Wie funktioniert die Klingelhose® bei der Behandlung des Bettnässens?

Wenn einfachere Maßnahmen zur Behebung des nächtlichen Bettnässens nicht ausreichen, wird von einigen Ärzten das Training mit Klingelgerät empfohlen. Das ist eine Form der apparativen Verhaltenstherapie bzw. eine Alarmtherapie.

Hilfsmittel mit Alarmsignal

Ab einem Alter von 7 Jahren soll Ihr Kind dabei lernen, auf die körpereigenen Signale zu achten und entweder trocken durchzuschlafen oder bei gefüllter Blase wach zu werden. Als Hilfsmaterial wird dazu die Klingelhose® (Klingelhose® ist eine eingetragene Wortmarke der Stero Medizinische Geräte Prof. Dr. H. Stegat GmbH & Co. KG und der Herren Prof. Harry Stegat und Martin Stegat) oder Klingelmatten zurückgegriffen, die bei den ersten Tropfen ein Klingelsignal von sich geben.

Die Behandlung dauert 8-12 Wochen (mindestens 6, höchstens 16 Wochen). Nach 10-14 trockenen Nächten hintereinander kann die Klingelhose® abgelegt (und wegen Rückfallgefahr aufbewahrt!) werden. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für Urotherapie im Kindes- und Jugendalter handelt es sich bei der seit nahezu einem Jahrhundert bekannten Klingelhose® um die „erfolgreichste Behandlungsmethode des nächtlichen Einnässens“.

Erfolgsquote recht hoch, Aufwand aber auch

Allerdings erfordert die Klingeltherapie meist die Anwesenheit der Eltern, da Kinder das Signal häufig überhören. Das bedeutet, dass Sie in dieser Zeit mit Ihrem Kind im selben Zimmer nächtigen und dafür Sorge tragen müssen, dass es bei jedem Klingelsignal vollkommen aufwacht und zur Toilette kommt. Angesichts des für Kind und Eltern großen Aufwands empfiehlt es sich, das Verfahren vorher ausführlich mit dem Arzt und der Familie zu besprechen. Besondere Beachtung sollten Sie der Motivation Ihres Kindes und einer altersgemäßen Übertragung von Verantwortung im Rahmen des Trainings schenken.

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Bei korrekter Durchführung darf mit einer Erfolgsquote von 70-80% gerechnet werden, bei erneutem Einsatz nach Rückfall (mit dem bei der Hälfte der Kinder zu rechnen ist!) mit 90%. Nicht zu verschweigen ist allerdings, dass auch die Abbruchrate dieser Therapieform zu Höchstwerten neigt. Angesichts der hohen Anforderungen und einer permanent gefährdeten Nachtruhe für die Familie nicht unbedingt verwunderlich.

Autor: Dr. Hubertus Glaser