Milchbildung

Bereits während der Schwangerschaft beginnt sich die Brust auf die Produktion der Milch (Laktation) vorzubereiten. Wird von Anfang an nicht gestillt bzw. das Stillen unterbrochen, geht die Milchproduktion zurück. Die noch in der Brust vorhandene Milch wird vom Körper resorbiert, was mehrere Monate dauern kann.

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Da auch der Mann über rudimentäre Brustdrüsen verfügt, kann es prinzipiell auch bei Männern zur Bildung von Milch kommen. Alexander von Humboldt berichtete 1799 über einen venezolanischen Bauern, der nach dem Tod seiner Frau sein Kind monatelang gestillt haben soll.

In neuerer Zeit tritt das Phänomen der Milchproduktion nachweislich bei Männern auf, die mit weiblichen Hormonen behandelt werden, wie zum Beispiel gegen Prostatakrebs. Auch bei Babys beiderlei Geschlechts tritt häufig in den ersten Lebenstagen, ausgelöst durch plazentare Hormone, eine milchähnliche Flüssigkeit (umgangssprachlich: Hexenmilch) aus der Brust aus.

Erstes Stillen

Ein gesundes Neugeborenes beginnt normalerweise innerhalb der ersten beiden Lebensstunden nach der Brust der Mutter zu suchen. Neugeborene sind fähig die Brustwarze robbend zu erreichen. Der stark ausgeprägte Geruchssinn des Neugeborenen und seine Fähigkeit hell-dunkel-Kontraste zu erkennen erleichtern es ihm, anhand des Geruchs der Brustwarze und der seit der Schwangerschaft dunkleren Pigmentierung des Warzenhofes, die Brustwarze zu finden und sich anzusaugen.

Die Fuß- und Kniestöße, die das Kind bei der Suche nach der Brustwarze gegen den Bauch der Mutter ausführt, bewirken Kontraktionen der Gebärmutter - die so genannten Rückbildungswehen - und erleichtern die Ablösung und Ausstoßung der Plazenta. Die jetzt in der Brust gebildete Vormilch enthält eine besonders hohe Zahl an Immunstoffen, die das Kind, das soeben aus der völlig sterilen Umgebung innerhalb der Fruchtblase geboren wurde, vor den Keimen in seiner Umgebung schützt, wenn das mütterliche Immunsystem bereits mit diesen Keime konfrontiert wurde und Antikörper dagegen bilden konnte.[29][30]

Relaktation

Hat eine Mutter abgestillt, kann sie auch Monate später die Stillbeziehung zu ihrem Baby/Kind wieder aufnehmen (Relaktation). Es ist aber sehr schwierig und nur mit großem Aufwand zu bewerkstelligen (etwa durch wochenlanges regelmäßiges Abpumpen/Anlegen alle zwei Stunden). Außerdem kann bis dahin der Säugling die richtige Saugtechnik für die Brust verlernt haben, was nur schwer wieder anzutrainieren ist. Deshalb ist ein sehr frühes Abstillen nicht zu empfehlen.

Stillen eines nicht bzw. nicht direkt verwandten Kindes

Um stillen zu können, braucht eine Frau nicht schwanger gewesen zu sein. Die Milchbildung kann auch ohne vorangegangene Schwangerschaft in Gang gebracht werden, was jedoch einer recht zeitaufwändigen Vorbereitung bedarf. Dieser Vorgang wird "Induktion der Milchbildung" genannt.

Grundsätzlich gilt, dass jeder mechanische Reiz an der Brustwarze (und etwas geringer auch insgesamt an den Brüsten) schnell zur Ausschüttung des "Milchbildungs"-Hormons Prolaktin führt. Eine regelmäßige langanhaltende Reizung führt schließlich zum Ausbau/Wachstum des Milchdrüsengewebes und schließlich zur Milchsekretion.

Wie schnell die Milchbildung in Gang kommt, hängt entscheidend von der Intensität ab, aber auch von anderen Faktoren wie den körperlichen Anlagen der Frau, psychischen Einflüssen und ihrem Lebensalter. Unter günstigsten Bedingungen und intensiver Induktion kann die Milchbildung nach drei Tagen in Gang gekommen sein und unter ungünstigen Bedingungen werden auch nach Monaten nur wenige Tropfen erreicht.

Das Baby sollte möglichst oft angelegt werden, auch (oder ganz besonders) wenn zunächst nur wenig Milch vorhanden ist. Das kann mit einem Brusternährungsset unterstützt werden, das aus einem mit Muttermilch oder künstlicher Säuglingsmilch gefüllten Beutel und einem feinen, flexiblen Schlauch besteht, dessen Ende neben der Brustwarze (= Mamille) befestigt wird, so dass das Baby an der Brust saugt und dabei Milch aus dem Beutel erhält. Dadurch wird die Milchbildung angeregt und das Kind bleibt motiviert, weiterhin an der Brust zu saugen.

Steigerung der Milchmenge

Folgende Maßnahmen können die von der Brust produzierte Milchmenge erhöhen:

  • Häufiges Anlegen des Babys, mindestens alle zwei Stunden, eventuell mit einer etwas längeren Pause nachts
  • Auf wirkungsvolles Saugen und eine korrekte Stillposition achten. Das Kind soll den Kopf nicht seitlich verdrehen oder überstrecken, sondern Bauch an Bauch eng bei der Mutter liegen
  • wechselnde Stillpositionen
  • Wechselstillen. Dafür wird das Kind an einer Seite angelegt, bis es die Brust von selbst loslässt. Anschließend wird es auf der anderen Seite angelegt, bis es aufhört zu saugen. Nun wird es wieder auf der ersten Seite angelegt, dann wieder auf der zweiten usw.
  • Brustmassagen zur Entspannung und zur Auslösung des Milchspendereflexes
  • Möglichst viel Ruhe für die Mutter, Ausschaltung von Stressfaktoren
  • Ausgedehnter Körperkontakt durch Tragen in einer Tragehilfe und gemeinsames Schlafen fördert die Milchbildung und die Saugbereitschaft des Babys

Traditionelle Überlieferungen bekunden eine verstärkte Milchbildung im Zusammenhang mit Bierkonsum der Mutter. Studien belegen zwischenzeitlich, dass moderater Bierkonsum die Prolactinbildung stimuliert. Prolactin ist jenes Hormon, das die Milchbildung anregt. Ursächlich sind anscheinend bestimmte enthaltene Polysaccharide, was erklärt, dass der gleiche Effekt auch bei schwach- und nicht alkoholischen Biersorten wie Malzbier beobachtet wurde.

Säuglinge reagieren gleichzeitig mit vermindertem Appetit auf Alkoholkonsum der Mutter. In mehreren Studien wurde eine signifikante Verminderung der Milchaufnahme der Säuglinge dokumentiert, wenn die stillenden Mütter Alkohol konsumiert haben.

Mittel wie Milchbildungsöl, Milchbildungstee haben keine nachweisliche Auswirkung auf die Milchmenge. Fenchel, Kümmel und Anis können eine milchbildungsfördernde Auswirkung haben.

 

 

 


Der Beitrag "Milchbildung" auf www.navigator-medizin.de basiert auf dem Artikel Stillen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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