Wie wird die Hormontherapie bei Hodenhochstand durchgeführt?

Die Hormonbehandlung bei Hodenhochstand (Bauchhoden, Leistenhoden oder Gleithoden) beginnt ab dem 6. Lebensmonat, eventuell sogar schon ab dem 3. Monat. Die Behandlung dauert sieben Wochen und erfolgt üblicherweise als Kombinationsbehandlung mit den beiden Hormonen LH-RH und HCG.

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Leider gibt es eine unüberschaubare Vielzahl an Behandlungsprotokollen für diese „präoperative“ Hormontherapie. Die aktuellen Experten-Leitlinien setzen dem deshalb bewusst ein vereinfachtes Schema entgegen:

  • 1.-4. Woche: LH-RH 3 x 400 μg täglich (als Nasenspray, z.B. Kryptocur®: 3x täglich je ein Sprühstoß von 200 μg in jedes Nasenloch)
  • 5.-7. Woche: HCG 1 x 500 I.E. wöchentlich (Predalon®, wird intramuskulär gespritzt; kein Vorteil für höhere HCG-Dosen bewiesen)

Hormontherapie nach der Operation nur nach individueller Absprache

Zwar ist prinzipiell auch die alleinige Gabe eines dieser beiden Hormone über vier Wochen möglich, neuere Untersuchungen sprechen der Kombinationstherapie aber eine höhere Wirksamkeit zu. Anschließend wird abgewartet, ob es zum gewünschten Hodenabstieg kommt.

In der Mehrzahl der Fälle kommt es nicht dazu. Dann sollte so rechtzeitig operiert werden, dass mit Abschluss des 1. Lebensjahres beide Hoden an ihrem anatomisch korrekten Platz im Hodensack liegen. Wird der Hodenhochstand erst spät bemerkt, so dass dieser Zeitplan nicht eingehalten werden kann, soll nach Ansicht der Leitlinien-Autoren auf die Hormontherapie zugunsten einer möglichst raschen Operation verzichtet werden.

Wie wirksam ist die Hormontherapie bei Hodenhochstand?

Bezüglich des Hodenabstiegs ist die Hormontherapie bestenfalls in einem Drittel, mindestens aber in einem Fünftel der Fälle wirksam (20-30%). Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:4 (25%) kommt es zu einem erneuten Hochstand des zunächst abgewanderten Hodens.

Aufgrund dieser bescheiden anmutenden Erfolgsaussichten raten manche Ärzte auch gleich zur Operation. Dabei sollte aber das zweite Behandlungsziel der Hormontherapie nicht übersehen werden, dass in der Verbesserung der späteren Fruchtbarkeitschancen besteht. Und zwar durch Vermehrung und Reifung der Keimzellen, auch unabhängig vom Hodenabstieg. Das Konzept dieses therapeutischen Ansatzes ist allerdings noch nicht so weit ausgereift, dass es allgemein akzeptiert wäre.

Bei hohem Unfruchtbarkeits-Risiko haben einige Studien gute Ergebnisse mit einer sechsmonatigen Hormonbehandlung nach der Operation nachgewiesen. Die Fruchtbarkeitsrate konnte dadurch erheblich gesteigert werden. Die deutschen Leitlinien-Experten halten die Datenlage aber für unzureichend, um daraus eine allgemeine Empfehlung abzuleiten. Sie empfehlen hier die individuelle Absprache zwischen dem behandelnden Arzt und den Eltern.

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