Der Kopf juckt noch trotz Läusebehandlung - woran liegt das?

Wenn es trotz richtiger Läusebehandlung immer noch am Kopf juckt, kann das viele Ursachen haben:

  • Reizung der Kopfhaut durch Läusebefall und Kratzen, langsames Abheilen der juckenden Entzündung (ähnlich wie bei anderen Insektenstichen)
  • Reizung der Kopfhaut durch das Entlausungsmittel
  • erneutes Blutsaugen durch geschlüpfte Läuse => immer Wiederholungsbehandlung nötig!
  • zusätzliche Erkrankung der Kopfhaut (Kopfekzem, Schuppenflechte, Allergie usw.) => zum Hautarzt

Vom Ei bis zur ausgewachsenen Kopflaus

Läuse können ziemlich hartnäckig sein. Die Therapie ist entsprechend aufwendig und erfordert von allen Beteiligten einen langen Atem. Denn mit einer einzelnen Behandlung ist es leider nicht getan. Das liegt am Lebenszyklus der kleinen Übeltäter. Adulte Weibchen legen ihre Eier in den Haaren nahe der Kopfhaut ab. Daraus schlüpfen nach ca. einer Woche Larven, die sich über ein sogenanntes Nymphenstadium zur ausgewachsenen Laus weiterentwickeln.

Dieser kleine Ausflug in die Biologie der Kopflaus ist deshalb für unsere Frage wichtig, weil chemische Mittel nicht immer zuverlässig auch sämtliche Eier vernichten. So bleiben nach der Behandlung manchmal einige Eier übrig, aus denen wiederum neue Larven nachschlüpfen können.

Mehrmalige Behandlung nötig

Daher sind Wiederholungsbehandlungen und mehrmaliges Auskämmen der Haare beim Befall mit Kopfläusen so wichtig. In der Regel wird nach 8-10 Tagen eine erneute Behandlung empfohlen.

Auch beim nassen Auskämmen der Haar mit einem speziellen Läusekamm reicht eine einmalige Prozedur leider nicht aus, so gründlich sie auch sein mag. Vier Sitzungen alle 3-4 Tage sollten es schon sein. Nur so können übriggebliebene Eier und nachgeschlüpfte Larven erfasst werden.

Bei all dem können natürlich Fehler passieren. Das ist tatsächlich der häufigste Grund, weshalb es nach erfolgter Behandlung wieder juckt.

Was bei der Therapie von Kopfläusen schiefgehen kann

Mögliche Fehler bei der Behandlung von Kopfläusen sind:

  • zu kurze Einwirkzeiten der Kopflausmittel
  • zu sparsamer Umgang mit dem Mittel bzw. zu starke Verdünnung mit Wasser
  • Auslassen einiger Kopf-/Haarbereiche
  • fehlende Wiederholungsbehandlung

Resistenzen und Mehrfachbefall

Es gibt aber noch weitere mögliche Gründe, wieso Sie die Kopfläuse nicht so einfach loswerden. Wie auch bei den Antibiotika können sich gegen Kopflausmittel Resistenzen bilden. Das heißt, die Parasiten entwickeln Strategien und Mechanismen, um sich davor zu schützen. Bislang bewährte Substanzen können dann ihre Wirkung verlieren.

Außerdem können Sie natürlich auch "Läuse und Flöhe" gleichzeitig haben – in wahrsten Sinne des Wortes. Auch Milben können sich dazugesellen. Die Behandlung muss dann entsprechend aufgestockt werden.

Re- und Superinfektionen

Weiterhin können asymptomatische Personen Kopfläuse unerkannt übertragen. Nicht immer machen die kleinen Tierchen im Haar Beschwerden. Wer nichts von seinen Mitbewohnern ahnt, kann sie über engen Kontakt an andere Personen weitergeben – die sie womöglich gerade losgeworden sich und nun erneut befallen werden. Daher sollten enge Kontaktpersonen am besten gleich mitbehandelt werden.

Ein weiterer Grund, weshalb die Beschwerden nicht aufhören bzw. wiederkommen, ist schließlich eine bakterielle Superinfektion. Das bedeutet, dass sich Bakterien auf der von den Läusen malträtierten Haut niederlassen. Dadurch können sich bevorzugt hinter den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken Entzündungen bilden. Auch die Lymphknoten im Kopf-Hals-Bereich können anschwellen.

Wie Sie sehen, gibt es eine Vielzahl an Gründen, weshalb es nach der Läusebehandlung erneut jucken kann. Meist liegt es daran, dass die Behandlung nicht ganz korrekt durchgeführt wurde. Achten Sie daher darauf, dass Sie die Packungsanweisung und die Vorgaben Ihres Arztes genau befolgen.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser, Eva Bauer (Ärztin)

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