Skoliose-Op: Welche Komplikationen können auftreten?

Sie möchten sich über das Für und Wider einer operativen Korrektur von Skoliosen informieren. Möglicherweise hat der Orthopäde bei Ihrem Kind auch bereits eine OP empfohlen.

Um eine derartige Entscheidung zum Wohle Ihres Kindes treffen zu können, bedarf es einer gründlichen Aufklärung über Chancen und Risiken eines solchen Eingriffs.

Das ärztliche Aufklärungsgespräch kann und will dieser Text nicht ersetzen, da dabei stets die individuelle Situation des Patienten berücksichtigt werden muss. Sie als Eltern sollen aber erste Informationen an die Hand bekommen, um - mit etwas zeitlichem Abstand – gefasst und im Idealfall bereits mit konkreten Fragen in ein solches Gespräch gehen zu können.

Kein kleiner Eingriff

Unsere 10 wichtigsten Tipps für eine gesunde Kindheit

weiterlesen...

Bei allen Möglichkeiten der heutigen Medizin muss man immer bedenken, dass die (langstreckige) Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese) immer noch als großer Eingriff gilt. Eine OP-Zeit von mehreren Stunden und die große Wundfläche können zu Untertemperatur führen, was eine Fortführung der Narkose über die eigentliche OP hinaus nötig machen kann. Die Patienten müssen dann aktiv mit Wärmematten / -Decken gewärmt werden, bis die normale Körpertemperatur wieder erreicht ist. Erst dann kann die Narkose beendet werden.

Wie bei jedem anderen operativen Eingriff können Wundinfektionen / Wundheilungsstörungen entstehen. Auch ein hoher Blutverlust ist möglich. Viele Kliniken bieten deshalb zur Vermeidung von Fremdblutgaben die Möglichkeit der Eigenblutspende an. Dem Patienten wird dafür im Zeitraum von einigen Wochen vor dem OP-Termin an mehreren Terminen Blut entnommen, das während der Operation bei Bedarf zurückgegeben werden kann. So umgeht man die Risiken, die bei einer Fremdblut-Transfusion bestehen.

Gefahr der Nervenschäden

Bei einer Spondylodese arbeitet der Chirurg nah am Rückenmark. Das Rückenmark können Sie sich als Nervenstrang vorstellen, von dem viele kleinere Nervenäste abzweigen. Je nach Wirbelsäulenabschnitt werden verschiedene Körperteile, wie zum Beispiel die Arme und Beine, mit Steuerungsimpulsen versorgt. Auch die Sensibilität, also das Berührungsempfinden bzw. der Tastsinn, werden durch die Nervenäste mitgesteuert. Werden diese oder das Rückenmark während der Operation in Mitleidenschaft gezogen, kann es zu Störungen der Bewegungs- und Empfindungsfähigkeit kommen. Ursachen dafür sind Schäden durch Zug oder aber Druckschäden durch Schwellung, Bluterguss oder die verwendeten Implantate. Durch eine gründliche OP-Planung lassen sich viele Schäden verhindern. Ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen.

Auch Bauchschnitt kann notwendig sein

Viele Skoliose-Operationen lassen sich rein von hinten, also mit einem einzigen Schnitt am Rücken, durchführen. Manchmal ist aber auch zusätzlich ein Schnitt im Bauchbereich nötig, um eine bessere Sicht auf Teile der Wirbelsäule zu haben. Die Patienten werden dazu während der Operation zurück auf den Rücken gedreht. Sollte ein solches Vorgehen bei Ihrem Kind geplant sein, wird man Sie darüber informieren.

Erfolgt zusätzlich eine Korrektur des Rippenbuckels, kann eine Thoraxdrainage nötig werden. Das ist ein dickerer Schlauch zum Absaugen von Wundsekret und / oder Luft. Er wird zwischen den Rippen eingelegt und ist mit einer Sogquelle verbunden. Entlang jeder Rippe verlaufen empfindliche Nerven. Aufgrund ihrer Größe und Lage kann eine Thoraxdrainage daher schmerzhaft sein.

Keine falsche Zurückhaltung mit Schmerzmitteln

Scheuen Sie und Ihr Kind sich bitte nicht, bei Auftreten von Schmerzen um zusätzliche Medikamente zu bitten. Weitgehende Schmerzfreiheit in Ruhe bzw. Schmerztherapie vor der Mobilisation sind wichtig, um weitere Komplikationen zu vermeiden: Wenn man Schmerzen hat, sind ausreichend tiefes Atmen, Aufstehen, Essen / Trinken oft nicht in normalem Maße möglich. All diese Dinge sind aber wichtig, um die Belüftung der Lunge, einen normalen Blutfluss in den Gefäßen und die Verdauung aufrecht zu erhalten. Zum Teil wird während der Operation ein Katheter in die Nähe des Rückenmarks gelegt, über den auch nach dem Eingriff lokal wirksame Betäubungsmittel verabreicht werden können. Damit kann der Bedarf an Schmerzmitteln reduziert werden und die oben genannten Probleme lassen sich oft ganz verhindern. Ob ein solcher Schmerzkatheter bei Ihrem Kind in Frage kommt, kann Ihnen der aufklärende Arzt erläutern.

Autor: Tanja Lodermeier, B.Sc. Health Care Studies

Anzeigen