Wird man zum „Vielfraß“ geboren oder erzogen?

„Ein Vielfraß wird nicht geboren, sondern erzogen“, sagt der Volksmund. Und tatsächlich ist der enge Zusammenhang zwischen psychischer Ausgeglichenheit und gesunder Ernährung auf die erste Lebenszeit zurückzuführen. So kann zum Beispiel das Stillen nicht nur den Hunger beseitigen, sondern auch Spannung, Unzufriedenheit oder Unlust beim Säugling ein Stück weit kompensieren.

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Das ist soweit alles normal, aber natürlich darf das Füttern nicht zu einem Allzweckmittel werden. Als Eltern (in den ersten Monaten betrifft das vor allem die Mama) sollten Sie also die vieldeutigen kindlichen Signale (Hunger?, Müdigkeit?, Unwohlsein?, Liebesbedürftigkeit?) richtig einordnen und diese so gut es geht befriedigen, statt immer nur alles mit Nahrungszufuhr zu lösen. Mit diesen frühzeitigen Erfahrungen bezüglich Ernährung und emotionalen Bedürfnissen, ggf. auch falsch verstandener Fürsorge, wird das spätere Verhalten des Kindes vorgeprägt – ungünstigenfalls zu unbewussten und ungesunden Verhaltensstrategien nach dem Motto „Essen überwindet Probleme”.

Genetische Veranlagung ist kein unausweichliches Schicksal

Die genetische Veranlagung spielt aber natürlich auch eine Rolle. Die verschiedenen gewichtsbeeinflussenden Stoffwechselvorgänge sind zu einem relevanten Teil vererbt. Das bestätigen Ergebnisse der Familien- und Zwillingsforschung. Bei etwa 80% der dicken Kinder ist auch mindestens ein Elternteil übergewichtig, bei 30% sogar beide Elternteile.

Das sollte allerdigs nicht als unvermeidliches Schicksal fehlinterpretiert werden. Denn Veranlagung bedeutet nicht automatisch auch Ausprägung. Veranlagung zum Dickwerden bedeutet lediglich, dass man die Kinder um so sorgsamer vor falschen Ernährungsreizen schützen sollte. Leider sorgen aber neben den erwähnten seelischen Mechanismen häufig gerade falsche Ernährungs- und Essgewohnheiten dafür, dass ungünstige Veranlagungen zum Tragen kommen.

Übrigens: Nur in seltenen Fällen führen körperliche Ursachen zur übermäßigen Kalorienaufnahme, wie etwa Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennieren oder angeborene Stoffwechselstörungen.

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