Frühkindliche Förderung: Muss das sein?

Eine gute Nachricht für alle Eltern, die unter einem gefühlten Zwang zur Daueranimation ihres Kindes leiden: Weniger ist mehr. Das gilt unter den richtigen Rahmenbedingungen auch für die kindliche Förderung von außen, sprich durch Sie. Wenn die Angebote stimmen, sind die meisten Kinder eher mit weniger Anreizen glücklich und zufrieden als mit (zu) vielen. Und entwickeln sich trotzdem prächtig.

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Ihr Kind wurde mit körperlichen, seelischen und geistigen Anlagen geboren, die es von Ihnen und weiteren Vorfahren geerbt hat. Diese Anlagen dienen Ihrem Kind als Rüstzeug, mit dem es sich seine Fähigkeiten und Kenntnisse aneignet. Und zwar in einem Wechselspiel zwischen der biologischen Reifung des Nervensystems, altersgemäßen Anregungen und eigenen Erfahrungen.

Neugier und Ausprobieren sind wichtiger als dauernde Anleitung

Motor der Entwicklung ist die angeborene Neugier, soweit sie zum Einsatz kommen kann und darf. Dabei lässt sich die kindliche Neugier nicht beliebig wecken, sondern hängt immer von den Fähigkeiten ab, die gerade in Ihrem Kind heranreifen. Den Dingen, die jeweils im Fokus seines Interesses stehen (z.B. Spielzeug, Bilderbuch, Alltagsgegenstände, Naturmaterialien), wird es sich mit Vergnügen und Beharrlichkeit widmen, bis es mit dem Ergebnis seiner Anstrengungen zufrieden ist. Die Erwartungen und Vorstellungen aus kindlicher Perspektive müssen dabei nicht unbedingt mit Ihren erwachsenen Erwartungen übereinstimmen. Für Ihr Kind ist es aber ein beglückender Erfolg, wenn es sein selbst gestecktes Ziel erreicht hat. Freuen Sie sich mit ihm und über alles, was es neu dazu gelernt hat!

Hüten Sie sich vor einem "Entwicklungs-Wettbewerb"

Wichtig: Gestehen Sie Ihrem Kind sein eigenes Entwicklungstempo zu! Natürlich ist man als Eltern stolz, wenn der eigene Nachwuchs neue Fähigkeiten beherrscht und „Erfolge“ an Freunde und Großeltern vermeldet werden können. Aber besinnen Sie sich bei aller üblichen Leistungsbilanzierung immer wieder darauf, was Ihr Kind vor allem ist: ein wertvoller Mensch, den Sie lieben sollten, so wie er ist, weil er ist. Hüten Sie sich vor einem ungesunden Erwartungsdruck durch ständiges Vergleichen mit anderen, gleichaltrigen Kindern aus Verwandschaft und Bekanntenkreis – und mit Ihren (ungefärbten?) Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Bin ich verantwortlich für das Glück meines Kindes?

Nein, nicht umsonst heißt das gängige Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ und nicht „Mama und Papa sind meines Glückes Schmied“. Ihr Kind ist zwar auf eine verlässliche, liebevolle und verständnisvolle Zuwendung angewiesen und benötigt in ausreichendem Maße förderliche und vielfältige Anregungen. Ganz zu schweigen von der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse einschließlich des Schutzes vor körperlichen und seelischen Bedrohungen. Das darf aber nicht missverstanden werden in dem Sinne, dass Sie von der Erziehungsverantwortung überwältigt werden und sich unter Druck gesetzt sehen, Ihrem Kind alles Ihnen Mögliche an Förderung angedeihen zu lassen, damit aus ihm später ein glücklicher und vor allem erfolgreicher Erwachsener wird.

Die (Versagens-) Angst vor späteren Vorwürfen und Fehlentwicklungen (z.B. Arbeitslosigkeit) des Kindes ist zwar verständlich. Es wäre aber vermessen und gefahrvoll zugleich, als Eltern anzunehmen, durch eine frühe gezielte, meist intellektuelle Förderung seinem Kind sein späteres Leben erleichtern oder gar vorbestimmen zu können. Dazu ist jeder Mensch zu sehr Persönlichkeit und als solche zu vielschichtig und undurchschaubar.

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