Was ist eine Zirkumzision?

Mit Zirkumzision meinen Ärzte eine Beschneidung des Penis. Entweder aus religiösen Gründen oder aus medizinischen (Hygiene, Vorhautverengung). Obwohl das Wort Beschneidung ja nun eigentlich eindeutig und vor allem jedem verständlich ist, es also kein Fremdwort braucht, liest man in jedem zweiten Arztbrief dazu stattdessen Zirkumzision.

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Starke regionale Unterschiede bei der Beschneidung:

Die Beschneidung gilt als weltweit am häufigsten durchgeführter Eingriff. Man geht davon aus, dass weltweit über ein Viertel aller Männer (25-33%) beschnitten ist.

  • bei Muslimen: 10 Mio. Beschneidungen pro Jahr (arabische Welt: über 80% der Männer beschnitten)
  • Afrika: ca. 9 Mio Beschneidungen pro Jahr (englischsprachige Länder: über 80% der Männer beschnitten)
  • Israel (Juden): ca. 100.000 Beschneidungen pro Jahr
  • USA: 80-90% der Männer beschnitten (88% der Weißen, 73% der Schwarzen, 42% des hispanischen Bevölkerungsanteils; Neubeschneidungsraten derzeit nur noch bei 50-60% im landesweiten Durchschnitt)
  • Kanada und Australien: 40-70%, abnehmende Tendenz
  • Asien: mit Ausnahme islamisch geprägter Länder höchster Anteil in Südkorea (knapp 80% der jungen Männer)
  • Europa: weniger als 15% der Männer beschnitten

Während die männliche Beschneidung in einigen Religionen wie dem Judentum und dem Islam eine lange Tradition aufweist, wird sie vor allem in den USA aus medizinischen Gründen zur Vorbeugung durchgeführt. Auch von der WHO wird die Zirkumzision als Schutzmaßnahme vor allem gegen die HIV-Infektion empfohlen, was von einer Gegenkampagne inzwischen aber heftig kritisiert wurde.

Beschneidung bei Neugeborenen: Befürworter und Gegner

In Europa überwiegt die Zurückhaltung unter Bürgern und Ärzten, wenngleich es auch bei uns Befürworter der vorsorglichen (Neugeborenen-) Beschneidung gibt. Deren medizinische Argumente bezüglich eines geringeren Infektionsrisikos (auch für die Sexualpartnerinnen beschnittener Männer) entfachen einen wachsenden, ebenfalls auf Gesundheitsargumenten basierenden Widerstand von Ärzten und Betroffenen. In Deutschland wird die Beschneidung Minderjähriger auch aus rechtlicher Perspektive problematisiert. Die mögliche Kriminalisierung des Eingriffs als Körperverletzung hat zur Verunsicherung in der Ärzteschaft beigetragen.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser

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