Wann und wie wird ein Hodenhochstand operiert?

Zunächst zum Wann: Wenn es nach angemessener Wartezeit, d.h. nach den ersten sechs Lebensmonaten, und einer anschließenden Hormontherapie nicht zum Hodenabstieg gekommen ist, sollte dieser operativ vorgenommen werden. Und zwar bis zum Ende des 1. Lebensjahres. So jedenfalls sehen es die aktuellen Leitlinien vor.

Unsere 10 wichtigsten Tipps für eine gesunde Kindheit

weiterlesen...

Im Zweifelsfall bzw. bei verspäteter Diagnosestellung und in allen Fällen, bei denen es sich um einen nicht hormonell bedingten Hodenhochstand handelt, ist die unmittelbare Operation (ohne vorherige Hormonbehandlung) notwendig. 

Wie wird eine Operation des Hodenhochstands durchgeführt?

Und nun zum Wie: Mit einer Orchidopexie. Der medizinische Fachbegriff Orchidopexie ist terminologisch aus den altgriechischen Wörtern für Hoden (Orchis) und Anheften (Pexis bzw. medizinisch Pexie) abgeleitet. Gemeint ist damit die operative Fixierung des Hodens im Hodensack, die als Behandlungsmaßnahme bei Hodenhochstand und Hodentorsion dient.

Bei einer Orchidopexie näht der Chirurg den freigelegten Hoden an den ihn umhüllenden Hautschichten am Hodensack fest. Der Eingriff erfolgt üblicherweise in Vollnarkose und dauert etwa 20 Minuten. Ihr Kind kann im Normalfall prinzipiell noch am selben oder am nächsten Tag wieder nach Hause gehen. Da aber nach der Operation Schmerzen auftreten können und Bettruhe die Wundheilung unterstützt, hat sich ein zweitägiger stationärer Aufenthalt in der Kinderklink bewährt.

Nur für die besonders Interessierten

Wer es noch genauer wissen will und diesbezüglich nicht zu zart besaitet ist, kann im folgenden auch noch tiefer einsteigen. Der Chirurg präpariert zunächst den fehlplatzierten Hoden einschließlich Samenstrang frei und macht beide verschieblich (Funikuloorchidolyse). Anschließend erfolgt die Verlagerung in den Hodensack, wo der Hoden sicherheitshalber fixiert wird, um ein erneutes Hochwandern zu verhindern (Orchidopexie).

Der Eingriff erfolgt entweder offen oder minimalinvasiv per „Schlüsselloch“-Technik. Liegt der Hoden Ihres Säuglings im Bauch, kann ein zweizeitiges Operationsverfahren erforderlich werden, bei dem zweimal operiert werden muss.

Operationstechnisch wird aus Gründen der besseren Narben-Kosmetik und des übersichtlicheren Zugangs für die Erkundung der Bauchhöhle statt der sogenannten steilen Inzision ein querer Schnitt im Bereich der Bauchhautfalte empfohlen. Außerdem gehört die Verwendung optischer Hilfen (Lupenbrille) zum Grundstandard für diese anspruchsvolle Säuglingsoperation, bei der durch eine möglichst spannungsfreie Hodenverlagerung ein optimales funktionelles und kosmetisches Ergebnis angestrebt wird. Auch ein angeborener Leistenbruch bzw. der offene Leistenkanal, der sich erst nach erfolgtem Hodenabstieg verschließt, wird bei dieser Gelegenheit operativ mit versorgt.

Wie wird bei Leistenbruch und Hodenhochstand beim Neugeborenen vorgegangen?

Werden bei einem Neugeborenen gleichzeitig ein Leistenbruch und ein Hodenhochstand diagnostiziert, wird beides operativ versorgt. Während bei der Leistenbruch-OP (Herniotomie) normalerweise keine Probleme zu erwarten sind, besteht aufgrund der zarten Strukturen eine erhöhte Schädigungs-Gefahr beim Versuch, den fehlplatzierten Hoden zu mobilisieren.

Deshalb kann es sein, dass der Operateur auf eine umfassende Loslösung des Hodens mit Anhang sowie dessen Fixierung am richtigen Ort im Hodensack zunächst verzichtet und zur Durchführung dieser Maßnahme eine zweite Operation, normalerweise noch vor dem ersten Geburtstag des Kindes, ansetzt.

Autor:

Anzeigen