Urvertrauen

Das Urvertrauen ist ein Begriff, der in Biosoziologie, Psychologie und Psychoanalyse verwendet wird. Sein Bedeutungsumfang wie auch der Begriff selber sind häufig Gegenstand von Diskussionen.

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Kennzeichnung

Urvertrauen entwickelt sich bei beiden Ansätzen im sehr frühen Kindesalter durch die verlässliche, durchgehaltene, liebende und sorgende Zuwendung von Dauerpflegepersonen (zumeist den Eltern). Es verschafft die innere emotionale Sicherheit, die später zu einem Vertrauen in seine Umgebung und zu Kontakten mit anderen Menschen überhaupt erst befähigt. Urvertrauen ermöglicht angstarme Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt.

Es ist also die Grundlage für:

  • Vertrauen auf sich selbst, Selbstwertgefühl, Liebesfähigkeit („Ich bin es wert, geliebt zu werden.“ „Ich fühle mich geborgen.“),
  • Vertrauen in andere, in Partnerschaft, Gemeinschaft („Ich vertraue Dir.“ „Wir lieben uns.“, „Ich weiß mich verstanden und angenommen.“) und
  • Vertrauen in das Ganze, in die Welt („Es lohnt sich zu leben.“)

Lieblosigkeit, Vernachlässigung oder Misshandlung können zu einer mangelhaften Ausbildung des Urvertrauens führen. Hiermit können Beziehungs- und Bindungsprobleme von Menschen erklärt werden. Folgestörungen können Misstrauen, Depressionen, Angstzustände, Aggressivität u. a. m. sein.

Der Unterschied beider Ansätze liegt jedoch darin, dass der Soziobiologe Claessens eine Fehlentwicklung des Säuglings bereits deutlich früher (nach Abschluss des ersten Lebensjaheres) als nicht mehr behebbar ansieht, als der Psychoanalytiker Erikson.

Beispiele

Folgende Lebensumstände können eine ausreichende Entwicklung des Urvertrauens gefährden oder verhindern:

  • Die Trennung von der Mutter (Dauerpflegeperson) oder die völlige Vernachlässigung durch sie ohne eine Ersatzbindungsperson. Diese Situation ist ein typisches Risiko bei Lager-, Heim- oder Krankenhausaufenthalten von Säuglingen, aber auch bei völliger materieller oder soziopsychischer Verelendung und kann eine totale Deprivation bewirken. Überlebt das Kind es, so muss mit einem dauerhafte Argwohn, mit Depressionen, Angstzuständen, Aggressivität und Verzögerungen der geistigen oder motorischen Entwicklung u. a. m. gerechnet werden.
  • Wenn der Säugling im Familienhaushalt oder bei Alleinerziehenden unerwünscht ist und emotional mit gemischten (ambivalenten) Gefühlen (Zärtlichkeit, Hass, Missachtung) wahrgenommen wird, kann die Entwicklung des auf konstante Verlässlichkeiten angewiesenen Urvertrauens stark geschädigt werden; der Schädigung wirkt entgegen, wenn seltenere, dann aber doch verlässliche Zuwendungen von Geschwistern, entfernteren Verwandten oder Pflegepersonal erfolgen.

Der Beitrag "Urvertrauen" auf www.navigator-medizin.de basiert auf dem Artikel Urvertrauen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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