Pneumokokken: An Impfschutz denken

Pneumokokken sind für eine Reihe gefährlicher Infektionskrankheiten verantwortlich. Besonders schwer kann es Säuglinge, Kleinkinder, Immunsupprimierte und Senioren treffen, wenn sie nicht geimpft sind.

Pneumokokken - ImpfschutzNach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr weltweit etwa zwei Millionen Menschen an den Folgen einer Infektion mit Pneumokokken. Damit stehen die Bakterien auf Platz eins der Todesursachen, die zumindest teilweise durch eine Impfung vermeidbar wären.

In Deutschland sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA neben älteren Menschen vor  allem Säuglinge und Kleinkinder gefährdet. Die Ansteckung mit dem Erreger kann zu verschiedenen Krankheiten führen. Gefährlich werden können vor allem Lungen- und Hirnhautentzündung.

Laut BZgA erkranken hierzulande jährlich etwa 970 Kinder unter fünf Jahren an einer invasiven Pneumokokken-Infektion. Zwei- Drittel der Erkrankungen treten bereits in den ersten beiden Lebensjahren auf. Für zwei bis zehn Prozent der betroffenen Kinder endet die Infektion tödlich. Etwa 15 Prozent haben mit bleibenden Folgeschäden zu kämpfen.

Impfungen zu selten eingesetzt

Die Zahlen sind tragisch – zumal es Impfstoffe gibt, die langfristig gegen Pneumokokken-Infektionen schützen können. „Diese Impfstoffe haben sich bereits als wirkungsvoll erwiesen. Dennoch werden sie in Deutschland zu selten eingesetzt“, kritisiert Professor Hartmut Hengel, Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie von der Universität Freiburg. Mittlerweile ist auch ein Impfstoff auf dem Markt, der bereits Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat vor diesen Infektionen bewahren kann.

„Die Impfung von Säuglingen und Kleinkindern mit dem 13-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff schützt nicht nur die Impflinge selbst vor schweren Infektionen, sondern auch die Kontaktpersonen wie Eltern und Großeltern“, sagt Professor Christian Bogdan, Leiter des Mikrobiologischen Instituts  am Universitätsklinikum Erlangen.

Weniger Antibiotika-Resistenzen

Neben dem Schutz vor schweren Infektionskrankheiten hat die Impfung einen weiteren Vorteil. Je mehr Kinder geimpft sind, desto seltener müssen Antibiotika verordnet werden. „Grundsätzlich leistet jede verhinderte Infektionskrankheit und damit jede verhinderte Antibiotika-Therapie einen Beitrag zur Eindämmung von Antibiotika-resistenten Bakterienstämmen“, sagt Bogdan. Mit der konsequenten Impfung ließe sich also das wachsende -Problem wirkungsloser Antibiotika ein wenig eindämmen. Weitere Informationen z. B. unter www.impfen-info.de

Die ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für:

  • Alle Personen ab 60 Jahre
  • alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat bis zum zweiten Lebensjahr.
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit wie zum Beispiel:
    • chronische Erkrankungen der Lunge einschließlich Asthma und COPD und des Herz-Kreislauf-Systems
    • chronische Leber- oder Nierenerkrankungen
    • Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
    • angeborene oder erworbene Defekte des Immunsystems
    • immunsuppressive Therapie (z. B. wegen Organtransplantation oder Autoimmunerkrankung)
    • Patienten mit neoplastischen Erkrankungen
    • bei Krebserkrankungen
    • bei HIV-Infektionen
    • nach Knochenmarkstransplantation
  • Menschen mit Cochlea-Implantat

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit August 2015

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