Warum gelten Frauen ab einem Alter von 35 Jahren als Risikoschwangere?

Weil Ärzte gerne kategorisieren und dabei oft wenig Feingefühl mitbringen. Und so werden dann Frauen, die ab einem Alter von 35 Jahren zum ersten Mal im Begriff sind, Mutter zu werden, oft als „Risikoschwangere“ bezeichnet. Das hört sich nicht nur befremdlich an, es ist auch in dieser pauschalen Form unsinnig. Es gibt nämlich keine magische Altersgrenze mit 35, ab der das Schwangerschaftsrisiko plötzlich erheblich ansteigen würde.

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Vielmehr dreht es sich ums Geld: Ab diesem Alter können Frauen in Deutschland nämlich spezielle Untersuchungen zur Feststellung bestimmter (keineswegs aller!) Chromosomen-Veränderungen auf Kosten der Krankenkasse durchführen lassen.

Für und Wider der Fruchtwasseruntersuchung genau abwägen

Hintergrund ist das mit steigendem Alter der Mutter zunehmende Risiko einer Chromosomen-Anomalie (also irregulärer Erbgutkonstelllationen) beim Embryo. Zum Ausschluss eines Down-Syndroms wird zum Beispiel ein sogenannter Triple-Test oder eine Nackenfaltenmessung beim Embryo vorgenommen (beides ungefährlich). Besteht danach noch ein Verdacht auf ein Down-Syndrom, wird als invasiverer diagnostischer Eingriff oft eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) empfohlen – sofern Sie dies wünschen. Dabei ist allerdings das Risiko einer dadurch verursachten Fehlgeburt gegenüber dem Nutzen der Entdeckung eines Down-Syndroms genau abzuwägen.

Wenn Sie schwanger und 35 Jahre oder älter sind, sollten Sie sich auf jeden Fall frühzeitig über die Durchführung, die Bedeutung und die möglichen Konsequenzen eingreifender Untersuchungen ausführlich informieren. Und mitunter empfiehlt sich auch eine Zweitmeinung. Denn nicht jeder Frauenarzt oder jede Frauenärztin denkt hier gleich. Es gibt außerdem in allen größeren Städten "neutrale" Beratungsstellen. Aber Achtung: Wegen der starken Inanspruchnahme lohnt sich hier eine rechtzeitige Terminvereinbarung.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn