Viren-Alarm

Erkältung, Grippe und VirenCirca 400 verschiedene Viren machen Herbst und Winter zur Hochsaison für Halsschmerzen, Husten und Schnupfen. Was dagegen hilft und warum Antibiotika hier meist machtlos sind.

Sie kleben an Türgriffen, wirbeln durch die Luft und lauern in Bus und U-Bahn – Erkältungsviren sind überall. Je mehr Kontakt ein Mensch mit anderen pflegt, öffentliche Verkehrsmittel benutzt oder mit Schnupfennasen im Job oder zuhause konfrontiert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken.

Im Grunde harmlos, ist die virale Erkältung dennoch sehr unangenehm: Circa 400 verschiedene Viren können die Nasenschleimhäute zum Anschwellen und die Nase zum Laufen bringen. Auch für die akute Bronchitis sind zu etwa 90 Prozent Viren verantwortlich. Nur jede zehnte dieser Erkrankungen wird von Bakterien verursacht.

Der rasche Griff zum Antibiotikum bringt in diesem Fall wenig. Denn gegen Viren sind diese Präparate machtlos. Dr. med. Jochen Huverstuhl, HNO-Arzt in München, geht sogar noch weiter: „Unsere Devise ist hier: Bei einem viralen Infekt ist eine Antibiotika-gabe nicht nur sinnlos, sondern sogar kontraproduktiv, da im Darm die nützliche Bakterienflora zerstört und damit das Immunsystem zusätzlich geschwächt wird.“ Trotzdem werden diese Medikamente häufig verordnet. Einer Studie der Harvard--Mediziner Michael Barnett und Jeffrey Linder zufolge wurden im Zeitraum zwischen 1996 und 2010 etwa 70 Prozent der Patienten mit akuter Bronchitis trotz mangelnder Wirksamkeit mit Antibiotika  behandelt – Tendenz steigend.

Patienten wünschen sich Antibiotika

Die Zahlen stammen zwar aus den USA, sind aber vermutlich auf Deutschland übertragbar. Laut einer Umfrage des Meinungsinstituts Forsa im Auftrag der DAK hat etwa ein Drittel der Befragten in den vorhergehenden zwölf Monaten ein Antibiotikum verschrieben bekommen. Bei fast zwei Drittel waren Erkältungskrankheiten der Grund für die Verordnung – und damit zum größten Teil überflüssig. Das liegt nicht unbedingt an den Ärzten, sondern zum großen Teil auch an den Erwartungen der Patienten an ihren Arzt. Laut DAK-Report wünschen sich drei Viertel der Befragten ein Antibiotikum gegen ihre Erkältung, wenn sich ihre Beschwerden nicht von selbst bessern. Ein Viertel möchte dank Antibiotika wieder schneller fit für die Arbeit sein, 23 Prozent nennen private Gründe  für den Wunsch nach dem Antibiotika-Rezept.

Das bedeutet aber nicht, dass Antibiotika keine Berechtigung haben – vor allem dann, wenn die Gefahr besteht, dass sich auf die Virusinfektion eine bakterielle Infektion aufsetzt. Denn durch die Viren sind die Abwehrkräfte bereits geschwächt und bieten damit gute Bedingungen für ihre bakteriellen Erreger-Kollegen. In diesem Fall hält Huverstuhl den Einsatz von Antibiotika durchaus für sinnvoll. Allerdings weist er darauf hin, dass das Medikament „nur“ die bakterielle Infektion bekämpft. „Wenn das Antibiotikum nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen zur Ausheilung führt, heißt das nicht, dass das Antibiotikum ‚zu schwach‘ war, sondern meist, dass der Virusinfekt noch da ist.“

„Da über 90 Prozent der Infekte viraler Ursache sind und Antibiotika hier nicht helfen, können wir nur die Symptome lindern, aber nicht die Ursache, also die Viren ausschalten“, sagt der Münchner HNO-Experte. „Die eigentliche Arbeit gegen die Viren muss am Ende jedoch das Immunsystem selbst erledigen.“

Sprich: körperliche und geistige Schonung. Und: „Da Sie ansteckend sind, ist es auch im Interesse Ihres Arbeit-gebers, wenn Sie sich krankschreiben lassen.“

Hilfe bei akuter Bronchitis

  • Schleimlöser:
    Ziel der Präparate ist es, den Schleim in den Bronchien zu verflüssigen, damit er sich besser abhusten lässt. Damit die Präparate gut wirken können, sollte man ausreichend viel trinken. Substanzen, die den Schleim lösen, sind Bromhexidin, Ambroxol oder Acetylcystein.
  • Hustenstiller:
    Antitussiva lindern quälenden Hustenreiz, indem sie das Husten-Reflexzentrum im Gehirn dämpfen. Zu empfehlen sind sie – kurzzeitig eingenommen – nachts, wenn der Husten den Schlaf stört. Keinesfalls sollten sie mit Schleim-lösern kombiniert werden, da sie das Abhusten des Schleims bremsen. Die Entzündung in den Bronchien kann dann möglicherweise nicht so gut abheilen. Zu den rezeptpflichtigen Antitussiva gehören Codein oder Noscapin.
  • Ätherische Öle:
    Die Öle hemmen den Hustenreiz, fördern den Speichelfluss und bremsen die Schleimproduktion. Gute Studiendaten gibt es zu Anisöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Kiefernadelöl, Myrthol, Thymianöl und Fenchelöl.
  • Schleimdrogen:
    Sie schützen die Schleimhaut zumindest bis zum Rachen vor Reizungen. Bewährt haben sich Eibisch, Huflattichblätter, Isländisch Moos, Malve und Wollblume.
    Saponine: Die Substanzen hemmen die Entzündung und lösen Schleim und Verkrampfungen in den Bronchien. Typische Vertreter sind Süßholzwurzel, Efeublätter, Primelwurzel, Seifenrinde, Senegawurzel und Sanikelkraut.

Autorin: Cornelia Weber
Patienten Journal Reise & Gesundheit Oktober 2015

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