Baby schreit ständig, Dreimonatskoliken: alle Fragen, alle Antworten

Schrei-Baby: harmlose Dreimonatskolik oder ernste Erkrankung?

Wenn ein Säugling auffällig viel und anhaltend schreit, obwohl die üblichen Bedürfnisse (Hunger, Schlaf, Windelwechsel, Zuwendung etc.) gestillt wurden, ist die wahrscheinlichste Ursache die harmlose Dreimonatskolik. Oder wie immer man das nennen will. Jedenfalls nichts Schlimmes.

Oder, um es in Zahlen auszudrücken: Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem exzessiv schreienden Säugling eine Krankheit diagnostiziert wird, beträgt 5-10%.

Als ernstere Auslöser in Frage kommen u.a.:

  • Infektion der Atemwege

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  • Mittelohrentzündung
  • Infektion der Harnwege
  • Refluxkrankheit
  • Darmentzündung
  • Verstopfung
  • Parasitenbefall, insbesondere durch Würmer (z.B. Askariden)
  • chronische Blinddarmentzündung
  • Einstülpung des Darms (Invagination)
  • Kuhmilcheiweiß-Unverträglichkeit
  • unerkannter Knochenbruch
  • neurologische Störungen, frühkindliche Hirnschädigung, verschiedene genetische Syndrome.

Prüfen Sie zur Sicherheit das Vorhandensein folgender Symtpome bei Ihrem Baby:

  • unzureichende Trinkmenge, gestörtes Trinkverhalten
  • zu geringe Gewichtszunahme oder sogar -abnahme, Gedeihstörung
  • Blutspuren in der Windel
  • Apathie, Lustlosigkeit, Blässe
  • wiederkehrendes Erbrechen

Auch die Art des Schreiens gibt Ihnen einen Hinweis, ob Gefahr im Verzug ist. Ein unstillbares, vernichtend-schmerzhaftes und schrilles Schreien, das sich über mehr als eine Stunde erstreckt, kann beispielsweise auf einen eingeklemmten Leistenbruch oder eine Darmeinstülpung hindeuten. In allen genannten Fällen ist der Kinderarztbesuch dringend angeraten.

Schreien, ohne krank zu sein

In den anderen 95% der Fälle ist Ihr Baby nicht krank. Dann tritt das Schreien ohne erkennbare Ursache und bei einem gut gedeihenden und „ansonsten gesunden“ Kind auf. Das heute mehrheitsfähig erscheinende Erklärungsmodell tendiert am ehesten zu einer Reife- bzw. Regulationsstörung (wobei das auch ein bisschen ratlos klingt).

Fazit: Besteht „nur“ das Schreien, ist das Kind gesund. Die stressbedingten Gesundheitsgefahren für die Mutter bzw. Eltern sind allerdings auch nicht zu unterschätzen.

Was ist eine Dreimonatskolik?

Charakteristisch und für die Eltern besonders entnervend ist weniger die Häufigkeit als vielmehr die Dauer und Unstillbarkeit der Schreiattacken. Überwiegend setzen diese am Nachmittag und in der ersten Nachthälfte ein, oft sehr unvermittelt.

Begriffs-Wirrwarr

Der Begriff „Dreimonatskolik“ wurde in den 1950er Jahren geprägt, ausgehend von der Beobachtung des Nachlassens der Schreiepsioden bis zum Alter von 3 Monaten und dem kolikartigen Erscheinungsbild der geplagten Kinder. Tatsächlich aber konnte die Annahme einer Magen-Darm-Störung als (allein- bzw. hauptverantwortliche) Ursache des Geschehens bisher wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Demzufolge gilt der Begriff heute eher als irreführend. Experten verweisen stattdessen, wie so oft, auf das Zusammenwirken mehrerer Faktoren und Kettenreaktionen. Neben dem Darmbereich werden auch (Un-) Reifeprozesse der kindlichen Selbstregulation und der Eltern-Kind-Beziehung als mögliche Störquellen in Betracht gezogen. Es gibt noch einige weitere Erklärungsversuche.

