Schulstart: Wenn das Kind noch nicht trocken ist

Schulstart und Inkontinenz beim KindSelbst wenn bei den meisten Erstklässlern die Freude überwiegt, bedeutet der Schulbeginn auch einen neuen Tagesrhythmus. Manche reagieren darauf, indem sie wieder einnässen.

Andere waren vielleicht noch gar nicht trocken. Zuhause oder vor anderen wird häufig darüber geschwiegen, doch spätestens bei Klassenfahrten oder Tagesausflügen tritt das Tabuthema unangenehm zutage. „Dabei ist das Einnässen beim Schulkind keine Seltenheit und oft auch keine besorgniserregende Angelegenheit“, sagt Dr. Martin Claßen, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Links der Weser und Mitglied im -Expertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

Oft führen Eltern das Einnässen auf psychische Probleme des Kindes zurück. Dabei trifft das in den wenigsten Fällen zu. „Das Trockenwerden ist eine komplexe Aufgabe, die individuell stattfindet und nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist. Nässt ein Kind nachts ein, liegt die Ursache häufig an einer Reifungsverzögerung der Blasenkontrolle und bessert sich in der Regel von ganz allein“, erklärt Claßen. Er rät Eltern deshalb, vor dem sechsten Lebensjahr des Kindes Ruhe zu bewahren und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. „Zusätzlicher Druck durch die Eltern hilft nicht“, warnt der Kinder- und Jugendmediziner aus Bremen.

So individuell jedes Kind ist, so unterschiedlich können auch die Ursachen für das Einnässen sein. Die Verbindung von Blasenentleerungsmuskel, Schließmuskel und der Wahrnehmung der Blasenfüllung spielen dabei eine wichtige Rolle. Stimmt einer dieser Faktoren nicht, kommt es zu einer Funktionsstörung der Blase.

Tritt das Einnässen erst nach Schulbeginn wieder auf, können zudem äußerliche Einflüsse wie unangenehme Schultoiletten eine Ursache sein. Möglicherweise trinkt das Kind auch neuerdings vor dem Schlafen-gehen, weil es das Trinken durch den neuen aufregenden Tagesablauf schlicht vergisst. Schulstress ist meist nur ein zusätzlich begünstigender Faktor für das Einnässen.

Kinderärzte können helfen

Eltern betroffener Kinder sollten in keinem Fall den Gang zum Arzt scheuen. „Da das Problem so häufig auftritt, können viele niedergelassene Kinderärzte damit gut umgehen“, sagt Claßen. Wichtig dabei ist, dass jedes Kind individuell und ganzheitlich betrachtet wird. Es empfiehlt sich nicht, den Blick etwa nur auf die Psyche zu beschränken, sondern zunächst mögliche urologische sowie neurologische Ursachen abklären zu lassen. Der betreuende Arzt kann das Kind dann, falls nötig, zu einem Spezialisten überweisen, beispielsweise an einen Arzt, den die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. als ärztliche Beratungsstelle zertifiziert hat. Die Adressen der ärztlichen Beratungsstellen und weitere Informationen stehen unter www.kontinenz-gesellschaft.de.

Autorin: Nicola Sieverling
Quelle: Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V.
Patienten Journal Reise & Gesundheit Oktober 2015

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