EHEC: Was bedeutet die Stammbezeichnung O104:H4 – und wen interessiert das?

Wenn Sie sich in diesen Tagen (Mai/Juni 2011) etwas genauer über das gegenwärtig in Deutschland grassierende EHEC-Phänomen informieren, werden Sie unweigerlich auf die Bezeichnung „O104:H14“ stoßen, den Serotyp des verantwortlich gemachten Infektionsauslösers.

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Das „O“ steht dabei für die individuellen Zucker-Fett-Moleküle (Lipopolysaccharide), die sich auf der Oberfläche des jeweiligen Bakteriums befinden, während das „H“ die zur Fortbewegung genutzten Härchen (Flagellen) kennzeichnet. Auf diese Weise können Hunderte verschiedener Eschericha-coli-Stämme serologisch voneinander unterschieden werden, von denen die meisten harmlos für den Menschen sind.

Epidemie durch neuen Mutanten

Dass diese Form der Charakterisierung zur Nachverfolgung allerdings nicht ausreicht, machen erste Erbgutanalysen des aktuell auftretenden, besonders aggressiven EHEC-Erregers deutlich. Es handelt sich bei diesem offenbar nicht bloß um eine Mutation des bekannten Serotyps, sondern um einen neuen Stamm, der vermutlich durch eine Art Kreuzung zweier anderer Escherichia-coli-Stämme entstanden ist.

Die feinen serologischen und molekulargenetischen Unterschiede machen sich im konkreten Alltag für Verbraucher und Erzeuger sehr praktisch und mitunter folgenschwer bemerkbar. Etwa wenn aufgrund von Untersuchungen (möglicherweise unberechtigte) Verdächtigungen über Infektionsquellen ausgesprochen werden. Worauf der aktuelle EHEC-Ausbruch tatsächlich beruht, ist zumindest Anfang Juni 2011 noch ziemlich unklar.

Autor: , Mai 2011

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