Vielfach synonym verwendete Begrifflichkeiten im Überblick:

  • Dreimonatskolik
  • exzessives Schreien im Säuglingsalter
  • Regulationsstörung, Anpassungsstörung
  • Schreikind, Schreibaby
  • Säuglingskolik, Trimenonkolik
  • unspezifisches Schreien

Wenn so viele verschiedene Begriffe für ein und dasselbe Phänomen benutzt werden, ist das meist Ausdruck einer ärztlichen Ratlosigkeit. Hauptsache ist aber: Ihr Kind ist nicht "krank" und wird keinerlei bleibende Schäden davontragen.

Wie kommt es zu einer Dreimonatskolik?

Die Ursachen für Dreimonatskoliken sind – auch wenn die Bezeichnung anderes vermuten lässt – keineswegs eindeutig geklärt.

Das ist eigentlich wenig verwunderlich, sondern fast zwangsläufig so. Denn unter Dreimonatskoliken versteht man statt einer echten Krankheit eher einen Zustand des Babys, in dem (stunden-) lange Schreiattacken über Wochen hinweg die Nerven der Eltern blank liegen lassen. Und das, obwohl das Kind ansonsten gut gedeiht und gesund erscheint – eben ohne erkennbare Ursache und mit der sich daraus ergebenden Schwierigkeit, schnell Abhilfe zu schaffen.

Folgende Erklärungsversuche geistern durch die Literatur (alle unbewiesen):

  • Vermehrtes Auftreten von Blähungen und Bauchschmerzen aufgrund eines unausgereiften, motorisch unzureichend funktionierenden Verdauungssystems.
  • Mangelnde Fähigkeit des Säuglings, sich altersgemäß selbst zu beruhigen, als Ausdruck einer frühen Regulations- bzw. Anpassungsstörung, zudem ggf. Schlafmangel und Überreizung.
  • Störungen der Eltern-Kind-Beziehung, beispielsweise bei Verhaltensschwierigkeiten, Überforderung, Unsicherheit oder Ablehnung seitens der Mutter bzw. den Eltern; ggf. auch Spannungen durch Konkurrenzsituationen mit Geschwistern.
  • Ein weiterer Ansatz geht davon aus, dass es sich beim kindlichen Schreien um die Verarbeitung wiederkehrender Erinnerungen an die (für das Neugeborene mehr oder weniger traumatischen) Geburtserlebnisse handelt.

Ärztliche Ratlosigkeit

Leicht vorstellbar ist, dass zahlreiche verschiedene Faktoren zu einem kolikartigen Erscheinungsbild schreiender Babys beitragen. Unklar bleibt aber, was davon Ursache und was Wirkung ist.

Manche Kinderärzte sprechen vom „unspezifischen Schreien“, um den Kolikbegriff zu vermeiden. Das erscheint allerdings den geplagten Babys (und ihren Eltern) gegenüber nicht sonderlich gerecht, die wohl kaum bis zur Erschöpfung schreien, weil ihnen sonst nichts Besseres einfällt.

Sind Dreimonatskoliken nur ein Reifungsprozess des kindlichen Darms?

Darauf, dass die sogenannten Dreimonatskoliken nicht primär ein (Reifungs-) Problem des Darms sind, weisen einerseits die fehlenden wissenschaftlichen Belege hin und andererseits kulturelle Unterschiede. So kommen Schreikinder zwar auch in Naturvölkern vor. Dort, wo Babys viel am Körper der Mutter getragen werden, tritt das regelmäßige, unstillbare Schreien aber seltener auf. Auch bei uns haben Forscher in Experimenten gezeigt, dass Kinder seltener schreien, wenn sie mindestens 3 Stunden am Tag im Tragetuch getragen werden.

Das spricht dafür, sich nicht nur über den Reifungsprozess des Verdauungssystems, sondern auch der geistigen und seelischen Potenziale des Säuglings und der Eltern-Kind-Beziehung Gedanken zu machen.

Was sind typische Symptome von Dreimonatskoliken?

