Wie wird ein Korsett angepasst?

Bei Ihrem Kind soll die Skoliose mit einem Korsett korrigiert bzw. aufgehalten werden. Doch wie entsteht aus einer Packung Gipsbinden ein passendes Korsett?

Wenn die Verordnung des Orthopäden und die Kostenübernahmeerklärung der Krankenkasse vorliegen, können Sie beim spezialisierten Orthopädietechniker einen Termin zum Gipsen vereinbaren. Der Gipsabdruck des Rumpfes dient als Rohling, nach dem das Korsett individuell gefertigt wird. Baukastensysteme, wie sie in den USA gerne verwendet werden, haben sich in Deutschland nicht durchgesetzt.

Zum Gipsen muss sich das Kind bis auf die Unterhose ausziehen (keine Sorge, eine Umkleidekabine steht immer zur Verfügung!). Für obenherum bekommt es ein nahtfreies Hemdchen. So bleibt die Intimsphäre stets gewahrt und es können unter dem Gips keine Druckstellen entstehen.

Der Gipsabdruck wird immer in möglichst korrigierter Körperhaltung angefertigt. Diese entspricht nicht der „Alltagshaltung“ des Kindes und ist daher nicht ohne weiteres einzunehmen und zu halten. Daher wird auf einer Art Podest gegipst, das verschiedene Möglichkeiten zum festhalten und abstützen bietet.

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Wenn die beste Position gefunden ist, wird dem Kind eine Art dünner Schlauch in loser Schlinge um den Hals gelegt, deren Enden Richtung Füße zeigen. Das erleichtert es hinterher, den Gips zu öffnen. Dann werden die in warmem Wasser getränkten Gipsbinden Schicht für Schicht um den Rumpf modelliert – vom Becken in Richtung Hals. Solange der Gips noch weich ist, kann der Orthopädietechniker kleinere Änderungen an der Haltung vornehmen. Dann dauert es etwa 15-20 Minuten, bis der Gips so trocken geworden ist, dass er wieder abgenommen werden kann ohne sich zu verformen. In dieser Zeit kann es dem Kind ziemlich warm werden, denn durch chemische Prozesse entsteht beim Abbinden von Gips Wärme.

Um den Gips zu entfernen, wird er von außen mit speziellem Werkzeug vorsichtig angeschnitten. Die innersten Schichten werden über die oben erwähnte Schlinge von unten nach oben eröffnet. Das Kind muss so keine Angst haben, geschnitten zu werden. Danach darf geduscht werden. Da auch bei sauberem Arbeiten die Unterhose durchnässt sein kann, sollten Sie zum Gipstermin Wechselwäsche mitnehmen.

Der Gipsabdruck wird mit Kunststoff ausgegossen. Nach diesem Modell des Körpers wird dann das Korsett gefertigt. Um eine korrigierende Wirkung zu erzielen, werden feste Polster in unterschiedlichen Stärken, die sogenannten Pelotten, eingeklebt. Diese üben den nötigen Druck auf die Wirbelsäule aus, um sie aufzurichten und zu entdrehen.

Einige Wochen nach dem Gipsen erfolgt die Anprobe. Dem Kind wird das Korsett zum ersten Mal angezogen. Alleine funktioniert das am Anfang noch nicht. Dass es drückt und zwickt, ist am Anfang ganz normal. Bestehen aber bereits bei der Anprobe Schmerzen oder ein Kribbeln / Taubheitsgefühl an Armen oder Händen, muss das Kind dieses äußern. Dann können direkt vor Ort entsprechende Änderungen vorgenommen werden.

Innerhalb der ersten drei Monate sollte eine Röntgenkontrolle im Korsett stattfinden. Damit lässt sich die Aufrichtung der Wirbelsäule überprüfen. Ein Korsett mit guter Korrektur reduziert die Krümmungen um wenigstens 50%. Bei leichteren Skoliosen ist sogar eine Überkorrektur (dezente Krümmung in die Gegenrichtung) möglich.

Autorin: Tanja Lodermeier, Bachelor of Science - Health Care Studies

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