Ist eine Vorhautverengung normal oder nicht?

Beides trifft zu und kann damit bei informationswilligen Eltern zunächst für Verwirrung sorgen. Zum einen lässt sich bei fast allen (über 90%) der neugeborenen Jungen die Vorhaut nicht über die Eichel zurückschieben, da beide entwicklungsbedingt noch miteinander verklebt sind. Sprachlich korrekt wird dieses Phänomen als Vorhautverklebung statt Vorhautverengung (Phimose) bezeichnet.

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Aber auch ein echtes Größenmissverhältnis zwischen Eichel und Vorhaut kann in den ersten Lebensjahren noch normal sein und sich mit zunehmdem Alter durch Weitung der Vorhaut von selbst erledigen. Eine Krankheitsbedeutung haben also in diesem Alter nur diejenigen Phimose-Formen, bei denen es zu Behinderungen des Wasserlassens, Schmerzen, wiederholten Entzündungen oder anderen Problemen kommt.

Es kommt auch drauf an, in welchem Land man lebt

Während diese naturgegebenen Fakten hierzulande nur Wenige zu interessieren scheinen, wird dem natürlichen Zustand in den skandinavischen Ländern konsequent Rechnung getragen: Dort ist die Zahl der Operationen wegen Vorhautverengung, die zumeist erst im Alter von 7-11 Jahren durchgeführt werden, um zwei Drittel niedriger. Ganz anders, nämlich unter dem Fokus der Präventivmedizin, wird die Angelegenheit in den USA betrachtet, wo die vorbeugende Beschneidung – unabhängig von einer bestehenden Verengung – bei Neugeborenen propagiert wird und 80-90% der männlichen Bevölkerung beschnitten sind.

Beim älteren Kind bzw. nach der Pubertät verbleibende Vorhautverengungen sind aber in jedem Fall nicht mehr „normal“ und müssen grundsätzlich behandelt werden.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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