Ist die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS belegt?

Omega-3-Fettsäuren sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Gehirns. Sie sind wichtig für die einwandfreie Gehirnentwicklung und unterstützen die normale Hirn- und Sehfunktion. Seit etwa 20 Jahren vermuten Wissenschaftler und Mediziner außerdem, dass Omega-3-Fettsäuren auch bei ADHS beteiligt sind.

Niedriger Omega-3-Spiegel bei ADHS

In einer Studie, an der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren teilnahmen, stellten Wissenschaftler des Department of Foods and Nutrition an der Universität Purdue zum Beispiel fest, dass Kinder mit ADHS einen wesentlich geringeren Omega-3-Fettsäure-Spiegel aufweisen als Kinder ohne ADHS.

Darüber hinaus wurden mittlerweile einige Studien veröffentlicht, die nahelegen, dass sich eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren positiv auf die Gehirnleistungen und auch auf die Psyche bei Jugendlichen und Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) auswirken kann.

Nahrung fürs Gehirn

In einer mexikanischen Studie untersuchten Forscher der Universität in Ciudad Juarez die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren auf die geistige Leistungsfähigkeit von 55 mexikanischen Kindern, die allesamt mangelernährt waren.

Die Kinder wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt: Eine Omega-3-Gruppe, die täglich mit Omega-3-Kapseln (180 mg DHA und 270 mg EPA) versorgt wurde, und eine Sojaöl-Gruppe, die täglich 450 mg Sojaöl (das keine Omega-3-Fettsäuren enthält) erhielt.

Bereits nach drei Monaten zeigte sich, dass 70% der Omega-3-Kinder über eine deutlich bessere Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit verfügten als die Sojaöl-Kinder. Die Wissenschaftler konnten somit eindeutig feststellen, dass sich eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren positiv auf die Gehirnleistung von Kindern auswirkt.

Weniger hyperaktiv, impulsiv und unaufmerksam

In einer weiteren australischen Studie wurden die Auswirkungen einer Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren auf die Kernsymptome von ADHS (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität) an 132 Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren untersucht.

Nach drei Monaten zeigte sich, dass die erhöhte Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren eine deutliche Verbesserung der typischen ADHS-Symptome zur Folge hatte. Nachdem die Forscher die Studie um drei weitere Monate verlängert hatten, wurden die Symptome zunehmend besser.

Die Forscher schlossen daraus, dass die langfristige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren womöglich die gleiche Wirkung besitzen könnte wie herkömmliche Medikamente, die zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden.

Besser lesen und schreiben mit Omega 3

Eine weitere Studie (Oxford-Durham-Studie) fand heraus, dass Omega-3-Fettsäuren auch eine positive Wirkung auf die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten von Schulkindern mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten (entwicklungsbedingten Koordinationsstörungen, kurz DCD) besitzen.

An der Studie nahmen 117 Kindern mit DCD im Alter von 5 bis 12 Jahren teil, die täglich mit Omega-3-Kapseln oder der gleichen Anzahl Placebo-Kapseln (Olivenöl) behandelt wurden. Nach nur drei Monaten verbesserten sich die Fähigkeiten der Omega-3-Kinder im Lesen und Schreiben wesentlich gegenüber den Kindern in der Placebo-Gruppe. Nachdem die Kinder drei weitere Monate mit den Fettsäuren behandelt wurden, verbesserten sich deren Leistungen noch mehr.

Fazit: Inzwischen zeigen einige Studien, dass sich Omega-3-Fettsäuren positiv auf die typischen ADHS-Symptome auswirken und die Gehirnleistung verbessern. Allerdings konnte der genaue Zusammenhang zwischen ADHS und Omega-3-Fettsäuren noch nicht vollständig belegt werden. Um genauere Ergebnisse zu erhalten, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Autorin: Nina Schratt-Peterz

Studien:

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16962757?dopt=Abstract
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24508294
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16962757?dopt=Abstract
  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17435458?dopt=Abstract
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