Bei den sogenannten Dreimonatskoliken weiß niemand so genau, ob es sie überhaupt gibt. Aber was es definitiv gibt, sind häufig schreiende Babys, ohne dass man so recht weiß, warum sie schreien. Für dieses Erscheinungsbild, das einem bis auf die Nervenanspannung keine Sorgen bereiten muss, sind neben dem Schreien noch durch folgende Symptome typisch:

  • Das Kind beginnt, ab einem Alter von etwa 2 Wochen bis zu 3 Monten, plötzlich und ohne erkennbare Ursache mit dem Schreien.
  • Anfallsartige Schreiattacken (oft nach den Mahlzeiten).
  • Das Baby schreit auch nach Bedürfnisbefriedigung (Hunger, volle Windel, körperliche Zuwendung etc.) weiter.
  • Stundenlanges Schreien bevorzugt in den Nachmittags- und/oder Abendstunden.
  • „Kolik“-Symptomatik: Das Baby krümmt sich vor Schmerzen, hält die Beinchen angezogen und ggf. den Kopf nach hinten überstreckt. Das Gesicht ist gerötet und der Bauch hart, eventuell gebläht.
  • Das Schreibaby kann sich trotz mütterlicher oder väterlicher Zuwendung und tröstendem Zuspruch kaum beruhigen.
  • Es liegen außer dem „kolikartigen“ Schreizustand keine weiteren Krankheitsanzeichen bei dem ansonsten gut gedeihenden Kind vor.
  • Das Schreien kann über Stunden anhalten und endet oft erst, nachdem sich das Kind komplett verausgabt hat und übermüdet einschläft.
  • Das Kind ist während der Unruhe- und Schreiattacken untröstlich. Auch Beruhigungshilfen wie das Abdunkeln des Zimmers, Schnuller und Spieluhr bleiben wirkungslos.

In welchem Alter treten Dreimonatskoliken auf?

Dreimonatskoliken treten als heftige Schrei-Attacken bei Säuglingen im ersten Lebenshalbjahr auf, oft schon ab der 2. Lebenswoche. Sie nehmen typischerweise bis zur 6. Lebenswoche an Intensität zu und klingen meist nach dem 3. Lebensmonat ab. Nur vereinzelt sind sie noch über den 6. Monat hinaus existent.

Häufiges Phänomen

Ob es sich wirklich um Koliken handelt, ist unklar. Fest steht, dass das häufige Schreien ohne ernste Ursache ein häufiges Phänoemn ist. Etwa jedes 6. Kind (16%, bei manchen Autoren sogar über 20%) soll davon in den ersten drei Lebensmonaten betroffen sein. Bei etwa der Hälfte dieser Kinder (8%) hört das Schreiverhalten bis zum 3. Monat und bei zwei Drittel bis zum 4. Monat auf. Nach dem ersten Lebenshalbjahr ist die Tortur in den meisten Fällen überstanden, nur ganz wenige (2,5%) der Kleinen weisen dann immer noch die vermutete Regulationsstörung auf.

Dieses Phänomen tritt übrigens nicht nur in der industrialisierten Welt auf, sondern auch bei Naturvölkern. Dabei wurden allerdings zahlenmäßige Abweichungen festgestellt, offenbar abhängig von der Umgangskultur mit dem Nachwuchs. Unterschiedliche Definitionen von exzessivem Schreien bzw. Variationen der zugrundeliegenden Kriterien erschweren die Vergleichbarkeit der ermittelten Forschungsdaten.

Ist zu viel Luft im Bauch verantwortlich für eine Dreimonatskolik?

Das ist umstritten, auch wenn es die Bezeichnung „Dreimonatskoliken“ suggeriert. Zwar beginnen die Schrei-Attacken oft nach einer Mahlzeit. Und die Kleinen machen den Eindruck, unter Bauchkämpfen und Blähungen zu leiden, die sich durch Luft- oder Stuhlaustritt abschwächen. Studien zeigten allerdings keinen Unterschied in der Gasmenge im Darm von Schreikindern und ihren ruhigeren Altersgenossen.

