Künstliche Befruchtung: Verhilft Aspirin tatsächlich zu einer höheren Schwangerschaftsrate?

Die Verschreibung von Aspirin (Acetylsalicylsäure = ASS) in niedriger Dosierung bei Frauen mit Kinderwunsch basiert auf der Annahme, dass das Immunsystem durch ASS (positiv) beeinflusst und die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut verbessert wird. Eine gängige Dosierungsempfehlung lautet 75 mg ASS täglich, einzunehmen ab dem Tag des Embryotransfers bis zum Schwangerschaftstest.

Eine im Jahr 2007 publizierte Studie räumte allerdings mit dieser (Wunsch-) Vorstellung auf, zumindest hinsichtlich der wissenschaftlichen Nachweisbarkeit bis dato. In einer umfassenden Auswertung sämtlicher Daten zu dieser Fragestellung zeigte sich kein Vorteil für Frauen, die ASS routinemäßig eingenommen hatten, und das recht eindeutig.

Dennoch gibt es Situationen, in denen das – vor allem als Kopfschmerzmittel bekannte – Medikament einen berechtigten Stellenwert in der Kinderwunschbehandlung hat:

  • nach wiederholten Therapieversuchen ohne Einnistung (Implantation) der übertragenen Embryonen;
  • bei mehrfach wiederholten Fehlgeburten (habitueller Abort) in Kombination mit einem Antiphospholipid-Syndrom;
  • beim Nachweis eines homozygoten PAI-1-Polymorphismus.

Auch bei diesen Indikationen muss der tatsächliche Nutzen einer Aspirin-Behandlung (z.B. 100 mg ASS täglich in Kombination mit Heparin) zwar noch eindeutiger als bisher belegt werden. Es scheint aber zumindest den Versuch wert, ohne dass nach derzeitigem Kenntnisstand ein Nachteil zu befürchten wäre.

Autor:

Anzeigen