Wie kommt es zu einem Hodenhochstand?

Noch vor der Geburt wandert der in der Bauchhöhle angelegte Hoden normalerweise hinunter in den Hodensack. Da schon bei diesem normalen Hodenabstieg weitgehend ungeklärt ist, wie es überhaupt dazu kommt, gilt dies erst recht für die genauen Ursachen des gestörten Ablaufs. Wie meistens in solchen Fällen sprechen die Ärzte dann gern von einer multifaktoriellen Entstehung. Auf deutsch: Es kommen ganz viele Ursachen in Frage, die möglicherweise auch zusammenspielen.

Unsere 10 wichtigsten Tipps für eine gesunde Kindheit

weiterlesen...

Konkret bedeutet dies, dass neben anatomischen vor allem hormonelle, genetische und Umweltfaktoren beteiligt sein können:

  • Etwa zwei Drittel der zum Geburtszeitpunkt hochstehenden Hoden kommen bis zum Ende des 1. Lebensjahres doch noch an ihrem anatomisch vorgesehenen Bestimmungsort an (insbesondere Leistenhoden oft schon nach 3 Monaten) und weisen damit auf ein Unreifephänomen hin.
  • In erster Linie kommen hormonelle Störungen mütterlicher- und/oder kindlicherseits in Betracht, der Hodenhochstand ist also zu einem wesentlichen Teil als hormonelle Erkrankung aufzufassen.
  • Nur selten finden sich Fehlbildungen entlang des Wanderwegs des Hodens als Ursache eines krankhaften Hodenhochstands.
  • Ebenfalls selten sind die Keimdrüsen nicht richtig angelegt (z.B. beim Klinefelter-Syndrom) oder es liegen andere angeborene bzw. genetische Störungen vor. In diesen Fällen ist der Hodenhochstand meist nur Teil eines umfassenderen Krankheitsbildes, das mit Veränderungen auch an anderen Organen einhergeht.
  • Neben Umweltgiften spielen schließlich auch mütterliche Faktoren wie z.B. Diabetes mellitus oder Rauchen eine Rolle als Risikofaktoren.
  • Ein Leistenbruch bzw. dessen operative Versorgung können sowohl Folge als auch Ursache eines Hodenhochstands sein (sekundärer Kryptorchismus).

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Anzeigen