Bauchmassage im Zweifel besser als Tee

Sofern es zu Luftansammlungen im Bauch kommen sollte, machen Experten heute eher das viele Luftschlucken beim Schreien dafür verantwortlich statt umgekehrt. Deshalb helfen auch Mittel und Tees gegen Blähungen wenig, eine entspannende und beruhigende Bauchmassage dagegen schon. Andererseits haben Forscher bei den Schreikindern ein Übermaß an bestimmten, auf die Darmbewegung einwirkenden Hormonen (u.a. Motilin) nachgewiesen. Im Zweifelsfall lässt man sein Kind dennoch lieber ein Bäuerchen zuviel als zuwenig machen.

Experten gehen heute davon aus, dass es sich beim exzessiven Schreien um eine Regulationsstörung handelt, die es den betroffenen, besonders sensiblen Kindern erschwert, sich nach Reizeinwirkungen und eigenen Gefühlsaufwallungen wieder zu beruhigen. Klingt auch nicht einleuchtend, aber wir lassen das mal so stehen.

Sind Dreimonatskoliken gefährlich?

Dreimonatskoliken sind eher ein Zustand als eine Erkrankung. In der Regel sind sie harmlos und verschwinden nach einiger Zeit wieder.

Zwar können auch echte Krankheiten Anlass für übermäßiges Schreien beim Säugling sein – der Begriff „Dreimonatskolik“ steht aber eher für einen Zustand vor allem während der ersten drei Lebensmonate als für eine echte Erkrankung. Was auch immer es sein mag – für die meisten der schreienden, sonst aber gut gedeihenden und gesunden Kinder und vor allem für ihre Eltern ist der Spuk spätestens nach dem ersten, möglicherweise sehr belastenden Lebenshalbjahr glücklicherweise wieder verschwunden.

Die größte Bedrohung besteht darin, dass das dauerhafte Schreien die geplagten Eltern an den Rand der Verzweiflung bringt. Im Zustand der Überforderung kann es nicht nur zu Störungen der Eltern-Kind-Beziehung kommen, sondern auch zu unüberlegten Handlungen, die die körperliche oder seelische Gesundheit des Kindes tatsächlich gefährden.

Wann sollte ich mit meinem Schreibaby zum Arzt?

Meist ist das Schreien – trotz aller nervlichen Belastung für Sie als Eltern – gesundheitlich harmlos. Einen Kinderarzt aufsuchen sollten Sie allerdings:

  • wenn Ihr Kind Gewicht verliert bzw. nicht mehr zunimmt
  • wenn Ihr Kind nicht ausreichend trinkt
  • wenn Ihr Baby viel spuckt und dabei den Rücken überstreckt oder andere Schmerzsymptome zeigt
  • wenn Sie sich von der Situation überfordert fühlen
  • wenn Sie spüren, dass Sie Ihre Selbstkontrolle verlieren, wenn das Schreien Sie so wütend und verzweifelt macht, dass Sie Sorge haben, dem Kind weh zu tun

"Abwarten und Tee trinken"

Bei dem Störungsbild des exzessiven Schreiens im Säuglingsalter, für welches der Begriff der Dreimonatskolik gemeinhin steht, handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass im Zweifel zunächst untersucht bzw. ausgeschlossen werden muss, dass eine der zahlreichen Krankheiten oder Beeinträchtigungen vorliegt, die heftiges Schreien beim Baby auslösen können.

Sehr viel häufiger wird der Kinderarzt den Eltern freilich sagen: "Abwarten und Tee trinken".

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Gibt es ein Medikament gegen Dreimonatskoliken?

Nein, verschiedene Medikamente wurden bei Schreikindern schon ausprobiert – ohne nachweislichen Erfolg, aber mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen.

Das entspricht der heutigen Auffassung, wonach es sich bei Dreimonatskoliken nicht um eine Erkrankung handelt, sondern um einen Schreizustand, für den keine unmittelbare Ursache vorliegt.

Halten Sie Ihr Kind ruhig im Arm, aber geben Sie ihm keine Medikamente! Sorgen Sie für eine komplett rauchfreie Umgebung. Wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt, wenn Sie fürchten, mit der Belastung nicht alleine fertig zu werden.

Was wird der Kinderarzt tun?

  • Ausschluss von zugrundeliegenden Krankheiten und Störungen (nur ganz selten der Fall)
  • Sie versuchen zu beruhigen.

