Was ist eine Hüftdysplasie?

Die Hüftdysplasie zählt zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Etwa 1-4% aller Neugeborenen sind davon betroffen. Dank flächendeckender Früherkennungsmaßnahmen (Hüft-Ultraschall im Rahmen der U3) nimmt die Häufigkeit aber ab.

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Es handelt sich um eine Reifungsstörung der Hüfte, deren Entwicklung bei Geburt noch nicht abgeschlossen ist. Der obere Teil des Hüftgelenks, die sogenannte Hüftgelenkspfanne, steht zu steil bzw. ist zu klein oder zu flach angelegt. Dadurch wird das Ende des Oberschenkelknochens, der Hüftkopf, nur ungenügend vom Pfannendach abgedeckt und hat zu wenig Halt.

Rutscht der Hüftkopf aus seinem natürlichen Lager heraus, spricht man von einer Hüftgelenkverrenkung (Hüftluxation). Die Übergänge zwischen Dysplasie und Luxation sind fließend. Zu 75% soll die linke Hüfte betroffen sein.

Bei rechtzeitiger Behandlung sehr gute Prognose

Unbehandelt drohen bleibende Folgeschäden, die Ihrem Kind im späteren Leben erheblich zu schaffen machen können: Die dauerhafte Fehlstellung kann heftige Schmerzen, einen frühzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) und in der Folge die Notwendigkeit zu aufwändigen Operationen bis hin zum künstlichen Hüftgelenk verursachen.

Je später diese Entwicklung entdeckt wird, desto schwieriger ist eine erfolgreiche Behandlung. Und umgekehrt: Möglichst frühzeitig zu Lebensbeginn erkannt, sind die meisten Hüftdysplasien mehr oder weniger leicht korrigierbar. Das beste Mittel zur Früherkennung ist dabei die Ultraschalluntersuchung, deren Aussagekraft allerdings ab dem 6. Lebensmonat abnimmt.

Zu den Risikofaktoren der Hüftdysplasie zählen:

  • Geschlecht:
    bei Mädchen 4-7mal häufiger als bei Jungen (vor allem die Hüftluxation), vermutlich hormonell bedingt
  • Schwangerschaft und Geburt:
    Erstschwangerschaft, Fruchtwassermangel, Beckenendlage, Mehrlingsgeburt, Frühgeburt, Kaiserschnitt, Lagerung des Kindes nach der Geburt (!)
  • Vorliegen anderer Fehlbildungen der unteren Extremitäten oder der Wirbelsäule
  • familiäre Veranlagung: Fälle von Hüftdysplasie in der näheren Verwandtschaft bekannt (altersbedingte Verschleißerscheinungen am Hüftgelenk spielen keine Rolle)

Mitunter schon äußerlich erkennbar

Worauf Sie beim Wickeln Ihres Neugeborenen achten sollten: Lassen sich die Beinchen gut und gleichmäßig spreizen? Erscheinen beide Beinchen gleich lang und verlaufen die typischen Falten (vorne und vor allem am Po hinten) links und rechts symmetrisch auf gleicher Höhe? Letzteres trifft allerdings auch bei einer beidseitigen Hüftdysplasie (15% der Fälle) zu, außerdem sind die meisten Reifungsstörungen mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Falls Sie aber entsprechende Anzeichen einer (ausgeprägteren) Hüftdysplasie feststellen, sollten Sie Ihren Kinderarzt darauf hinweisen.

Spätestens mit dem sogenannten Hüft-Screening per Ultraschall im Rahmen der U3 fällt ein abweichender Befund auf und wird ärztlich dokumentiert. Häufig erfolgt eine solche Ultraschallkontrolle (Hüft-Sono) bereits in den ersten Lebenstagen im Krankenhaus. Da die Sonografie für Ihr Kind vollkommen unschädlich ist, sind möglichst frühzeitige und im weiteren Verlauf wiederholte Kontrollen nur zu begrüßen.

Allerdings kann leider keine noch so gute Diagnostik eine 100%ige Sicherheit bieten. Behalten Sie deshalb die gesunde Hüft- und Skelettentwicklung Ihres Kindes auch weiterhin im Auge. Bei Leistenschmerzen im späteren Alter sollte man (vor allem als Arzt) nicht nur an die klassische Blinddarmentzündung denken, sondern auch an eine Hüftdysplasie.

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