Der stille Helfer: Was leisten Omega-3-Fettsäuren bei ADHS?

Für eine gesunde Konzentrationsfähigkeit brauchen wir eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung. Dabei müssen wir auf alle wichtigen Nährstoffe achten. Auch eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist wichtig. Gerade bei ADHS scheinen sie einiges ausrichten zu können.

Eine gute Ergänzung

Insgesamt sind die nicht-medikamentösen Therapien bei ADHS nicht immer so erfolgversprechend, wie man es sich wünscht. Gleichzeitig werden aber vielfach Bedenken gegenüber den Medikamenten geäußert, weil die Familien von Kindern mit ADHS nicht immer damit zufrieden sind. Hier sind also ergänzende Verfahren notwendig, die mit der Gabe von Fettsäuren möglich werden.

Omega-3-Fettsäuren eignen sich dabei sehr gut als begleitende Behandlung und können dazu führen, dass die Dosierung der Medikamente verringert werden kann. Insbesondere die Einnahme von Eicosapentaensäure (EPA) oder Docosahexaensäure (DHA) erweist sich hier als sinnvoll. Diese beiden Substanzen sind vor allem in Fischöl und Fischölprodukten enthalten und können die Funktionsfähigkeit des Gehirns erheblich fördern.

In diesem Zusammenhang ist die EPA in noch höherem Maße wertvoll als die die DHA. Dies liegt wahrscheinlich u.a. daran, dass die DHA auf der Basis von EPA im Körper hergestellt werden kann. Auch die Omega-6-Fettsäure namens Gamma-Linolensäure (GLA) ist wichtig und hilfreich bei ADHS.

Ungesättigte Fettsäuren sind gut fürs Gehirn

Die Omega-3-Fettsäuren senken zum einen die Blutfettwerte und können zum anderen auch den Stoffwechsel, an dem der Blutzucker und das Hormon Insulin beteiligt sind, normalisieren. Dies fördert die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Auch die Kognition wird mit Omega-3-Fettsäuren gesteigert, denn diese werden im Gehirn gewissermaßen als Baumaterial genutzt.

Grundsätzlich unterscheidet man die gesättigten von den ungesättigten Fettsäuren. Die ungesättigten Fettsäuren sind im Allgemeinen gesünder. Sie unterteilen sich in einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren zählen die Omega-3-Fettsäuren und die Omega-6-Fettsäuren.

Die Omega-6-Fettsäuren sind:

  • Arachidonsäure
  • Linolsäure

Die Omega-3-Fettsäuren sind:

  • Docosahexaensäure (DHA)
  • Eicosapentaensäure (EPA)
  • Alpha-Linolensäure (die eine Vorstufe von DHA und EPA darstellt)

In Studien schneidet Omega 3 gut ab

Die Vermutung, dass Omega-3-Fettsäuren bzw. mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit ADHS in Verbindung stehen, wurde bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geäußert. Aber erst in den letzten Jahren fanden entscheidende Studien zu dieser Frage statt.

Zwei wichtige Metaanalysen zeigen die Effekte von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS auf. Eine Metaanalyse ist ein rechnerisches und statistisches Verfahren, bei dem die Ergebnisse von verschiedenen Studien zusammengeführt werden, um noch verlässlichere Angaben machen zu können.

Die hier relevanten Metaanalysen wurden durchgeführt von:

  • Michael H. Bloch und Ahmad Qawasmi vom Yale Child Study Center an der Yale Universität
  • einer Forschergruppe vom Developmental Brain-Behaviour Laboratory, Department of Psychology an der Universität von Southampton

Die Fragestellung lautete jeweils: Kann man mit der Gabe von langkettigen ungesättigten Fettsäuren die Beschwerden von ADHS lindern? Ja. Nach der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten besserten sich die Symptome der Erkrankung deutlich.

Omega 3 auf dem Speiseplan

Im Alltag ist es aber gar nicht so einfach, genug von diesen wichtigen Fettsäuren aufzunehmen. Denn sie verstecken sich in nur wenigen Lebensmitteln in ausreichender Konzentration, allen voran in fettigem Fisch. Da das aber nicht jedermanns Sache ist, schaffen es manche Menschen nicht, ihren Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken.

Hinzu kommen Belastungen durch Beruf, Haushalt, Schule und Freizeit, die oft dazu führen, dass man sich nicht mehr die Zeit nimmt für selbst zubereitete, gesunde Speisen aus frischen Zutaten. Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Fischöl sind hier eine vielversprechende Alternative.

Worauf man im Alltag achten sollte

Aufgrund der Studien lassen sich für den therapeutischen Alltag bei Menschen mit ADHS folgende Grundsätze festhalten:

  • Grundsätzlich sollte man bei Kindern mit ADHS auf eine ausgewogene, gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten.
  • Die Anwendung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren sollte bei Kindern mit ADHS begleitend erfolgen. Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse legen dies nahe.
  • Die Omega-3-Fettsäuren rufen so gut wie keine Nebenwirkungen hervor.
  • Die Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl sind eine sehr gute Ergänzung der Therapie bei ADHS. Wenn sie verabreicht werden, kann dies dazu führen, dass die Stimulanzien in ihrer Dosis reduziert werden können. Ein entsprechender Versuch lohnt sich – je nach Anraten des Arztes – meist erst nach 3 Monaten mit Fischöl.
  • Da es die Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Fischöl in verschiedenen Zusammensetzungen und Konzentrationen gibt, sollte diesem Aspekt Beachtung geschenkt werden. Die Menge der enthaltenen EPA sollte höher sein als die der DHA. Darüber hinaus sollte das Nahrungsergänzungsmittel auch über GLA verfügen.
  • Die Dosierung des Fischöls sollte mindestens 1g betragen, noch besser sind 2g.

Besonders bei einer ADHS, die von schwierigen Lebensumständen begleitet wird, oder bei einer eher leichten ADHS können die Omega-3-Fettsäuren gute Dienste leisten.

Lesen Sie dazu auch:
Omega-3-Fettsäuren: Was leisten sie?

Autor: Fedor Singer

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