Kann sich ein Hodenhochstand auch erst im Kindesalter entwickeln?

Ja, das ist möglich. Manche Jungen entwickeln nach den ersten Lebensjahren einen sogenannten sekundären Hodenhochstand, bei dem ein bereits abgestiegener Hoden wieder aufsteigt. Das kann beispielsweise als Komplikation nach einer Operation im Leistenkanal vorkommen (wegen Leistenbruch oder ähnlichem).

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Desweiteren kann sich ein zunächst als nicht therapiebedürftiger Pendelhoden klassifizierter Befund doch als Gleithoden erweisen, der dringend zu behandeln ist. Ärzte nennen diesen "späten Hodenhochstand" im typischen Mediziner-Kauderwelsch "sekundärer Kryptorchismus".

Wie häufig kommt es beim Säugling zu einem sekundären Hodenhochstand nach Leistenhernien-OP?

Der sogenannte echte sekundäre Hodenhochstand ist eine bekannte Komplikation der Leistenbruch-Operation im Säuglingsalter. Dabei kommt es zu einer mechanischen Fixierung des Hodens in der Operationsnarbe. Die Häufigkeit dieses Schadens beträgt 0,5-2%. Eine rechtzeitige Korrektur ist erforderlich, da sonst bis zur Pubertät eine ähnlich starke Abnahme der Geschlechtszellen droht wie beim echten Hodenhochstand. Allerdings ist mit diesem Sekundärschaden erst nach einer längeren Zeitspanne zu rechnen und es wird empfohlen, mit den entsprechenden operativen Maßnahmen (Funikulo-Orchidolyse und Orchidopexie) mindestens drei, besser sogar sechs Monate abzuwarten.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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