Wie kann der Arzt eine Rötelninfektion nachweisen – und wann tut er das?

Im Normalfall – d.h. bei einem Kind mit Verdacht auf Röteln – stellt der Kinderarzt die „Diagnose“ anhand einer ausführlichen Befragung und des äußeren Erscheinungsbilds. Dazu zählen typischerweise der punktförmige Hautausschlag und die geschwollenen Lymphknoten im Nacken.

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Ohne Laborwerte kein Nachweis möglich

Ein sicherer Nachweis der Röteln ist allerdings nur mit Hilfe von Laboruntersuchungen möglich. Gelegentlich kann dies zum Erfordernis werden. Etwa, um die Befunde von anderen Krankheiten mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen und die Verdachtsdiagnose zu sichern (in den neuen Bundesländern besteht dann Meldepflicht).

Außerdem verläuft eine Röteln-Erkrankung häufig symptomlos, so dass die Labordiagnostik der einzige Weg ist, die Erkrankung nachzuweisen. Das kann vor allem bei der Frage, ob eine nicht immungeschützte Schwangere und ihr gefährdetes Kind von der Infektion betroffen sind, von besonderem Interesse sein.

Folgende Testverfahren (und -ergebnisse) dienen zum Nachweis einer Rötelninfektion:

Bei der Schwangeren:

  • Differenzialblutbild: verminderte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie) mit weniger starker Abnahme der Lymphozyten (relative Lymphozytose), Vermehrung der Plasmazellen, zum Teil relative Vermehrung der eosinophilen Granulozyten (Eosinophilie)
  • Antikörpernachweis im Hämagglutinationshemmtest (> 1:256), Nachweis einer frischen Infektion durch Anstieg der Antikörpermenge (Titer) um mindestens das Vierfache in zwei aufeinanderfolgenden Blutproben im Abstand von 14 Tagen
  • Antikörpernachweis im sogenannten Immuno-Assay: Nachweis spezifischer IgM-Antikörper (ELISA-Verfahren: >1:40, ab 3-7 Tage nach Infektion nachweisbar)
  • eventuell direkter Virusnachweis (Virus-RNA im Blut oder Atemwegssekret)


Beim un- bzw. neugeborenen Kind:

  • direkter Nachweis der Virus-RNA aus Fruchtwassser oder Mutterkuchen (per Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie) zur Pränataldiagnostik beim Ungeborenen
  • Antikörper-Nachweis im Blut des Fetus (ab der 22. Schwangerschaftswoche)
  • Nachweis von IgM-Antikörpern im Rahmen der STORCH-Serologie
  • direkter Nachweis der Virus-RNA aus Nasensekret oder Blut des Neugeborenen (bei Verdacht auf vererbte Röteln)


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