlose Kinderkrankheit.

Spritze: masern, ImpfungSie sind gebildet, verdienen gut, leben gesundheitsbewusst und wohnen im Süden Münchens – Kinder solcher Eltern haben schlechtere Karten. Zumindest was die Masern-Impfung betrifft. Je höher die Grundstückspreise, desto geringer ist offensichtlich die Bereitschaft der Eltern, ihre Kinder per Impfung gegen Masern zu schützen. Laut Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts ist die Durchimpfrate gegen die Kinderkrankheit in Oberbayern, speziell im Großraum München, am geringsten von ganz Deutschland.

Eltern nehmen die Krankheit nicht ernst

„Während beispielsweise die Kinderlähmung dank massiver Impfmaßnahmen erfolgreich eliminiert wurde, sind Masern wieder auf dem Vormarsch – und dies trotz sicherer und wirkungsvoller Impfstoffe“, warnte Prof. Dr. Norbert Wagner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, bereits vor zwei Jahren beim damaligen Kinderärzte-Kongress. „Eltern scheinen diese ‚Kinderkrankheit‘, die tödliche Folgen haben kann, nicht mehr ernst zu nehmen.“

Denn bei Masern handelt es sich keineswegs um eine garantiert harmlos verlaufende Kinderkrankheit, wie die Gegner der Impfung gerne behaupten. Und sie betrifft nicht nur Kinder. 2013 waren bundesweit 39 Prozent der Betroffenen älter als 20 Jahre. Jeder zehnte Erkrankte ist sogar über 40. „Ein hoher Anteil der Masernfälle tritt somit bei Jugendlichen und Erwachsenen auf“, melden die Experten des Robert Koch-Instituts.

Typisches Kennzeichen der hochansteckenden Infektion ist neben hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl der charakteristische fleckige Ausschlag, der sich auf den ganzen Körper ausbreiten kann. Weitere mögliche zusätzliche Symptome sind beispiels-weise Durchfall, Mittelohr- oder Lungenentzündung.

Gefährliche Komplikation am Gehirn

Eine zwar sehr seltene, aber dafür umso gefährlichere Komplikation ist die Meningoenzephalitis – eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Für 15 bis 20 Prozent endet diese Erkrankung tödlich. Bei weiteren 20 bis 40 Prozent ist mit dauerhaften -Schäden des Gehirns zu rechnen. Spätestens in diesem Fall hören die Masern auf, eine harmlose Kinderkrankheit zu sein.

Wenn es nach der Weltgesundheitsorganisation WHO geht, sollen die Masern zumindest hierzulande bis zum Jahr 2015 ausgerottet sein. Ein ehrgeiziges Ziel, meint dazu das Robert Koch-Institut. „Ausrottung“ würde bedeuten, dass weniger als ein Kind pro eine Million Einwohner eines Landes an Masern erkrankt. Außerdem müssen mindestens 95 Prozent der Kinder die zweifache Routine-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erhalten haben. Im Jahr 2001 – seit Masern zur meldepflichtigen Erkrankung erklärt worden sind – sah es ganz gut aus in Deutschland. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Masernfälle aber in Wellen von zwei bis drei Jahren immer wieder an. Besonders viele Fälle wurden im Jahr 2013 gemeldet.

Masernparty statt Impfung

Schuld daran ist eine gewisse Impfmüdigkeit. Es gibt immer noch Eltern, die ihre Kinder lieber zu Masernpartys schicken, damit sie sich bei ihren erkrankten Spielkameraden anstecken, anstatt sie dagegen impfen zu lassen. Dazu kommt, dass die Durchimpfungsrate bei den Kleinkindern zwar hoch ist, manche Eltern aber die notwendige zweite Impfung im Alter bis zum 23. Lebensmonat versäumen.  „Zweimalig geimpfte Menschen sind – wenn sie ein gesundes Immunsystem haben – üblicherweise lebenslang geschützt“, sagt Prof. Dr. Fred Zepp von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Das Robert Koch-Institut mahnt deshalb dringend vor allem Jugendliche und Erwachsene, ihre Impflücken möglichst schnell zu schließen.

Autor: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 2/2014

Quelle: Universität des Saarlandes

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