Wann ist ein Kind ein Schreikind (Dreierregel nach Wessel)?

Übermäßiges Schreien wird meist über die Dauer definiert. Als Standardkriterium für exzessives Schreien im Säuglingsalter wird in unserem Kulturkreis die Dreierregel nach Wessel angewandt, wenn auch in unterschiedlichen Variationen.

1954 formulierte der amerikanische Kinderarzt Morris Wessel eine griffige „Dreierregel“, mit der er definierte, ab wann das Schreien eines Säuglings als exzessiv zu beurteilen sei. Gemäß dieser, auch „Wessel Criteria“ genannten Regel handelt es sich um ein Schreibaby, wenn die Schrei- und Unruheanfälle

  • über mehr als 3 Stunden pro Tag,
  • an mehr als 3 Tagen pro Woche,
  • über mehr als 3 Wochen

andauern. Entscheidend ist, dass das extrem unruhige, ansonsten aber gesunde Kind während der Schrei-Attacken nicht zu beruhigen ist und sich keine Ursache als Auslöser des Verhaltens feststellen lässt. Dieser Zustand, der auch als Dreimonatskolik bezeichnet wird, endet für gewöhnlich nach dem 3.-6. Lebensmonat.

Worauf sollte ich achten, wenn mein Baby viel schreit?

  • Denken Sie daran, dass Schreibabys manchmal empfindlich gegenüber zu viel Unruhe sind.
  • Sorgen Sie für einen ruhigen, geregelten Tagesablauf!
  • Versuchen Sie, die Bedürfnisse Ihres Kindes zu erkennen: Ist es hungrig? Hat es eine volle Windel? Braucht es Ruhe?
  • Wenn Ihr Kind unruhig wird oder schreit, klopfen Sie ihm nicht auf den Rücken. Und auf keinen Fall sollten Sie es dann schütteln!
  • Sorgen Sie für Ruhe in der Umgebung Ihres Kindes: das heißt, keine laute Musik, keine hektischen Bewegungen, keine lärmenden Spielgeräte.
  • Wenn Sie Ihr Baby schaukeln, dann ruhig und langsam.
  • Springen Sie nicht immer sofort auf, wenn Ihr Kind schreit. Geradein der Zeit des Einschlafens macht weitere Ansprache Ihr Kind oft nur wieder unruhiger.
  • Lassen Sie Ihren Säugling nicht neben sich im Bett schlafen, um ihn zu beruhigen oder beim Einschlafen zu helfen.
  • Manchen Kindern hilft es, wenn noch etwas Licht im Kinderzimmer bleibt oder Ihre Stimmen im benachbarten Raum zu hören sind.
  • Auch wenn es nicht einfach ist: Bleiben sie trotz des Schreiens gelassen und ausgeglichen, das hilft Ihrem Kind!

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Was sind typische Beschwerden bei Blähungen?

Blähungen im Babyalter und Kleinkindalter äußern sich durch:

  • aufgeblähter Bauch
  • krampfartige Bauchschmerzen
  • kein Erbrechen oder Durchfall

Blähungen treten häufiger im frühen Säuglingsalter auf. Inwieweit die unter der Bezeichnung Dreimonatskoliken bekannten und gefürchteten Schreiattacken durch Blähungen bedingt sind oder umgekehrt, ist ebenso umstritten wie die Frage, ob Blähungen überhaupt ein fester Bestandteil dieses belastenden Geschehens sind.

Einen Vorteil haben die Gasansammlungen gegenüber manch anderen Leidensursachen immerhin: Sie sind nicht ansteckend.

Hilft Pucken gegen exzessives Schreien?

Ja, diese uralte Wickelmethode scheint in moderner Anwendung eine Verminderung der Schreidauer bewirken zu können, allerdings nur bis zur 8. Lebenswoche. Bei 6-16 Wochen alten gepuckten Säuglingen wurden längere Tiefschlafphasen und eine geringere Tendenz zum spontanen Aufwachen festgestellt.

Zu beachten ist allerdings, dass es zur einer Fehlbildung des Hüftgelenks kommen kann, wenn die Beine des Säuglings zu eng umwickelt werden.

