Wie wichtig sind Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft?

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und können im menschlichen Organismus verschiedene positive Effekte verbuchen. Schwangere Frauen und ihr ungeborenes Kind haben einen hohen Bedarf an diesen lebenswichtigen Nahrungsbestandteilen.

Sie können rheumatische Beschwerden lindern, sind ein sinnvolles Nahrungsergänzungsmittel bei Diabetes und unterstützen die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems – Omega-3-Fettsäuren sind wahre Alleskönner.

Vor allem die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA) erfüllen verschiedene Aufgaben im Organismus. Sie sind Baumaterial für die Membran der Zellen und fördern die Beweglichkeit der Zellmembran. Außerdem stellen sie die Basis dar für Substanzen, die aktiv am Stoffwechsel beteiligt sind.

Wo Omega 3 überall drinsteckt

Da sie im Körper allerdings nur in sehr geringem Maße hergestellt werden können, müssen wir sie über die Nahrung aufnehmen. Die wichtigste Quelle für Omega 3 ist Seefisch, z.B. Makrelen, Lachse, Heringe, Sardinen oder Sprotten. In einigen pflanzlichen Ölen ist ebenfalls Omega 3 enthalten, aber nur in relativ geringem Maße. Wer aber nicht so regelmäßig Fisch essen will, kann auf Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl zurückgreifen.

Besonders wichtig sind die beiden Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA). Schwangere Frauen und Frauen in der Stillzeit sollten mindestens 200 mg DHA aufnehmen. Dann kann die wichtige Zeit der Reife und des Wachstums in der Gebärmutter besser für das Kind verlaufen.

Wichtig fürs Gehirn und für die Augen

Warum sind die Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft so wichtig? Weil die Entwicklung des Gehirns und der Sehfähigkeit beim ungeborenen Kind entscheidend von der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren abhängt. Nur so können visuelle und kognitive Fähigkeiten optimal gefördert werden. Besonders die Nervenzellen profitieren von Omega 3.

Das gesunde Funktionieren von Augen und Gehirn wäre demnach ohne Omega 3 nicht möglich. Während bei Senioren Omega-3-Fettsäuren z.B. Alzheimer vorbeugen können, also einen kognitiven Verfall verhindern helfen, sind es bei ungeborenen Kindern Wachstum und Differenzierung des Gehirns, die von den Omega-3-Fettsäuren abhängen.

Außerdem senken die Omega-3-Fettsäuren das Risiko einer Frühgeburt. Sie lassen darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind an einer Allergie erkrankt, signifikant sinken.

Das sagt die Forschung dazu

An der Universitätsklinik München erforscht das Team um den Kinderarzt Berthold Koletzko seit Langem den Zusammenhang zwischen der Ernährung schwangerer Frauen und der Schwangerschaft. Es wurden epidemiologische Verfahren angewandt, d.h. Studien, die das Vorkommen und die Häufigkeit bestimmter Erscheinungen in der Bevölkerung im Zusammenhang mit deren Ursachen beleuchten. Man kann dafür z.B. eine Querschnittstudie (also eine Momentaufnahme des Vorkommens der untersuchten Phänomene) oder eine Längsschnittstudie (mit mehreren Beobachtungen in bestimmten Zeitabständen) vornehmen.

Auch Metaanalysen wurden unter Koletzkos Leitung durchgeführt. Das sind Untersuchungen, in denen mehrere Studien mit rechnerischen und statistischen Verfahren zusammengefasst werden, um qualitativ noch hochwertigere Erkenntnisse herzuleiten.

Koletzko stellte fest, dass eine gesteigerte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel die Dauer der Schwangerschaft verlängern kann. Einer Fehlgeburt kann so vorgebeugt werden. Das Risiko für Frühgeburten, die sich vor der 34. Schwangerschaftswoche ereignen, kann so um rund 30% gemindert werden.

Daneben kann Omega 3 das Gewicht des Kindes bei der Geburt steigern. Auch eine postpartale Depression wird mit ausreichend Omega 3 unwahrscheinlicher.

Die ersten Monate sind entscheidend

Das ungeborene Kind erhält die Omega-3-Fettsäuren von der Mutter über die Nabelschnur und nach der Geburt über die Muttermilch. Wie gut es mit Omega 3 versorgt ist, steht also in engem Verhältnis zu der Frage, ob die Mutter Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Fischöl einnimmt.

Vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten des Kindes lagern sich große Mengen der DHA – falls verfügbar – im Gehirn und in der Retina an und werden dort für Aufbau- und Entwicklungsprozesse verwendet. Die Retina bezeichnet die Netzhaut, die natürlich für das zukünftige Sehen des Kindes von entscheidender Bedeutung ist.

Bis etwa zur Einschulung können die Omega-3-Fettsäuren die Entwicklung des Kindes massiv fördern. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft und Stillzeit genügend DHA aufgenommen haben, zeigen oft eine bessere Motorik (Bewegung und Beweglichkeit, auch für feinere Tätigkeiten). Außerdem sind ihre geistigen Fähigkeiten in vielen Fällen besser entwickelt. Die Schärfe beim Sehen kann durch Omega 3 signifikant zunehmen. Kinder zwischen 4 und 8 Jahren sind mit Omega 3 oft intelligenter, zeigen ein besseres Sozialverhalten und verstehen Sprache besser.

So kommen Sie auf Ihre tägliche Ration

Insgesamt liegt die benötigte zusätzliche Energie bei weniger als 100 kcal am Tag im ersten Drittel der Schwangerschaft, im zweiten Drittel bei rund 300 kcal täglich und im letzten Schwangerschaftsdrittel bei etwa 500 kcal am Tag. Man muss die Energie, die man braucht, mit der Nahrung aufnehmen. Dafür genügt in der Schwangerschaft in der Regel eine gesunde, ausgewogene Mischkost, die dem jeweiligen Mehrbedarf an Kalorien angepasst wird.

Die Fettzufuhr insgesamt (wenn man also alle Fettquellen zusammen betrachtet) sollte die eines normalen, gesunden Menschen im Erwachsenenalter nicht überschreiten. Anders liegt der Fall bei den Omega-3-Fettsäuren: Schwangeren und stillenden Frauen wird empfohlen, jeden Tag mindestens 0,2 g DHA zu verzehren. Produkte mit Fischöl können dabei helfen, diese Menge zu erreichen.

Können Nahrungsergänzungsmittel schädlich sein?

Verschiedentlich kam der Verdacht auf, dass Präparate mit DHA bzw. Fischöl angeblich Dioxine, Schwermetalle und polychlorierte Biphenyle enthalten würden, die als gesundheitsschädlich bekannt sind. Es hat sich aber in Überprüfungen der Untersuchungsämter und einem eingehenden Check von Ökotest (von 2010) herausgestellt, dass man Entwarnung geben kann: Die Fischöle, die als Quelle für DHA verwendet werden, werden zunächst so eingehend aufbereitet und verarbeitet, dass eine Belastung mit Schadstoffen nahezu ausgeschlossen ist.

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Omega-3-Fettsäuren: Was leisten sie?

Autor: Fedor Singer

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