Gibt es noch EHEC in Deutschland?

Ja, ein paar von den EHEC-Bakterien treiben sich mit Sicherheit noch in Deutschland herum, auch wenn die bis dato größte EHEC-Epidemie in der Bundesrepublik am 26. Juli 2011 vom Robert-Koch-Institut offiziell für beendet erklärt wurde. Binnen zweier Monate waren mehr als 4.320 Erkrankungsfälle registriert und 50 Todesopfer beklagt worden.

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Aufgrund gesteigerter Aufmerksamkeit und vermehrter Diagnostik ist auch weiterhin mit einer gegenüber früher erhöhten Meldezahl an EHEC-Fällen zu rechnen. Als Erkenntniszuwachs wird zudem hängenbleiben, dass die gefährlichen Keime durch genetischen Austausch noch gefährlicher und unberechenbarer werden können. Und dass die Übertragung nicht nur über Gülle von Wiederkäuern, sondern auch direkt von Mensch zu Mensch und über kontaminierte Lebensmittel erfolgen kann.

Die 2011-Epidemie war kein Neuling

EHEC-Ausbrüche werden schon seit den 1980er Jahren weltweit beobachtet bzw. als solche erkannt. Neu an der im Mai 2011 in Deutschland ausgebrochenen Infektionswelle war die vergleichsweise große Zahl der Betroffenen mit schweren Krankheitsverläufen. Bei dem besonders aggressiven Keim, der auch zu ungewohnten neurologischen Komplikationen führte, soll es sich um eine bisher nicht bekannte Kreuzung von EHEC-Erregern bzw. Koli-Stämmen handeln.

Zur Einordnung des Geschehens:

Zwar sind im Falle einer Epidemie die Warnungen und insbesondere sachliche Informationen über EHEC vollkommen berechtigt und wichtig. Dennoch muss betont werden, dass sich – glücklicherweise – die allermeisten Menschen in Deutschland nicht mit den gefährlichen Keimen infizieren werden. Andere „Epidemien“, wie Rauchen oder Übergewicht etwa, führen dagegen aus epidemiologischer Sicht in weit größerem Ausmaß zu Folgekomplikationen, Leid und frühzeitigem Ableben. Insofern wies der Nierenspezialist Jan Kielstein von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unlängst zurecht darauf hin, dass er sich „lieber eine Kampagne gegen ‚Killer-Zigaretten’ als gegen ‚Killer-Keime’“ wünsche.

Autor: , August 2011

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