Schreibaby: Bin ich als Mutter schuld am exzessiven Schreien meines Kindes?

Ein klares Nein! Dass Mütter mit Schreibabys prinzipiell weder unsicherer noch weniger bindungsfähig sind als ihre Kolleginnen mit eher ruhigen Kindern, haben Studien gezeigt.

Nicht selten haben diese Mütter weitere Kinder, die keineswegs durch übermäßiges Schreien aufgefallen sind. Dennoch oder gerade deshalb sollten Sie sich Hilfe holen, wenn Sie sich durch die Schreiattacken über Gebühr belastet fühlen und Sie der Ausblick auf das höchstwahrscheinliche Verschwinden der sogenannten Dreimonatskoliken spätestens nach Babys erstem Lebenshalbjahr nicht wirklich trösten kann.

Schreibaby: Umgang mit der Belastung

Im Unterschied zu Müttern mit eher ruhigen Kindern, die in mehrstündigen Ruhephasen immer wieder Kraft schöpfen und sich erholen können, stehen Mütter mit Schreibabys meist unter Dauerstress. Die ständigen Schrei- und Unruheattacken ihres Säuglings lassen sie oft selbst dann nicht los, wenn zwischenzeitlich Ruhe eingekehrt ist. Daueranspannung, Panikgefühle, Schweißausbrüche, selbst eingebildetes Schreien – das alles sind bekannte Reaktionen der geplagten Mütter bzw. Eltern. Sie stehen unter enormem Druck, von außen und – selbst gemacht – von innen. Sie leisten Enormes, ohne dafür die geringste Anerkennung zu erhalten.

Der wichtigste Tipp: Versuchen Sie so locker wie nur irgend möglich damit umzugehen. Auch wenn das leichter gesagt als getan ist.

Auf eigene Belastungsgrenzen achten

Anstelle des Stillens nach Bedarf kann die Vorgabe eines 3-Stunden-Rhyhtmus jetzt günstiger sein, ohne dass die persönliche Entfaltung des Kindes deshalb in Frage gestellt würde. Nächtelanges Tragen durch die Wohnung oder stundenlanges Schleppen im Tragetuch mag zwar dem Idealbild heutiger Babyratgeber entsprechen, erweist sich aber als Bumerang, wenn die Kräfte der Für- und Versorger dabei zerschlissen werden.

Achten Sie auf Ihre eigenen wichtigsten Bedürfnisse und Gefühle, auf genügend Ruhe, Hunger und den Bedarf, auch einmal etwas für sich selbst zu tun.

Leiden Schreibabys an Allergien oder Milchunverträglichkeit?

Das wird zwar immer wieder behauptet, ist aber nur selten der Fall.

Prinzipiell kann zum Beschwerdebild bei Allergien oder (Kuh-) Milchunverträglichkeit des Säuglings zwar auch vermehrtes Schreien gehören. Allerdings sind dann normalerweise noch andere Symptome wie Durchfall, Blut im Stuhl oder schlechtes Gedeihen auffällig.

Die untergeordnete Rolle der Ernährung wird auch durch die Tatsache deutlich, dass die sogenannten Dreimonatskoliken bei gestillten und nichtgestillten Kindern etwa gleich häufig vorkommen. Auch die bei Säuglingen sehr selten auftretende Laktoseintoleranz ist als generelle Erklärung für exzessives Schreien eher ungeeignet.

Verarbeiten Schreikinder ihr Geburtserlebnis?

Neben vielen anderen Erklärungsmodellen gibt es auch diese neuropsychologische Hypothese. Demnach führt die fortschreitende Reifung des kindlichen Gehirns zu einer besseren Kontrolle der emotionalen Reaktionen durch höher gelegene Strukturen.

Das vom in die Welt geworfenen Kind traumatisch erlebte Geburtsgeschehen ist dann in der Mehrzahl der Fälle nach dem 3. Lebensmonat „verarbeitet“, andere Dinge werden wichtig und der seelisch stabilisierte Säugling ist in angemessener Weise zur Selbstregulation und -beruhigung in der Lage.

Nicht ganz zufällig ein Psychologe, der sich das ausgedacht hat.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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