Wie wird eine Hüftdysplasie beim Säugling behandelt?

Ziel der Behandlung einer Hüftdysplasie ist die Nachreifung der zu flachen, zu kleinen oder zu steilen Hüftgelenkpfanne. Das Prinzip besteht in der Beugung und Spreizung der Oberschenkel, wodurch der Hüftkopf entlastet wird. Er wird dadurch mittig in die Pfanne gedrückt und deren angemessene Ausformung wird gefördert.

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Als sehr hüftkopfschonend hat sich eine Hüftbeugung um ca. 120° und Beinspreizung um etwa 50° erwiesen. Die Behandlungsdauer hängt vom Alter des Kindes und der Hüftgelenkssituation ab. Bei über 90% der Kinder mit einfacher Hüftdysplasie führt das 3- bis 6-monatige Tragen einer Spreizhose dazu, dass sich die Hüfte noch normal entwickelt.

In schwereren Fällen wird ein Gipsverband erforderlich, sehr selten ein operativer Eingriff. Außerdem ist die zusätzliche Anwendung spezieller Hüftschienen oftmals notwendig. Je rascher die Reifungsstörung erkannt und mit einer Behandlung begonnen wird, desto kürzer ist in der Regel die Behandlungsdauer und desto höher die Chance, operative Maßnahmen vermeiden zu können.

Die Behandlungsmaßnahmen im Überblick:

  • Breitwickeln:
    bei gering ausgeprägter Hüftdysplasie, oder bei schon kurz nach der Geburt erkannter Hüftdysplasie. Handtuch etwa 15 cm breit falten und zwischen Körper und Strampelanzug über der Windel einlegen, alternativ zusätzliche Windel über die eigentliche Windel ziehen. Manche Ärzte und Hebammen raten allerdings vom Breitwickeln ab.

  • Spreizhose:
    die klassische Behandlungsmaßnahme. Sie besteht aus einem Schultergurt, einem Leibgurt, der geknöpft ist, und zwei gepolsterten Beingurten. Wird über der Kleidung getragen und nur zum Wickeln und Baden abgenommen. Mit einer Spreizhose werden die Beine besser fixiert als beim Breitwickeln.

  • Pavlik-Bandage:
    Durch Zügel werden die Kräfte der Beine so umgeleitet, dass die Strampelbewegungen des Babys den Hüftkopf in Richtung Pfanne drücken. Die Pavlik-Zügel bestehen aus einem Brustgurt und zwei Unterschenkelgurten. Sie müssen vom Kinderorthopäden ausgemessen und regelmäßig kontrolliert werden

  • Der Hüftgips:
    strengste Form der Ruhigstellung, bei schweren Fällen. Reicht meist vom unteren Rippenbogen bis zum Unterschenkel der Säuglinge und besitzt eine Aussparung im Bereich der Windel.

  • Operation:
    in seltenen Fällen bei sehr schlechten und instabilen Hüften erforderlich.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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