Gehfrei: Wie sinnvoll ist die Lauflernhilfe - und ab wann?

Ein Gehfrei soll als Lauflernhilfe Kleinkinder während ihrer ersten Gehversuche auf den Beinen halten und ihnen so dabei helfen, schneller und besser laufen zu lernen. Meistens handelt es sich um eine Art Wagen, in den das Kind gesetzt wird oder den es, sich an einer Querstange festhaltend, schieben soll.

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Die Modelle gibt es aus Plastik und aus Holz, mit ohne integriertem Spiel- und Klingelzeug. Allein die Tatsache, dass es einen Markt für solches Gerät gibt, bedeutet allerdings noch nicht, dass man es auch kaufen sollte.

Klingt gut, ist aber unsinnig

Die Argumente der Hersteller: Statt sich mühsam an Gegenständen hochzuziehen und wieder auf den Boden zu plumpsen, hat das Kind mit einem Gehfrei einen festen Stand und kann früher die Welt auf eigenen Beinen erkunden. Und damit ihm nicht langweilig wird, ist bei einigen Modellen auch gleich noch Beschäftigungs-Hardware in Form von Holzperlen oder Klingelknöpfen eingebaut. Ganz zu schweigen vom schicken Mehrfarben-Design.

Klingt doch eigentlich toll? Nein, sagen die Fachleute. Auch wenn frühförderungsbegeisterte und performance-orientierte Eltern in der Kita davon schwärmen, bitte nicht für Ihre Kinder. Denn die Lauflernhilfe fördert die motorische Entwicklung Ihres Kindes keineswegs. Im Gegenteil: Sie kann über die unnatürliche Haltung, die das Kind im Gehreif einnimmt, sogar zu Wirbelsäulenschäden führen. Vor diesen unerwünschten Folgen warnt etwa der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Erhöhte Unfallgefahr

Noch gravierender stuft der Kinderarztverband die Unfallgefahr ein, die sich aus dem oft unterschätzten Bewegungsradius der laufhilfebewehrten Kinder und der meist nicht lückenlosen Aufsicht durch die Eltern ergibt. Stürze durch Türschwellen, ungesicherte Treppen und nicht verrückbare Hindernisse führen nach Angaben des Ärzteverbands zu etwa 6.000 Unfällen pro Jahr, bei denen es überwiegend zu – mitunter schweren – Kopfverletzungen kommt. Aber auch zu Verbrühungen oder Verbrennungen, wenn die Kleinen überraschend schnell in die Nähe von Tassen, Schüsseln oder Töpfen geraten.

Für die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“ und den Kinderarzt-Verband ist die Angelegenheit klar: Die Frage nach dem „ab wann“ stellt sich erst gar nicht, da die Frage nach dem „ob überhaupt“ mit einem klaren „Nein“ beantwortet wird. Lassen Sie Ihr Kind alleine und im eigenen Tempo laufen lernen. Und wenn sie ihm dabei helfen wollen, dann allenfalls maßvoll mit den eigenen Händen.

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Kommentare (1)
Gehfrei
1 Donnerstag, den 14. Dezember 2017 um 14:11 Uhr
Lißmann
Ich selber rate dringend davon ab. Diese "Gehfrei's" sind Waffen. Mein Sohn, 15 Monate, saß im "Gehfrei". Als der andere Sohn, 15 Monate, das ganze Teil umgeworfen hat, lag mein Kleiner Kopf über auf dem Boden. Mit Verletzungen im ganzen Gesicht.
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