Was spricht für eine vorsorgliche medizinische Beschneidung?

Beschneiden oder nicht? Diese Frage gehört zu den (nicht gerade wenigen) umstrittenen Themen, zu denen sich befürwortende und ablehnende ärztliche Experten argumentative Schlagabtausche und heftige Diskussionen liefern. Und wir reden hier nur über medizinische Gründe, die religiös geprägten kommen ja noch hinzu.

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Vorteile aus Sicht der Befürworter

Die Befürworter der vorsorglichen Beschneidung (Zirkumzision) führen jedenfalls vor allem folgende Vorteile ins Feld:

  • alltägliche Reinigung gegenüber nicht beschnittenen Männern bzw. Kindern/Jugendlichen deutlich erleichtert
  • erleichterter Trocknungsvorgang der Eichelhaut nach Reinigung: Vermeidung eines feuchten Milieus als Brutstätte für Krankheitserreger; deshalb kaum noch Auftreten von Vorhautentzündungen und geringere Wahrscheinlichkeit für Genital-Infektionen bei Paaren
  • Reduktion des Peniskarzinom-Risikos um das 20-fache
  • Reduktion des Harnwegsinfekt-Risikos um das 10-fache
  • Reduktion des Prostatakarzinom-Risikos um das 2-fache
  • deutlich niedrigeres Erkrankungsrisiko für sexuell übertragbare Erkrankungen (HIV, HPV, Chlamydien u.a.)

Zwischen Wissenschaft und Glauben

Viele dieser auf Studiendaten beruhenden Aussagen werden in der medizinischen Fachwelt allerdings – wen wundert’s – kontrovers diskutiert. Beim Peniskarzinom ist die Risikoreduktion als solche zwar unbestritten, die Grundwahrscheinlichkeit der Krebserkrankung aber, unabhängig von der Beschneidung, extrem gering.

Eine vor allem von amerikanischen Ärzten verfasste Ratgeber-Broschüre für Eltern verweist übrigens auf „zuverlässige Forschung“, die ergeben habe, dass die meisten Frauen Männer mit beschnittenem Penis bevorzugen. Sowohl aus ästhetischen als auch aus hygienischen Gründen. Ersteres ist für einen männlichen Autor schwierig zu beurteilen, aber was die Hygiene betrifft, kann man unseres Wissens seinen Penis auch waschen. Man muss ihn also nicht zwingend beschneiden, damit er sauber bleibt.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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