Zecken: Gefährliche Blutsauger

ZeckeEs liegt am milden Winter: In diesem Jahr waren die Zecken schon früh aktiv.

In Risikogebieten besteht die Möglichkeit, sich – ungeimpft – durch einen Zeckenstich mit dem Erreger der FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, zu infizieren.

Wie Sie sich schützen können – Interview mit Prof. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln).

Frau Prof. Pott, wem raten Sie zu einer FSME-Impfung?

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO einen Impfschutz gegen FSME allen Personen, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort wohnen und in den wärmeren Monaten in der Natur beispielsweise wandern, joggen oder campen. Zecken sitzen häufig im Gras, Gebüsch oder Unterholz. Entgegen landläufiger Meinung lassen sie sich normalerweise nicht von Bäumen auf ihre „Opfer“ herabfallen.

Macht es Sinn, sich im Sommer noch gegen FSME impfen zu lassen?

Die Hauptübertragungszeit der FSME liegt zwischen April und November. Bei warmen Wintern kann sie auch länger anhalten. Um vor der Zeckensaison geschützt zu sein, sollte bereits im Winter mit der Impfung begonnen werden. Wer jedoch in einem FSME-Risikogebiet lebt oder die Sommerferien in einem solchen Gebiet plant und keinen Impfschutz hat, sollte die Impfung jetzt auf jeden Fall noch nachholen. Für den Aufbau des Impfschutzes sind drei Impfungen erforderlich. Die zweite Impfung erfolgt ein bis drei Monate nach der ersten. Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht für 90 Prozent der Geimpften ein Schutz, der für die aktuelle Saison ausreichend ist. Für eine länger anhaltende Schutzwirkung ist eine dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten notwendig. Der Schutz besteht dann für mindestens drei Jahre. Danach wird bei weiterem Ansteckungsrisiko eine Auffrischimpfung empfohlen.

Und wenn es schnell gehen muss?

Bei kurzfristig geplanten Reisen in FSME-Risikogebiete kann nach einem „Schnellschema“ geimpft werden. Hierbei sind je nach Impfstoff zwei bis drei Impfungen nötig. Innerhalb von drei bis fünf Wochen kann so ein Impfschutz für ein bis anderthalb Jahre erreicht werden.

Eignet sich die Impfung auch für Kinder?

Zwar verläuft die FSME bei Kindern meist leichter als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Da sie jedoch gern in der Natur spielen, ist für sie das Risiko größer, von einer Zecke gestochen zu werden. Kinder können ab dem ersten Geburtstag geimpft werden. Bei Kindern unter drei Jahren kann es bei etwa 15 Prozent durch die Impfung zu einer Fieberreaktion kommen. Daher sollte in diesem Alter mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden, wie hoch das Ansteckungsrisiko für das Kind im Einzelfall ist.

Impfgegner kritisieren das Nutzen/Risiko-Verhältnis einer Impfung? Was sagen Sie dazu?

Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt, dass nahezu alle Personen nach der FSME-Impfung entsprechende Antikörper bilden. Nicht genau bekannt ist der notwendige Wert an Antikörpern im Blut, der sicher vor einer Infektion schützt. Aber Daten aus Österreich zeigen, dass Personen, die nach der empfohlenen Impffrequenz geimpft wurden, zu rund 99 Prozent gegen eine Erkrankung geschützt waren. Die Impfstoffe sind gut verträglich, schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Bedenkt man, dass die FSME bei schweren Verläufen Gehirn-, Hirnhaut- sowie Rückenmarkentzündungen hervorrufen kann, sind die Risiken einer Impfung deutlich geringer als die der Krankheit. Zudem gibt es keine andere Vorsorgemöglichkeit gegen die FSME.

Häufiger als die FSME ist die Borreliose. Wie können wir uns davor schützen?

Anders als bei der FSME besteht in ganz Deutschland bei einem Zeckenstich ein Ansteckungsrisiko mit Borrelien. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht. Daher sollte sich jeder bei Aufenthalt in der Natur durch geeignete Kleidung gegen einen Zeckenstich schützen. Die Kleidung sollte möglichst körperbedeckend und hell sein. Zeckenabweisende Mittel, auf unbedeckte Hautstellen und Kleidung aufgetragen, -bieten für wenige Stunden einen gewissen Schutz. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Körper und Kleidung nach Zecken abgesucht und der Parasit möglichst schnell entfernt werden. Im Anschluss muss die kleine Wunde an der Stichstelle sorgfältig desinfiziert werden.

Woran erkennt man eine Borreliose?

Auch wenn nicht alle Zecken die Erreger der Borreliose in sich tragen, sollte man nach einem Zeckenstich auf mögliche Symptome achten. Diese können bei der Borreliose jedoch unterschiedlich sein. Ein sehr typisches Zeichen ist die so genannte Wanderröte, die in 90 Prozent der Fälle auftritt. Hierbei bildet sich eine ringförmige Rötung, die sich langsam nach außen ausbreitet. Wenn eine Wanderröte sichtbar ist, aber auch bei Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen nach einem Zeckenstich, sollte man seine Ärztin oder seinen Arzt aufsuchen. Die Borreliose kann mit bestimmten Antibiotika behandelt werden. Je früher sie erkannt wird, desto besser ist es.

Interview: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit 5/2014

Quelle: Universität des Saarlandes

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