Welche Operationsverfahren bei Hodenhochstand gibt es?

Für die chirurgische Lagekorrektur bei Hodenhochstand wurden verschiedene Operationstechniken entwickelt. Ihr erfolgreicher Einsatz hängt zum einen von der Erfahrung und Fertigkeit des Chirurgen ab, zum anderen vor allem von der Position des Hodens und der damit verbundenen Frage, wie eine ausreichende Gefäßlänge bzw. Gefäßversorgung dargestellt werden kann.

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Entscheidend: Wo sitzt der Hoden?

Wenn sich der Hoden im Leistenbereich oder bereits am Übergang in den Hodensack befindet und der Gefäßstiel eine ausreichende Länge aufweist, reicht in 95% der Fälle das Standardverfahren mit Loslösung (Orchidolyse) und Anheftung (Orchidopexie) in einer Unterhautfalte des Hodensacks aus.

Aufwändiger gestaltet sich das Vorgehen beim Bauchhoden. Ist der Hoden nicht tastbar, spielt es nach derzeitiger Einschätzung in der Fachliteratur für das Ergebnis keine Rolle, ob die Suche und anschließende operative Versorgung über einen „klassischen“ offenen Zugang von der Leiste aus erfolgt oder per „Schlüsselloch“-Technik. Allerdings ist mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 5% damit zu rechnen (und von vorneherein zu berücksichtigen), dass aufgrund der individuellen Situation während der OP von dem einen auf das andere Verfahren gewechselt werden muss.

Verschiedene Verfahren und ihre Erfolgsquoten

Abhängig von der Gefäßsituation kommen verschiedene Eingriffsarten bzw. -modifikationen zum Einsatz:

  • Fowler-Stephens-Manöver (ein- oder zweimaliger Eingriff, publizierte Erfolgsrate 77%)
  • modifiziertes Verfahren nach Koff und Sethi (publizierte Erfolgsrate 93%)
  • Autotransplantation (erhöhter operativer Aufwand, Einsatz mikrochirurgischer Technik limitiert durch abnehmenden Gefäßdurchmesser im frühen Operationsalter, publizierte Erfolgsrate 85%)

In den meisten kinderchirurgischen Häusern wird die Schlüsselloch-Suche nach dem nicht tastbaren Hodens und dessen chirurgische Verlagerung mit Unterbindung der Hodengefäße in zwei Sitzungen (zweizeitige Fowler-Stephens-Operation) bevorzugt.

Langfristiger Erfolg der OP zweifelhaft

Trotz operativer Fixierung kommt es in bis zu 5% der Fälle zu einem erneuten Hochwandern des verlagerten Hodens. Und die OP-Ergebnisse sind bezüglich der Fruchtbarkeit im Erwachsenenalter enttäuschend, obwohl heute bereits frühzeitig operiert wird. Zwar sorgt die Operation für die notwendige anatomische Korrektur, an den grundlegenden Mechanismen eines hormonell bedingten Hodenhochstands wird damit jedoch nichts verändert.

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