Lässt sich die Vorhaut beim Säugling normalerweise verschieben?

Es ist zwar nicht unnormal, wenn sich die Vorhaut bereits im Säuglingsalter verschieben lässt. Bei über 90% der Jungen ist das allerdings nicht der Fall.

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Das liegt daran, dass die Schleimhäute von Vorhaut und Penis entwicklungsbedingt zu diesem Zeitpunkt meistens noch miteinander verschmolzen sind und sich bei der großen Mehrzahl der Knaben erst im Rahmen von Reifungsvorgängen im Alter von 3-5 Jahren voneinander lösen. Diese Vorhautverklebung wird als natürliche Schutzfunktion interpretiert, die gerade im Windelalter die Eichel vor einer Entzündung, beispielsweise durch Infektionen oder aggressiven Urin, bewahrt.

Bis wann muss sich die Vorhaut von der Eichel gelöst haben und verschieblich werden?

Operationsfreudige Chirurgen gehen vielfach (noch) vom beginnenden Schulalter oder sogar dem 3. Lebensjahr als zeitlichem Orientierungspunkt aus. Auf körperliche Integrität bedachte Kinderärzte betrachten dagegen eine vollständige Loslösung der Vorhaut von der Eichel bis zum Pubertätsalter, das etwa mit dem 10. Lebensjahr beginnt, als ausreichend. Die Vorhaut lässt sich dann problemlos über die gesamte Eichel bis zum Ansatz des Penisschaftes zurückziehen.

Die volle Dehnbarkeit und Verschieblichkeit der Vorhaut ist in der Pubertätsphase erforderlich, wenn das Glied durch den zunehmenden Hormoneinfluss wächst und sich bei der Versteifung auf ein Vielfaches vergrößert. Sonst kann es zu äußerst schmerzhaften und gefährlichen Einklemmungen des Gliedes kommen. Außerdem ist dadurch die notwendige tägliche Reinigung der Eichel gewährleistet.

Fazit: Im Kleinkindesalter haben Vorhautverklebungen für sich genommen keinerlei Krankheitswert.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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