Industriell hergestellte Babynahrung

Die erste Fertignahrung für Babys entwickelte Justus von Liebig im Jahr 1865, zunächst in flüssiger Form als „Suppe für Säuglinge“. Einige Zeit später brachte er eine Fertignahrung in Pulverform auf den Markt, die allgemein als Kindermehl bezeichnet wurde. Beide Produkte wurden ab 1866 in mehreren europäischen Ländern verkauft, wobei Liebigs Renommee zum Verkaufserfolg beitrug.

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Säuglingsanfangsnahrung

Als Säuglingsanfangsnahrung werden lebensmittelrechtlich alle Lebensmittel und Produkte bezeichnet, die speziell für die Ernährung in den ersten sechs Lebensmonaten bestimmt sind und alle Nährstoffe enthalten, die der Säugling benötigt. Die natürliche Anfangsnahrung ist die Muttermilch. Für die Zubereitung der Fertigprodukte wird in manchen Fällen noch Wasser hinzugefügt. Industriell hergestellte Anfangsnahrung aus Kuhmilch wird als Säuglingsmilchnahrung bezeichnet. Bei den Fertigprodukten wird in Deutschland unterschieden zwischen Pre-Nahrung (früher adaptierte Säuglingsmilchnahrung), die weitgehend der Zusammensetzung der Muttermilch entspricht und als einziges Kohlenhydrat Laktose enthält, und 1-Nahrung (früher teiladaptierte Säuglingsmilchnahrung), in der auch andere Kohlenhydrate wie Saccharose vorkommen. Die Pre-Nahrung ist vor allem für Neugeborene besser verträglich. Für unreife Frühgeborene gibt es spezielle Fertigprodukte mit erhöhtem Kohlenhydratanteil und weniger Laktose. Der Energiegehalt liegt mit 80 kcal/dl (335 kJ/dl) um 10–20 kcal/dl über dem von normaler Anfangsnahrung und auch von Muttermilch.

Folgenahrung

Folgenahrung für Säuglinge sind im Lebensmittelrecht alle Lebensmittel und Produkte, die speziell für Säuglinge etwa ab dem vierten Monat bestimmt sind und wie die Anfangsnahrung eine flüssige Konsistenz haben, aber mehr Kohlenhydrate in Form von Stärke enthalten. Produkte, die ausschließlich auf der Basis von Kuhmilch hergestellt werden, heißen Folgemilch. Die Zusammensetzung muss nach der Diätverordnung den kompletten Ernährungsbedarf des Babys decken. Für die Zubereitung wird teilweise Wasser zugefügt.

Spezialnahrung

Kinder von Allergikern haben eine erhöhte erbliche Allergieneigung. Da bei Babys die Darmschleimhaut noch durchlässig ist und artfremdes Eiweiß, zum Beispiel aus Kuhmilch, eine Lebensmittelallergie auslösen kann, gibt es auf dem Markt so genannte hypoallergene Säuglingsnahrung, auch Hydrolysat-Formula oder HA Nahrung genannt, bei der das enthaltene Eiweiß durch Hydrolyse gespalten oder denaturiert wurde. Die HA Nahrungen werden zur Allergieprävention bei allergiegefährdeten Säuglingen empfohlen. Zur Therapie bei einer festgestellten Eiweißallergie hingegen werden Spezialnahrungen aus stark gespaltenem Hydrolysat oder aus einer Aminosäurenmischung eingesetzt. Bei der Aufspaltung des Caseins in Kuhmilch werden jedoch bittere Peptide freigesetzt, so dass diese Produkte bitter schmecken. Besonders stark hydrolisierte Formulaprodukte werden auch als semi-elementare Nahrung bezeichnet. Lebensmittelrechtlich handelt es sich dabei um „Heilnahrung“, die therapeutisch bei Erkrankungen wie Durchfall und Dyspepsie eingesetzt wird.

Da bei gestillten Babys in der Darmflora vor allem Bifidusbakterien vorkommen, die für einen pH-Wert sorgen, der die Vermehrung von Fäulnisbakterien hemmt und das Risiko von Darminfektionen und Durchfall deutlich verringert, setzen Hersteller einigen Fertigprodukten mittlerweile so genannte Probiotika oder Prebiotika (spezielle Ballaststoffe) zu, die ebenfalls zur Bildung dieser Bakterien im Darm führen sollen. Als positive Effekte dieser probiotischen Säuglingsnahrung werden die Prävention von Durchfall, Verstopfung und atopischen Ekzemen angegeben. Die gewünschte Veränderung der Darmflora durch Probiotika wurde in Studien nachgewiesen, über die Wirkung stehen entsprechende Studienergebnisse noch aus. Aktuelle Studien mit bestimmten Prebiotika zeigen sowohl die Entwicklung einer bifidusdominanten Darmflora als auch einen deutlichen allergiepräventiven Effekt. Darüber hinaus konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass diese Prebiotika einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung des Infektionsrisikos leisten können. Ein positiver immunmodulatorischer Effekt scheint somit gegeben zu sein.

 

 

 


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