Soll ich das Nabelschnurblut meines Kindes einlagern lassen?

Allen werdenden Eltern stellt sich diese Frage, aber es ist zu vermuten, dass sich nur vergleichsweise wenige intensiver mit ihr beschäftigen. Das muss man aber, um zu verstehen, worum es wirklich geht.

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Wir (die Redaktion von Navigator Medizin) schließen uns jedenfalls den Empfehlungen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation für beratende Ärzte an und empfehlen Ihnen deshalb:

  • Spenden Sie das Nabelschnurblut Ihres Kindes an eine öffentliche Nabelschnurblutbank, wenn die Möglichkeit dazu besteht. Sollte Ihr Kind jemals selbst ein Transplantat benötigen, ist es in den meisten Fällen aus medizinischen Gründen besser, auf das Blut eines gesunden Fremdspenders zurückzugreifen.
  • Nabelschnurblut kann potentiell anderen Menschen mit schweren Erkrankungen helfen. Da sich gegenwärtig nur 4% der Schwangeren für eine Nabelschnurblut-Spende entscheiden, landen 96% der medizinisch nützlichen Zellen leider immer noch im Klinikmüll.
  • Wenn Sie ein leukämiekrankes Kind haben, kann es sinnvoll sein, das Nabelschnurblut des Neugeborenen für das kranke Kind zu spenden.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind sein eigenes Nabelschnurblut tatsächlich benötigen wird, ist extrem gering.
  • Wenn Sie sich dennoch für eine Einlagerung für den Eigenbedarf (Eigenspende) entscheiden, sollten Sie sich vorab genau über die in Frage kommenden kommerziellen Anbieter informieren und keinesfalls ein Kredit- oder Ratenzahlungsangebot in Anspruch nehmen (siehe folgender Text).

Ist die private Einlagerung des Nabelschnurbluts (nur für das eigene Kind) zu empfehlen?

Eine einzige Antwort, die für alle Ärzte gleichermaßen gilt, gibt es nicht, da auch unter den medizinischen Profis Befürworter und Gegner existieren. Wo in Kliniken bzw. Praxen vertragliche Beziehungen mit kommerziellen Nabelschnurblutbanken bestehen, wird man den interessierten Eltern von einer Eigenspende wohl kaum abraten.

Der Berufsverband der Frauenärzte gibt keine Empfehlung an seine Mitglieder heraus, er überlässt die Entscheidung lieber den Gynäkologen selbst. Anders der Bund deutscher Hebammen, der die private Einlagerung nicht befürwortet: Von einem "Geschäft mit der Angst der Eltern" spricht die Präsidentin des Hebammen-Verbandes, Helga Albrecht. Auch von manch anderen nationalen und internationalen medizinischen Organisation wird die kostenpflichtige Einlagerung von Nabelschnurblut für das eigene Kind abgelehnt. Vor allem wegen der geringen Wahrscheinlichkeit, dass es jemals benötigt wird.

Sichtweise der Hebammen

Wie bei den Ärzten gibt es auch unter Hebammen keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Der Bund deutscher Hebammen ist – wie oben bereits erwähnt – gegenüber der öffentlichen Spende grundsätzlich positiv eingestellt, während er die private Einlagerung von Nabelschnurblut nicht empfiehlt. Manche Hebammen lehnen die Entnahme von Nabelschnurblut – unabhängig von ihrem Zweck – auch als eine Störung der Geburtsphase ab, die u.a. die Mutter unmittelbar nach der Entbindung dabei behindere, sich voll und ganz ihrem Neugeborenen zu widmen. Viele Krankenhaus-Hebammen nehmen dagegen das Nabelschnurblut sogar selbst ab und andere freie Hebammen veranstalten Informationsabende von kommerziellen Stammzellbanken bei sich.

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