Nabelschnurblut: Was ist von Kombispenden zu halten?

Leider nicht viel, Seit einiger Zeit bieten kommerzielle Nabelschnurblutbanken die Möglichkeit an, privat eingelagertes Nabelschnurblut (für das eigene Kind) bei Bedarf auch als Transplantat für andere Patienten zur Verfügung zu stellen (Kombispende).

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Das soll heißen, die Eltern könnten das Nabelschnurblut ihres Kindes zwar in ein (öffentliches) Stammzellregister eintragen lassen, behalten aber das Eigentumsrecht daran. Erst im Bedarfsfall stünde dann die Entscheidung der Eltern oder des inzwischen volljährigen Kindes über die Freigabe des Transplantats an.

Was zunächst wie die Lösung eines ethischen Problems klingt, schafft bei genauerem Hinsehen allerdings ein noch größeres.

Konkret würde dies nämlich bedeuten:

  • Der Eigentümer des Transplantats würde im Extremfall gezwungen, über Leben oder Tod eines anderen Menschen (des fraglichen Empfängers) zu entscheiden. Denn häufig wird erst in Ermangelung eines anderen Spenders auf Nabelschnurblut als Stammzellquelle zurückgegriffen.
  • Die Entscheidung über die Freigabe des Stammzellpräparats läge nicht mehr in ärztlicher Hand.
  • Die Stammzellregister böten Transplantate an, ohne deren Herausgabe garantieren zu können.
  • Die Einbehaltung einer solchen Kombispende könnte unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Verzögerung für den darauf hoffenden Patienten führen, ohne dass dies medizinisch zu rechtfertigen wäre.

Eine solche Situation wäre bzw. ist für Spenderregister natürlich untragbar. Für solche Nabelschnurblutspenden kann deshalb kein Rechtsanspruch des Spenders auf sein Stammzelltransplantat bestehen. Im (sehr unwahrscheinlichen) Bedarfsfall würde die Möglichkeit eines Zugriffs in gleicher Weise bestehen wie für alle anderen Patienten auch.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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