Welche Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod gibt es?

Die genaue Ursache des plötzlichen Kindstods kennt man bislang nicht, möglicherweise handelt es sich auch eher um einen Sammelbegriff für ganz verschiedene, heute noch nicht aufgeklärte krankhafte Prozesse. Es wird ein komplexer Vorgang vermutet, der auf dem Zusammentreffen mehrerer äußerer und innerer Gegebenheiten beruht.

Von Bauchlage bis Rauchen

Als die wichtigsten Risikofaktoren haben sich in wissenschaftlichen Untersuchungen bisher herauskristallisiert:

  • Schlafhaltung in Bauchlage bzw. nicht in Rückenlage
  • Rauchen (der Eltern bzw. eines Elternteils)
  • Gebrauch weicher Bettmaterialien (wie Decken, Kissen oder weiche Bettunterlage), die die Erstickungsgefahr erhöhen
  • Überwärmung
  • Schlafen im Elternbett
  • Geburt vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche
  • Atemwegsinfekt

Weitere Ursachenvermutungen betreffen die Unreife des Atemantriebs und eine schwerere Erweckbarkeit, die dann zu einem Atemstillstand führt. Auch Entero-Viren, die Herzmuskelentzündungen oder Herzrhythmusstörungen hervorrufen können, werden als potenzielle Beteiligte verdächtigt. Auch ein defekter Serotoninstoffwechsel wird bei manchen Kindern in ungünstigen Schlafsituationen für das Ausbleiben lebensrettender Körperreaktionen verantwortlich gemacht.

Neben äußeren, vermeidbaren Umständen kann also auch eine gewisse Veranlagung zu den tragischen Todesfällen beitragen. Gegen Letztere kann man nichts machen, gegen Erstere schon.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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