Ist Autismus heilbar?

Autismus ist nicht heilbar. Zum einen ist noch nicht eindeutig geklärt, was die Ursache ist, wie also Autismus überhaupt entsteht. Zum anderen ist die Erkrankung viel zu komplex und variantenreich, als dass ein Medikament oder eine therapeutische Methode alle Symptome beseitigen könnte. Nicht zuletzt wegen dieser Vielfältigkeit spricht man heute auch von Autismus-Spektrum-Störung.

Wirklich eine Krankheit oder nur ein "Anders sein"?

Viele Kritiker sehen Autismus übrigens auch gar nicht als Krankheit. Sie interpretieren Autismus als eine andere Art und Weise zu leben. Denn fest steht: Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr und reagieren auch anders darauf als „normale Menschen“. Für manche Betroffene ist der Autismus und die damit einhergehende andere Form der Wahrnehmung und des Denkens Teil ihrer Persönlichkeit. Da er ein Teil von ihnen ist, wünschen sie sich auch keine Heilung. Vielmehr wünschen sie sich mehr Akzeptanz durch ihre Mitmenschen.

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Trotzdem werden viele Menschen mit Autismus medizinisch behandelt. Das Ziel der Therapie ist dann, ihnen das Leben in ihrem sozialen Umfeld zu erleichtern. Vor allem die Verhaltenstherapie spielt dabei eine zentrale Rolle. Dabei werden beispielsweise sprachliche und kommunikative Fähigkeiten trainiert. Meist werden die Eltern in diese Behandlung einbezogen.

Vorsicht bei Medikamenten

Um aggressives, selbst-verletzendes und stereotypes Verhalten zu reduzieren, werden mitunter bei autistischen Kindern auch relativ starke Medikamente eingesetzt. Dazu zählen Antidepressiva, Neuroleptika und Beruhigungsmittel. Hier ist allerdings große Vorsicht angebracht. Denn die körperlichen und psychischen Nebenwirkungen dieser Medikamente sind teilweise beträchtlich und die Medikamente können damit mitunter mehr Schaden als Nutzen anrichten. Hinzu kommt, dass die Betroffenen negative Auswirkungen der Pharmaka oft nicht adäquat zum Ausdruck bringen können, man also erheblich nachteilige Effekte möglicherweise gar nicht bemerkt.

Hier ist also Augenmaß gefragt. Weder eine strikte Ablehnung jedes Medikaments noch die unkritische Anwendung ist empfehlenswert.

Autoren: Nicole Paschek & Dr. med. Jörg Zorn

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Kommentare (1)
Ist Autismus heilbar?
1 Freitag, den 25. Januar 2019 um 19:42 Uhr
Eckart Manuel Mutzeck
Ich habe die Diagnose Autismus des Asperger-Typs. Da ich nichts anderes kenne, sehe ich es auch nicht als Einschränkung. Aber Asperger ist bei mir als dauerhafte Behinderung anerkannt. Ich bekomme Rente und arbeite in einer Werkstatt für behinderte Menschen. In der sozialen Kompetenz habe ich massive Probleme. Ich habe starke Ängste vor Kindern und Jugendlichen, fühle mich ständig bedroht. Ich bin der Meinung, dass ich von Fremden kaum anerkannt und somit benachteiligt bin. Ich lebe allein. Mein Spezialinteresse ist alles um das Thema Eisenbahn (außer Modellbahnen). Hinzu kommt eine Depression, die medikamentös behandelt wird. Ich war kürzlich 6 Wochen in der Tagesklinik. Die Behandlung war erfolgreich. Danach kam ich aber wieder zurück in meine alten Strukturen mit den bekannten Problemen. Zeitweise habe ich diese als ganz schlimm empfunden. Genauso, wie einige Nebenwirkungen des Antidepressivums "Paroxetin", 20 mg. Eine grundlegende Veränderung ist von mir gar nicht gewünscht. Ich wünsche mir lediglich mehr Verständnis und Rücksichtnahme. Einzig die Depression lasse ich behandeln, und wegen der Nebenwirkungen (vor allem Ejakulationsstörungen) bleibe ich mit meiner Ärztin im Kontakt. Ich hoffe, das geht bald wieder vorüber. Ich habe mich in letzter Zeit ganz gut entwickelt, natürlich mit Rückschlägen, und viel über meine "Einschränkung" gelernt. Jetzt weiß ich zum Beispiel, warum ich große Probleme mit Lärm, Kindern und Jugendlichen, vollen Straßenbahnen und Menschenansammlungen habe. Aber ich lebe eigenständig, führe meinen Haushalt allein und bekomme nur in einigen Dingen Unterstützung. Nachdem es mir in den letzten Tagen sehr schlecht ging, wird es nun langsam wieder besser.
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